22.7.2026 00:55

Tinte schont die Umwelt

Germany Stiftung Warentest Michael Wolf
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Tinte oder Laser? Stan­dard- oder Recycling­papier? Beim Drucken hängen die Umwelt­folgen von vielen Faktoren ab. Wir zeigen, wie man sie minimiert.

Einladungs­karten und Arbeits­blätter, Fotos und Formulare, Konzert- und Bahnti­ckets − auch im Digital­zeit­alter gibt es noch aller­hand zu drucken. Wie gravierend sind die Auswirkungen auf die Umwelt? Welchen Unterschied macht es, ob ich einen Tinten- oder einen Laser­drucker nutze? Wie kann ich die Umwelt­folgen meiner Ausdrucke verringern? Was bringt zum Beispiel Recycling­papier? Unsere Ökobilanz liefert Antworten.

Wir haben die Umwelt­folgen von drei Arten von Druckern über ihren gesamten Lebens­zyklus verglichen, von der Herstellung bis zur Entsorgung. In Privathaushalten am weitesten verbreitet sind Farbtinten-Multi­funk­tions­drucker mit Scan- und Kopier­funk­tion. Ihnen stellten wir ähnlich ausge­stattete Farblaser-Multi­funk­tions­drucker und einfache Schwarz­weiß-Laser­drucker ohne Scanner gegen­über.

Tinten­drucker ökologisch am besten

Das Resultat ist eindeutig: Die Farbtinten-Kombidrucker verursachen in ihrem Leben erheblich geringere Umwelt­belastungen als Farblaser-Kombidrucker. Ökologisch noch ein biss­chen besser stehen die einfachen Schwarz­weiß-Laser­drucker da. Und für alle Szenarien, die wir modelliert haben, gilt: Die Herstellung belastet die Umwelt viel stärker als die Nutzung. Die Umwelt­folgen von Trans­porten und der Bonus fürs Recycling sind demgegen­über schon fast zu vernach­lässigen.

Unser Rat

Nutzen Sie Ihren Drucker möglichst lange – die größten Umwelt­belastungen entstehen bei der Herstellung. Beim Neukauf eines Farb­druckers setzen Sie auf Tinten- statt auf Laser­drucker. Deren Produktion ist weniger aufwendig und hat weit geringere Umwelt­folgen. Ökologisch noch besser sind reine Schwarz­weiß-Laser­drucker. Unabhängig von der Druck­technik verbessern Recycling­papier und beidseitiger Druck die Ökobilanz.

Sechs Drucker im Labor zerlegt

Um fest­zustellen, wie sich die Herstellung der Geräte auf die Umwelt auswirkt, hat unser Labor von jedem der drei Drucker­typen zwei Modelle aus unserer Test­daten­bank in ihre Einzel­teile zerlegt und die Materialien analysiert. Die Umwelt­folgen der Nutzung ermittelten wir für Viel- und Wenig­drucker. Dafür nutzten wir Daten aus unserem laufenden Druckertest zum Strom-, Tinten- und Toner-Verbrauch und berechneten die Auswirkungen des Papier­verbrauchs für Stan­dard- und für Recycling­papier.

Bei der Auswahl der analysierten Drucker und bei unseren Szenarien zum Druck­aufkommen gehen wir von Privathaushalten aus: Wenig­drucker bedrucken 10 Seiten im Monat, Viel­drucker 100 Seiten. In großen Büros wird oft viel mehr gedruckt, und es kommen größere Profi-Drucker zum Einsatz.

Auch die Trans­portwege für Drucker, Tinte und Toner fließen in unsere Bilanz ein: Mit dem Lkw von der Fabrik in Asien zum nächsten Hafen, im Schiffs­container nach Europa, mit dem Lkw in den Handel und per Pkw oder Paketbote zum Endkunden. Für all das ermitteln unsere Experten Umwelt­schadens­punkte und rechnen sie zu einer Gesamt­bilanz zusammen.

Gesamt­bilanz: Farbtinte schlägt Farblaser

Was Umwelt­schadens­punkte sind: Die Umwelt­schadens­punkte geben an, wie stark Produktion, Trans­port, Nutzung und Entsorgung eines Druckers und der zugehörigen Verbrauchs­materialien die Umwelt belasten. Je höher die Zahl der Schadens­punkte, desto schlechter für die Umwelt und die Ökobilanz. Wir nehmen für unsere Berechnungen an, dass die Drucker jeweils fünf Jahre genutzt und danach korrekt entsorgt werden. Die Entsorgung reduziert die Punkt­zahl, wenn Bestand­teile recycelt werden können.

Wenig­drucker sind in unserem Szenario Nutzer, die 10 Iso-Stan­dard­seiten pro Monat auf Stan­dard­papier drucken.

Viel­drucker drucken 100 Iso-Stan­dard­seiten pro Monat auf Stan­dard­papier.

Laser verbrauchen mehr Ressourcen

Dass Laser­drucker bei gleicher Ausstattung so viel umwelt­schädlicher sind als Tinten­drucker, liegt an ihrer aufwendigeren Technik. Im Schnitt wiegen die Farblaser-Kombis in unserem Vergleich etwa doppelt so viel wie die Tinten­drucker. Ihre Herstellung verbraucht rund doppelt so viele Rohstoffe – etwa Metalle oder Rohöl für Kunst­stoff­teile – und setzt doppelt so viele schädliche Emissionen frei, zum Beispiel klimasch­ädliches CO2 oder Fein­staub.

