7.6.2026 07:09

Muckefuck kommt zurück

Germany Stiftung Warentest Unknown author
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Güns­tiger, nach­haltiger, koffeinfrei: Kaffee­alternativen aus Getreide, Zichorie oder Lupine werden wieder häufiger getrunken. Woran das liegt − und was sie unterscheidet.

Die einen nennen ihn Muckefuck, die anderen Land- oder Kinder­kaffee. Früher oft in Zeiten des Mangels getrunken, verzeichnet Kaffee-Ersatz aus gerösteten und gemahlenen Getreidearten, Zichorie oder Lupine derzeit eine steigende Nach­frage. Das meldet das Portal Ökolandbau, ein Informations­angebot der Bundes­anstalt für Land­wirt­schaft und Ernährung. Auch mehrere Anbieter bestätigten der Stiftung Warentest, dass sie eine steigende Nach­frage beob­achten:

  • Nestlé, nach eigenen Angaben Markt­führer mit den Marken Caro und Linde‘s Korn­kaffee,
  • Röstfein, Anbieter des Malz­kaffees Im Nu,
  • Wert­form, Anbieter von Getreide­kaffees der Marke Mount Hagen,
  • Alnatura und dm für ihre Eigenmarken

Mögliche Gründe für das Revival: Mit Kaffee-Ersatz lässt sich angesichts gestiegener Preise für Bohnenkaffee sparen, zudem bietet er ökologische Vorteile. Außerdem ist der Ersatz für all jene interes­sant, die ihren Koffein­konsum verringern möchten.

Vorteil 1: Meist preis­werter als Bohnen­kaffee

Unsere stich­proben­artigen Recherchen im Online-Handel zeigen: Lösliche Kaffee­alternativen kosten pro Kilo im Schnitt nicht mal halb so viel wie Instant­kaffee. Bioprodukte sind dabei teurer als konventionell erzeugte Getreide­kaffees.

Auch gegen­über Filterkaffee bieten Kaffee­alternativen Spar­potenzial: Nach unseren Berechnungen ist löslicher Getreide­kaffee pro Tasse mit 100 Milliliter ab etwa 3 bis 5 Cent zu haben, während die preisgüns­tigsten Filter­kaffees bei circa 6 bis 9 Cent pro 100 Milliliter starten. Lupinen-Kaffee­pulver zum Filtern oder für die French Press ist im Schnitt pro Kilo etwas teurer als Filter­kaffee von Handels­marken, aber güns­tiger als viele Marken-Filter­kaffees.

Vorteil 2: Rohstoffe wachsen in Europa

Kaffee-Ersatz kann laut Bundes­anstalt für Land­wirt­schaft und Ernährung in vielen Fällen nach­haltiger sein als das Original. Die Rohstoffe ließen sich in Europa anbauen, was kurze Trans­portwege bedeutet und den CO2-Fußbadruck senkt. Und sie benötigten weniger Ressourcen wie etwa Wasser. Land­wirte könnten sie in bestehende Frucht­folgen integrieren, was die Diver­sität erhöhe.

Unbe­stritten ist: Der Konsum von klassischem Kaffee belastet die Umwelt erheblich. Je nach Anbau- und Zubereitungs­methode fällt die Ökobilanz unterschiedlich aus. Der Klimawandel bedroht die Kaffee­anbauflächen. Gleich­zeitig trägt ihre Ausweitung zur Entwaldung in einigen tropischen Gebieten bei − was die Klimakrise wiederum verschärft.

Vorteil 3: Meist koffeinfrei

Ein weiterer Grund zu Malz-, Getreide- oder Lupinen­kaffee zu greifen, kann der Wunsch sein, weniger Kaffee zu konsumieren (So viele Tassen können Sie trinken). Kaffee-Ersatz­getränke sind von Natur aus koffeinfrei – es sei denn, sie enthalten andere koffeinhaltige Zutaten wie Guarana oder synthetisches Koffein.

Manche Menschen erhoffen sich besseren Schlaf, wenn sie weniger Koffein aufnehmen. Koffein kann zudem die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, etwa von Schmerz­mitteln, Antibiotika und Asth­mamitteln. Schwangere sollten ihren Konsum an Koffein beschränken: Zu viel kann das Risiko für Wachs­tums­störungen beim Ungeborenen erhöhen. Laut Europäischer Behörde für Lebens­mittel­sicherheit sind für Schwangere höchs­tens 200 Milligramm Koffein über den Tag verteilt in Ordnung – etwa zwei Becher Filter­kaffee à 200 Milliliter.

Tipp: Achten Sie auf die Zutaten­liste, um zu über­prüfen, ob wirk­lich kein Koffein enthalten ist.

Was in den Kaffee­alternativen steckt

Alle Getränke haben einen kaffee­ähnlichen Geschmack, unterscheiden sich aber aufgrund ihrer Rohstoffe. In der Regel sind sie als Instant­getränke zum Aufgießen mit heißem Wasser im Angebot. Seltener gibt es sie als Pulver, das im Filter, in der French Press oder im Espressokocher zubereitet werden kann.

  • Getreide­kaffee. Er wird meist aus gerösteten und anschließend gemahlenen Gersten-, Roggen- oder Dinkelkörnern hergestellt und kann weitere Zutaten wie Zichorie, Malz, Kicher­erbsen, Eicheln oder Feigen enthalten. Der Geschmack ist mild, leicht süßlich und malzig. Manche Anbieter empfehlen die Zubereitung nicht nur mit heißem Wasser, sondern alternativ auch mit heißer Milch oder einem heißen Pflanzendrink.
  • Zichorien­kaffee. Basis ist die getrock­nete, geröstete und gemahlene Wurzel der Zichorien­pflanze, auch Gemeine Wegwarte genannt. Das zubereitete Getränk schmeckt meist kräftiger und bitterer als Getreide­kaffee.
  • Lupinen­kaffee. Er wird aus den gerösteten Samen der Süßlupine hergestellt. Der Geschmack wird als mild-aromatisch mit typischer Kaffee-Röstnote beschrieben.

Acryl­amid kann ein Problem sein

Da die Rohstoffe geröstet werden, kann Ersatz­kaffee – wie auch das Original aus Bohnen – erhöhte Gehalte an Acrylamid aufweisen. Der Schad­stoff bildet sich in stärkehaltigen Lebens­mitteln, die auf mehr als 120 Grad Celsius erhitzt werden und bräunen. Zichorie ist besonders anfäl­lig für die Acryl­amid-Bildung. Gänzlich vermeiden lässt sie sich nicht. Da Acryl­amid das Erbgut verändern und möglicher­weise Krebs erzeugen kann, sind Hersteller angehalten, den Gehalt so weit wie möglich zu senken.

In unserem Acrylamid-Test 2019 über­schritt kein Kaffee-Ersatz den jeweiligen EU-Richt­wert, zwei Getreide­kaffees kamen aber nah heran. Auch das Chemische Veterinär- und Unter­suchungs­amt Stutt­gart untersuchte den Acryl­amid­gehalt in Lebens­mitteln: In den Jahren 2018 bis 2023 über­schritten nur 2 der 54 geprüften Kaffee-Ersatz-Proben den jeweiligen Richt­wert der EU-Acryl­amid-Verordnung.


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