Windkraft als Schlüssel zur Energieautonomie?
LR Allgäuer: Ausbau der Erneuerbaren beim Strom hat absolute Priorität.
Bregenz (VLK) – Der Faktencheck von Argumenten pro und kontra Windkraft und die Frage nach der Qualität von Diskurs und Beteiligung lockten trotz sommerlicher Temperaturen 150 Gäste zur „Energie Lounge“ ins Vorarlberg Museum. Dort wurde deutlich: Die Energieautonomie ist ohne Windkraft kaum zu schaffen - gleichzeitig braucht es klare Kriterien, transparente Prozesse und breite gesellschaftliche Einbindung.
Vorarlbergs Zukunft ist elektrisch, der Ersatz von Öl und Gas in Haushalten, Industrie und Mobilität erfolgt durch Strom. Von der Wärmepumpe bis zum Elektro-LKW. Vorarlberg verfügt über gute Voraussetzungen, den dadurch erwartbaren Anstieg des Stromverbrauchs von etwa 40 Prozent durch erneuerbare Energieträger abzudecken. Die Voraussetzung: Dass der bisher stark von Wasserkraft und immer mehr von Photovoltaik gespeiste Strommix durch eine Komponente ergänzt wird, die auch im Winter zuverlässig Strom liefert. Für Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur AEA, ist das die Windkraft. Sie soll laut einem Szenario der AEA bis 2040 den größten Anteil unter den erneuerbaren Stromerzeugern in Österreich ausmachen. „Wir brauchen Windkraft vor allem, weil wir im Winter Strom benötigen – sie ist ein wesentlicher Baustein für eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft.“, sagt Franz Angerer.
Auch wenn Vorarlberg im Gegensatz zu Niederösterreich oder dem Burgenland kein klassisches Windland ist, sollen mittelfristig bis zu 5 Prozent der Stromversorgung mit regionaler Windkraft abgedeckt werden. Das steht auch in der gerade überarbeiteten Energieautonomie-Strategie bis 2030. Für Energielandesrat Daniel Allgäuer ist klar, dass der Ausbau der Erneuerbaren beim Strom absolute Priorität hat. Und dass auch der Windkraft ein Platz eingeräumt werden soll: „Da wir Atomkraft ablehnen, müssen wir erneuerbare Alternativen zulassen – dazu gehört auch die Windkraft, dort wo sie ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich tragbar ist.“
Für die ökologische Verträglichkeit setzt sich Naturschutzanwältin Katharina Lins ein und hält fest, dass es sensible Bereiche gäbe, in denen die Kosten für Natur und Artenvielfalt zu hoch wären. Das Abwägen darüber müsse sachlich und transparent erfolgen: „Man muss sachlich prüfen, wo Windkraft möglich ist und wo nicht – es gibt sensible Bereiche, in denen die Kosten für Natur und Landschaft zu hoch wären.“
Neben dem Schutz von Vögeln und Fledermäusen wird der Schutz der Landschaft ganz grundsätzlich oft als Argument gegen die Windkraft ins Treffen geführt. Ist doch das Windkraft-Projekt am Pfänderrücken vor einigen Jahren nicht zuletzt an diesem Argument gescheitert. Laienhaft als „Passt dort nicht hin“ artikuliert, wird das Thema Landschaftsbild in Planungs- und später auch in Bewilligungsprozessen durchaus objektiviert, erklärt der Raumplaner Dominik Schwärzler: „Windräder sind unstrittig ein deutlich sichtbarer Eingriff ins Landschaftsbild, aber dieser lässt sich objektiv bewerten – entscheidend ist die Sensibilität des jeweiligen Landschaftsraums.“
Bei den vielen Argumenten, die für und gegen Windkraftanlagen sprechen, ist eine möglicherweise auch emotional geführte Diskussion vorprogrammiert. In dieser komme vor allem den Standortgemeinden eine große Verantwortung zu, wie auch an anderen aktuellen Energieprojekten sichtbar sei, erklärt Kommunikations- und Beteiligungsexperte Dieter Bitschnau. Den Gemeinden obliege es, die Prozesse zur Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu initiieren und den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. In der Regel erfolge die Kommunikation zu solchen Projekten zu spät, was zu sich schnell verhärtenden Fronten führe und Gemeinden durchaus spalten könne. „Akzeptanz entsteht nur, wenn frühzeitig, transparent und faktenbasiert informiert wird – sonst eskalieren Konflikte rasch.“
Einigkeit bestand in der „Energie Lounge“ jedenfalls darüber, dass erfolgreiche Projekte nur durch offene Kommunikation, klare Standortplanung und sorgfältige Abwägung von Interessen gelingen. Windkraft werde sichtbar sein – ebenso wie die Entscheidungen, die Gesellschaft und Politik dazu treffen.
Die Energie Lounge ist eine Veranstaltungsreihe zu Energie, Architektur und Gesellschaft vom Energieinstitut Vorarlberg, dem Vorarlberger Architektur Institut und dem Vorarlberg Museum.
Heuer fand die Energie Lounge als informeller Auftakt zu den Architekturtagen 2026 statt, die sich mit Ausstellungsorten im ganzen Land bis zum 31. Mai dem Thema Infrastruktur im Alltag widmen (https://architekturtage.at/)
https://presse.vorarlberg.at/land/public/Windkraft-als-Schl-ssel-zur-Energieautonomie