Strom­verbrauch vor allem im Standby

Die Bilanz für die Nutzung fällt je nach Druck­volumen unterschiedlich aus. Bei jenen, die wenig drucken, dominiert im laufenden Betrieb der Strom­verbrauch. Der Grund: Die Drucker ziehen in unserem Szenario dauerhaft Strom für den Standby-Betrieb − die Farblaser-Kombis erheblich mehr als die Farbtinten-Kombis oder die Schwarz­weiß-Laser­drucker. Wer auf die ständige Bereitschaft im Netz­werk verzichtet, kann den Standby-Verbrauch zumindest bei Laser­druckern stark reduzieren.

 

Nutzung: Bei Vieldruckern dominiert das Papier

Das Papier erzeugt bei Vieldruckern die meisten Schadenspunkte für den lau­fen­den Betrieb. Recyclingpapier verbessert die Bilanz. Tonerkartuschen von Lasergeräten sind umweltschädlicher als Tintenpatronen.

Recycling­papier reduziert die Umwelt­folgen

Bei Viel­druckern dominieren die Verbrauchs­materialien die Bilanz für die Nutzung, vor allem das Papier. Auch hier gibt es Spar­potenzial: Recycling- statt Stan­dard­papier reduziert die Schadens­punkte fürs Papier um etwa ein Drittel.

Hoher Aufwand für Tonerkartuschen

Der Tonerverbrauch von Farblasern verursacht bei Viel­druckern mehr als dreimal so gravierende Umwelt­folgen wie der Tinten­verbrauch der Tinten­drucker. Das liegt nicht etwa daran, dass Farbtoner besonders giftig wären. Vielmehr sind es die Tonerkartuschen, die Farblasern die Nutzungs­bilanz verhageln: Solche Kartuschen wiegen ein Vielfaches von Tinten­patronen und sind entsprechend aufwendiger zu produzieren.

Das kennen wir auch aus unserem Druckertest, wo wir im Prüf­punkt Umwelt­eigenschaften auch den Material­aufwand für die Patronen beziehungs­weise Kartuschen bewerten – also wie viel Gramm Müll pro gedruckter Seite nach dem Leer­drucken übrig bleiben. Bei Laser­druckern ist dieser Wert im Schnitt mehr als dreimal so hoch wie bei Druckern mit Tinten­patronen.

Flaschen­drucker können die Bilanz noch verbessern

Die Tinten­drucker in unserer Bilanz nutzen Tinte aus Patronen. Mit Geräten, die ihre Tinte aus Flaschen beziehen, ließe sich die Umwelt­bilanz noch verbessern: Pro gedruckter Seite liegt der Material­aufwand für Flaschen meist nicht einmal bei einem Zehntel von dem für Patronen. Das schöpft aber nur aus, wer die Flaschen leer­druckt. Für die Umwelt­bilanz gilt ähnlich wie für die Druck­kosten: Flaschen­drucker lohnen sich vor allem für Leute, die wirk­lich richtig viel drucken.

Tipps: So verbessern Sie Ihre Ökobilanz beim Drucken

Drucker lange nutzen. Die größten Umwelt­belastungen entstehen bei der Herstellung. Nutzen Sie darum ein vorhandenes Gerät, so lange es geht. Lassen Sie es reparieren, statt es durch ein neues zu ersetzen.

Tinte statt Laser. Wenn Sie Wert auf Farb­druck legen, wählen Sie beim Neukauf einen Tintendrucker. Bei vergleich­barer Ausstattung belastet seine Produktion die Umwelt weniger.

Schwarz­weiß statt Farbe. Wenn es doch ein Laser­drucker sein soll, etwa, weil Sie auf dessen ultra­scharfen Text­druck nicht verzichten wollen, dann ziehen Sie ein einfaches Schwarz­weiß-Gerät in Betracht.

Drucker statt Kombigerät. Wer nur selten scannt, sollte einen einfachen Drucker ohne Scan-Funk­tion kaufen. Gelegentliche Scans kann man auch mit dem Handy machen.

Recycling­papier. Nutzen Sie Recycling­papier. Es verursacht etwa ein Drittel weniger Umwelt­schadens­punkte als Stan­dard­papier. Papier, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist, besteht zu 100 Prozent aus Altpapier.

Duplex-Druck. Bedrucken Sie Papier beidseitig, das halbiert den Papier­verbrauch und die damit verbundenen Umwelt­folgen. Besonders leicht geht das bei Druckern mit Duplex-Druckfunktion.

Drucker richtig abschalten. Laser­drucker können Sie bei Nicht­gebrauch getrost vom Stromnetz trennen. Die meisten Laser haben dafür einen netz­trennenden Kipp­schalter. Ansonsten hilft eine Stecker­leiste mit Netz­schalter. Tinten­drucker sollten dagegen nicht vom Stromnetz getrennt werden, weil sie sonst bei jedem Neustart den Druck­kopf mit Tinte durch­spülen.

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