4.11.2026 08:13

ZDH-Konjunkturbericht 2/2026

Deutschland Zentralverband des Deutschen Handwerks Autor nicht angegeben
Der ZDH-Konjunkturbericht 2/2026 beschreibt eine weitgehende Stagnation im Handwerk: Trotz stärker erwarteten deutschen BIP-Wachstums profitiert die binnenwirtschaftlich orientierte Branche kaum, während Energie- und Materialkosten sowie Lieferengpässe die Betriebe belasten. Der Geschäftsklimaindikator sinkt um 5 Punkte auf 105; auch Umsätze, Auftragsbestände, Auslastung und Investitionen entwickeln sich schwach. Für 2026 erwartet der ZDH nominal ein Umsatzplus von 2,5 Prozent, real jedoch einen Rückgang von etwa 1,5 Prozent und ein Beschäftigungsminus von rund 1,5 Prozent. Ohne die rasche Umsetzung angekündigter wirtschaftspolitischer Reformen könnten die Konjunkturimpulse verpuffen.
KI-Zusammenfassung

Handwerksmotor springt nicht an – Politik löst Bremsen nicht.

  • Das Konjunkturbild im Handwerk bleibt trotz des unerwartet besserem BIP-Wachstums im
    1. Halbjahr 2026 ernüchternd. Vom Wachstumsschub, der vor allem von einer stärkeren Exportnachfrage infolge des Ausfalls von Lieferanten aus dem Nahen Osten sowie statistischen Effekten aufgrund der jüngsten Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung getragen wurde, spürt das binnenwirtschaftlich orientierte Handwerk nur wenig. Auch die Impulse aus den Sondervermögen bleiben für das Handwerk bisher überschaubar. Zugleich Belasten die gestiegenen Energie- und teilweise auch Materialkosten sowie Lieferengpässe die Handwerkskonjunktur weiterhin.

  • Die Urteile der Handwerksbetriebe zur aktuellen Geschäftslage fallen schlechter aus als vor einem Jahr: Der Geschäftslageindikator geht um 5 Zähler auf 21 Punkte zurück. Auch die Erwartungen trüben sich ein (Geschäftserwartungsindikator: minus 6 Zähler auf minus 9 Punkte). Ohne die zügige Umsetzung der lange angekündigten wirtschaftspolitischen Reformen droht der jüngste und ohnehin nur zaghafte Konjunkturimpuls zum Strohfeuer zu werden. Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk, der Lage und Erwartungen bündelt, fällt um 5 Zähler auf 105 Punkte zurück und zeigt eine weitgehende Stagnation im Handwerk an.
  • Weiterhin negativ bewerten die Betriebe die Entwicklung ihrer Umsätze. Der Umsatzindikator, der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen zur Umsatzentwicklung, sinkt nochmals um 1 Zähler auf minus 11 Punkte. Zugleich deuten die Umsatzerwartungen weitere Umsatz-rückgänge bis zum Jahresende an.

  • Die Beschäftigung im Handwerk sinkt wie vor einem Jahr spürbar. Der Beschäftigungsindikator liegt mit minus 3 Punkten in etwa auf dem Vorjahresniveau. Der Strukturwandel in der Industrie und die anhaltende Konjunkturschwäche bremsen die Beschäftigungsnachfrage in Teilen des Handwerks. Zugleich suchen viele Gewerke weiter händeringend nach Fachkräften – vor allem, um aus Altersgründen ausscheidende Beschäftigte adäquat ersetzen zu können.

  • Die Auftragspolster im Gesamthandwerk sinken weiter deutlich. Der Auftragsbestandsindikator liegt unverändert bei minus 13 Punkten. Zugleich sinkt die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten um 1 Prozentpunkt (78 Prozent). Die durchschnittlichen Auftragsreichweiten liegen nun bei 8,0 Wochen (III/2025: 8,3 Wochen).

  • Auch die Investitionstätigkeit trübt sich weiter ein. Nach einem Rückgang um 4 Zähler liegt der Investitionsindikator mit minus 16 Punkten auf dem geringsten Niveau in einem 3. Quartal seit der Finanzkrise 2009.

  • Vor allem gestiegene Energiepreise, aber auch höhere Kosten für Metalle, Baustoffe und teilweise auch Elektronikkomponenten lassen die Angebotspreise im Handwerk wieder stärker steigen. Mit 32 Punkten steigt der Absatzpreisindikator um deutliche 10 Zähler. Die Absatzpreiserwartungen lassen weiter und nochmals stärker steigende Kosten im Handwerk erwarten.

  • Prognose 2026: Angetrieben von Sondereffekten wie einem statistischen Überhang infolge der jüngsten VGR-Revision, einer stärkeren Auslandsnachfrage durch Ausfälle von Lieferanten in anderen, stärker von Vorleistungen aus dem Nahen Osten abhängigen Weltregionen, sowie Impulse aus den Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur wird die deutsche Wirtschaft 2026 deutlich stärker wachsen als ursprünglich erwartet.

    Das Handwerk profitiert als vornehmlich binnenwirtschaftlich orientierte Branche kaum von der gestiegenen Nachfrage. Zugleich belasten die gestiegenen Energie- und teilweise auch Materialkosten sowie Lieferengpässe die Betriebe zusätzlich. Nominal werden die Umsätze im Handwerk 2026 mit einem Plus von 2,5 Prozent stärker zulegen als im Vorjahr. Umsatzsteigernd wirken die wieder stärkeren Kostensteigerungen, aber auch die gestoppte Negativentwicklung beim Wohnungsbau. Real dürfte dies aber erneut einen Umsatzrückgang von etwa 1,5 Prozent entsprechen.

    Weiter anhalten wird der moderate Rückgang der Beschäftigungsverhältnisse im Handwerk, der 2026 bei etwa 1,5 Prozent liegen dürfte. Da die von der BA ausgewiesenen offenen Stellen in vielen Handwerksberufen weiterhin auf hohem Niveau verbleiben, ist der Beschäftigungsrückgang vor allem demografisch und teilweise auch durch Abwanderung aus dem Handwerk bedingt. Konjunkturelle Effekte spielen zwar in einzelnen Gewerken eine Rolle, sind insgesamt aber von untergeordneter Bedeutung für die Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse im Handwerk.

    Die beschriebenen konjunkturellen Sondereffekte drohen, ohne die zügige Umsetzung der lange angekündigten wirtschaftspolitischen Reformen, spätestens in der mittleren Frist zu verpuffen. Die Politik muss die Reformbremsen jetzt lösen und die Wachstumsbedingungen nachhaltig verbessern.



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Autor
Unternehmen / Organisation
Zentralverband des Deutschen Handwerks
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