4.11.2026 09:32

Nächster Halt: Stanford

Germany Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Unknown author
Der 26-jährige Medizinstudent Peter Neidlinger erhält einen der 90 Plätze im Knight-Hennessy Scholars Program unter knapp 10.000 Bewerberinnen und Bewerbern und zieht im Herbst nach Kalifornien. An der Stanford School of Medicine will er in Biomedical Data Science promovieren. Sein Ziel ist, vertrauenswürdige Machine-Learning-Verfahren zu entwickeln und damit die medizinische Versorgung zu verbessern; parallel zum Medizinstudium hat er 2025 an der FAU ein Data-Science-Studium begonnen.
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Schon während der Schule interessiert sich Peter Neidlinger für Medizin – und für Informatik. Im Studium verbindet er kurzerhand beide Fachbereiche. Das hat ihm ein Stipendium in Stanford verschafft.

Peter Neidlinger steht in der Küche, als er einen verpassten Anruf auf seinem Telefon bemerkt. Eine unbekannte Nummer aus USA. Der Medizinstudent vermutet bereits, worum es geht. „Mit einer Zusage habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt er. Trotz seiner Zweifel steht nach dem Rückruf fest: Er wird nach Kalifornien umziehen, um in Biomedical Data Science an der Stanford School of Medicine der Universität Stanford zu promovieren. Denn unter knapp 10.000 Bewerberinnen und Bewerbern hat er sich durchgesetzt und einen von 90 Plätzen im Knight-Hennessy Scholars Program ergattert. Bis dahin hatte er bereits mehrere Wochen Arbeit in die Bewerbung gesteckt. „Es war ein ungewöhnliches Bewerbungsverfahren. Viel persönlicher als für andere Stipendien“, erzählt der 26-Jährige.

Vom Informatikwettbewerb in die Medizinforschung

Die Informatik spielt schon in der Schulzeit eine große Rolle in Neidlingers Leben. Regelmäßig nimmt er an Informatikwettbewerben teil und programmiert in seiner Freizeit kleine Spiele oder Apps. Doch auch sein Interesse an der Medizin wächst bis zum Abitur. Als er sich 2019 für ein Studium entscheiden muss, fällt seine Wahl auf die Medizin. „Allerdings habe ich schon damals gehofft, die beiden Bereiche miteinander kombinieren zu können“, erzählt Neidlinger. Nur wenige Jahre später macht er genau das: Vor seinem praktischen Jahr wirkt er ein Jahr lang an Forschungsprojekten zu künstlicher Intelligenz in der Medizin mit. Die Hälfte der Zeit verbringt er dafür am Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden, die andere an der Universität Stanford. Erstmals setzt sich Neidlinger mit dem Gedanken auseinander, sich für ein Stipendium in Stanford zu bewerben. Er recherchiert, hört Podcasts von aktuellen Stipendiaten und spricht mit Studierenden vor Ort. „Alles hat sich sehr spannend angehört – und einschüchternd. Aber ich wollte es auf jeden Fall probieren und gut vorbereitet sein“, erzählt er.

Um sein Wissen im Bereich KI und Informatik zu vertiefen, beginnt er 2025 parallel zur Medizin ein weiteres Studium an der FAU: Data Science. Dafür holt er die Zustimmung der Dekane beider Fakultäten ein. „Ich konnte gut begründen, weshalb ich zusätzliche Kurse besuchen möchte, und durfte mich einschreiben“, erzählt er. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Neidlinger bereits mitten im praktischen Jahr. Die Inhalte der Data-Science-Kurse holt er am Wochenende nach.

Seine Freizeit stellt Neidlinger hintan. Dabei läuft die Roundnet-Community, die er einige Jahre zuvor mit zwei Kommilitonen gegründet hatte, nun richtig an: Regelmäßige Trainings und Spiele werden zunehmend aufwendiger. „Irgendwann hatte ich nicht mehr genug Zeit für alles und musste priorisieren“, erzählt er. Und das zahlte sich aus.

Bessere Medizinversorgung durch KI

Neidlingers Ziel ist es, vertrauenswürdige Machine-Learning-Verfahren zu entwickeln und so die medizinische Versorgung zu verbessern. „Ich glaube, gerade in der Medizin kann man mit KI viel Gutes tun. Deshalb finde ich es so spannend, daran zu forschen“, sagt er. Ob es nach der Promotion in Stanford in die Klinik oder in die Forschung geht, behält er sich noch vor. An erster Stelle steht für ihn jetzt die Zeit in den USA: Im Herbst zieht er um und beginnt seinen PhD. „Ich möchte das Stipendium sinnvoll nutzen, deshalb mache ich mir schon Druck. Aber ich freue mich darauf, mich auf die Forschung zu fokussieren und nicht mehrere Sachen gleichzeitig jonglieren zu müssen.“

Laura Indelicato



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