Vier Prozent!? Chase und Norisbank locken mit Kracher-Zinsen
Vier Prozent Zinsen auf Tagesgeld bietet Chase. Die Deutsche-Bank-Tochter Norisbank folgt. Wie gut sind die Angebote wirklich? Die Stiftung Warentest ordnet ein.
Mit ihrem Eintritt in den deutschen Markt sorgt die Digitalbank Chase für ein Ausrufezeichen: Vier Prozent Zinsen auf Tagesgeld – so viel gab zuletzt kein anderer. Zum Vergleich: Zuletzt lagen die Top-Zinssätze auf Tagesgeld für Neukunden bei um die 3,5 Prozent. Die Digitalbank Chase ist ein Ableger der US-Großbank JPMorgan.
Der Check: So gut ist das Chase-Tagesgeld wirklich
Chase bietet für Neukunden vier Monate vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeldkonto, ohne Betragsbegrenzung. Nach Ablauf der vier Monate gibt es aber deutlich weniger. Dann wird das Tagesgeld zu regulären Konditionen verzinst – aktuell liegt der Zinssatz bei 2 Prozent. Abschließen kann man das Tagesgeldkonto nur per App.
Wer bei Chase Tagesgeld anlegt, ist durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Diese beträgt bis 100 000 Euro pro Anleger und Bank. Zudem ist Chase Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands. Darüber sind Anleger im Verlustfall mit mindestens 438 000 Euro, maximal 3 000 000 Euro abgesichert.
Tipp: Top-Zinsangebote finden Sie in unserem Tagesgeldvergleich und Festgeldvergleich – täglich aktualisiert. Hier können Sie sehen, wie Chase im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet.
Norisbank kontert: Ebenfalls vier Prozent
Dass Chase einen neuen Top-Zins ins Spiel brachte, ließ die Konkurrenz nicht auf sich sitzen. Die Norisbank – eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank – bietet Neukunden ab dem 1. Juli ebenfalls vier Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Das Angebot kann man noch bis zum 30. Juni abschließen.
Bei der Norisbank gibt es die vier Prozent Zinsen sogar für sechs Monate. Das Angebot gilt für Beträge bis 250 000 Euro, einen Mindestanlage-Betrag gibt es nicht. Nach Ende des Aktionszeitraums gibt es einen deutlich geringeren Zins – aktuell 0,75 Prozent. Die Einlagensicherung ist identisch zu Chase.
Lock-Angebot der Norisbank mit Haken
Im Vergleich zu Chase hat das Angebot der Norisbank einen deutlichen Haken: Die Top-Zinsen gibt es nur, wenn man zeitgleich ein Girokonto eröffnet. Dieses Girokonto ist an Bedingungen geknüpft, um kostenlos zu bleiben: Entweder man ist unter 30 Jahre alt, oder es müssen mindestens 500 Euro im Monat eingehen. Sonst kostet es 3,90 Euro im Monat. Bestandskunden der Norisbank sind zudem von dem Angebot ausgeschlossen.
Zweiter Minuspunkt: Der Wechsel ist an enge Voraussetzungen gebunden: Man muss den Online-Kontowechselservice nutzen und mindestens drei Zahlungspartner automatisiert über den Kontowechsel informieren. Das können zum Beispiel Gehalt, Miete und die Handyrechnung sein. Günstige Girokonten ohne Haken finden Sie in unserem monatlich aktualisierten Girokonten-Vergleich.
Fazit der Stiftung Warentest: Diese Bedingungen sind nicht verbraucherfreundlich. Wegen dieser Nebenbedingungen nehmen wir das Vier-Prozent-Lockangebot der Norisbank nicht in unseren Tagesgeld-Vergleich auf. Nur in Einzelfällen kann es sich lohnen – zum Beispiel, wenn man sowieso das Girokonto wechseln möchte. Vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeld sind dann ein schöner Bonus, nach Ablauf des sechsmonatigen Angebot-Zeitraums gibt es anderswo aber bessere Tagesgeld-Konten.
(mit dpa)