Gärtnern für alle: Wer klimaresistente Pflanzen anbauen will, sollte sich in einer nahe gelegenen Saatgutbibliothek umsehen. Dort gibts samenfeste Saat für wenig Geld.
Was ist eine Saatgutbibliothek?
Die Idee zur Saatgutbibliothek stammt aus den USA. Die Seedlibraries-Initiative wollte alte Pflanzensorten vor gentechnisch verändertem Saatgut schützen und so dazu beitragen, die Sortenvielfalt zu erhalten. Die Bibliotheken sorgen aber auch dafür, dass Gartenfans ihre Pflanzen unabhängig von kommerziellen Saatgutfirmen auswählen und anbauen können. Zudem helfen Tausch- und Leihbörsen dabei, alte, selten gewordene Sorten vor dem Aussterben zu bewahren. Alte Saatgutsorten sind besonders widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen.
Was ist so besonders an den Pflanzen?
Die meisten Bibliotheken bieten samenfestes Saatgut an – also Sorten, die sich Jahr für Jahr weitervermehren lassen. Das heißt, dass die aus den Samen gewonnenen Pflanzen die gleichen Eigenschaften haben wie die Elternpflanzen. Sie haben also auch über Generationen hinweg die gleiche Form, Größe und den gleichen Geschmack. Damit heben sie sich deutlich von gezüchtetem Hybridsaatgut ab. Denn bei den Hybridsaaten (auch „F1“ genannt) hat zwar die erste Generation der Nachkommen die gleichen Eigenschaften wie die Ursprungspflanze. Nachfolgende Generationen können aber völlig andere Merkmale aufweisen – ein Problem für alle Landwirte, die an nachhaltigem Anbau interessiert sind.
Wie funktioniert die Ausleihe?
Saatgutbibliotheken funktionieren im Prinzip wie andere (Leih-)Bibliotheken auch – nur dass Sie sich als Bibliothekskunde statt Büchern, DVDs oder Spielen Samen „ausleihen“.
Diese Samen pflanzen Sie in Ihrem Garten oder auf dem Balkon entsprechend der jeweiligen Anleitung ein – und müssen die Pflänzchen fortan sorgsam hegen und pflegen. Aus Tomaten-, Bohnen, Erbsen- oder Kürbissamen wächst köstliches Gemüse. Während Schnittlauch, Petersilie oder Dill den Speiseplan verfeinern, sorgen Stauden-, Ringel- oder Kornblumensamen einfach nur für schöne Ausblicke.
Die Ausleihe ist in vielen Fällen kostenlos, je nach Bibliothek können aber Gebühren für Leihausweise anfallen, etwa eine Jahresgebühr.
Und wie gebe ich die Samen zurück?
Nach der Ernte sollten Sie die Samen aus Früchten oder Blüten pulen, trocknen und zur Ausleihstelle zurückbringen. Statt nach einigen Wochen wie beim Buch bekommt die Bibliothek die Samen also erst nach der Ernte zurück. Hier ist Ihre Mitarbeit gefragt. Denn nur wenn alle kooperieren, können Bibliotheken gewährleisten, dass immer genug Saatgut zur Verfügung steht.
In einigen Bibliotheken können Sie auch eigenes Saatgut abgeben und so das Angebot erweitern. Informieren Sie sich dazu am Infoschalter oder an der Ausgabe, wie die Samen verpackt und beschriftet werden sollen.
Wer macht alles mit?
Wer das Wort „Saatgutbibliothek“ in Verbindung mit dem eigenen Wohnort in eine Suchmaschine gibt oder den Chatbot fragt, wird vielerorts fündig. Häufig bieten Stadtteilbibliotheken diesen Service an, in Hamburg sogar die mobilen Bücherbusse. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat ein Saatgutbibliotheken-Verzeichnis für NRW erstellt, viele Bundesländer bieten Ähnliches. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt gibt ein überregionales Verzeichnis von Kooperationspartnern hinaus. Aber auch Obst- und Gartenbauvereine, Nachbarschaftstreffs und private Initiativen bieten Tausch- und Ausleihmöglichkeiten.
Wo finde ich weiterführende Tipps?
Das große Gartenjahr-Buch der Stiftung Warentest (224 Seiten, 29,90 Euro) gibt viele praktische Tipps zum entspannten Gärtnern übers ganze Jahr. Sie lernen die richtigen Handgriffe für Anbau und Pflege – für jeden Monat des Gartenjahrs. Und wenn Sie trotz blühenden Balkons kurz in den Urlaub entschwinden wollen: dank Tropfbewässerung können Sie die Pflänzchen ohne schlechtes Gewissen sich selbst überlassen. Unser Test zeigt: Gute Systeme gibts es mit und ohne Festwasseranschluss.