22.7.2026 06:56

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Deutschland Stiftung Warentest Autor nicht angegeben
KI-Zusammenfassung

Wässer mit Vitaminen vermitteln den Eindruck, Gesundheit und Fitness zu fördern. In Wahr­heit liefern sie viel Über­flüssiges, zeigt ein Check der Verbraucherzentrale.

„Vitamin Water“, „Active-Water“, „Antistress“ – die Namen von Wässern mit zugesetzten Vitaminen wecken die Erwartung, dass die so beworbenen Getränke besonders nützlich für Wohl­befinden und Gesundheit sind. Doch die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt (VZSA) hält sie „für nicht empfehlens­wert“. Bei einem Marktcheck von 35 Produkten stellte sie zahlreiche Schwächen fest:

  • über­flüssige und über­dosierte Vitamin­anreicherungen
  • fragwürdige Werbeaussagen
  • hohe Zucker­gehalte
  • Saftige Preise, die oft deutlich über denen von Mineralwasser liegen.

Viele erwecken den Anschein von Mineral­wasser

Der Markt­check und die Preis­erhebung erfolgten im Mai 2026. Für die Bewertung nahm die VZSA Angaben auf den Flaschen unter die Lupe – also Zutaten­liste, Nähr­wert­angaben und Werbeaussagen. Bei 20 Produkten stößt allein schon der Produkt­name auf Kritik. Bezeichnungen wie „Funk­tionelles Mineral­wasser mit Geschmack“ (Magnesia Plus), „Vitamin Water“ (Hohes C), „Water +“ (Rewe und dm Ivorell) oder Aqua Well­ness (Netto) sind laut VZSA geeignet, Menschen in die Irre zu führen, weil sie suggerierten, es handle sich um Wasser oder Mineral­wasser.

Der Eindruck verstärke sich noch, wenn das Produkt in mineral­wasser­typische Flaschen gefüllt werde. Alle Getränke im Check seien aber recht­lich Erfri­schungs­getränke und keine Mineralwässer. Ähnlich kritisch sieht es die VZSA, wenn auf den Etiketten Begriffe wie „Antistress“ (Magnesia Plus), „Boost“ und „Energy“ (Hohes C) stehen. Sie legten nahe, dass die Inhalts­stoffe der betroffenen Getränke Effekte hätten, die über die normale Körperfunk­tion hinaus­gingen.

Wie die „Vitamin-Wässer“ recht­lich einzuordnen sind

  • Aromatisierte Erfri­schungs­getränke. Die begut­achteten Getränke zählen zur Gruppe der Near-Water-Getränke. Viele Anbieter vermarkten sie mit einem Bezug zu Fitness, Well­ness oder Gesundheit. Umgangs­sprach­lich heißen die Produkte auch Vitamin-Wässer. Recht­lich fallen sie laut Verbraucherzentrale in die Kategorie aromatisierte Erfri­schungs­getränke. Das Wort „Erfri­schungs­getränk“ muss deklariert sein. Im Markt­check des VZSA war das auch bei allen Produkten der Fall, auf vielen Flaschen steht es jedoch nur klein gedruckt.
  • Viele Zusätze. Detaillierte Vorgaben für den geprüften Erfri­schungs­getränke-Typ gibt es nicht. In den Zutaten­listen aller Getränke aus dem VZSA-Check steht als Basis­zutat Trink- oder Mineral­wasser. Darüber hinaus sind verschiedene Vitamine aufgeführt, häufig noch Zucker oder Süßstoffe sowie Aromen für den Geschmack.

Zugesetzte Vitamine sind über­flüssig

Viele der zugesetzten Vitamine sind schlichtweg über­flüssig, weil die gesunde Bevölkerung in Deutsch­land über die herkömm­liche Ernährung damit gut versorgt ist. Dazu gehören etwa die wasser­löslichen B-Vitamine, die in 67 Prozent der Getränke im Check enthalten sind: Panto­thensäure (B 5), Niacin (B 3), Biotin (B 7, B 6 (Pyridoxin) und Vitamin C. Auch an weiteren der angereicherten Vitamine leiden gesunde Menschen normaler­weise keinen Mangel – etwa an Vitamin C und B1 (Thiamin). Teils sind den Getränken auch noch Folsäure und Vitamin B 12 zugegeben. Auch diese können über die gewöhnliche Kost aufgenommen werden – Folsäure etwa über grünes Blatt­gemüse, B 12 über tierische Produkte wie Fleisch, Fisch und Milch­produkte.

Empfohlene Höchst­werte über­schritten

In 24 Produkten waren die Höchst­mengen für zugesetzte Vitamine in Lebens­mitteln über­schritten, die das Bundes­institut für Risikobe­wertung empfiehlt. 13 Produkte lagen bei Vitamin B 6 über den Empfehlungen, 6 Produkte hatten zu viel Folsäure und eines zu viel Vitamin E. Die Verbraucherzentrale sieht allerdings in keinem Fall eine unmittel­bare Gesund­heits­gefahr.

Tipp: Mehr über Nutzen und Vorkommen einzelner Vitamine erfahren Sie in unserem Ratgeber Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente.

Vitamin D und E wirken in fett­freien Getränken nicht

Noch unver­ständlicher findet es die Verbraucherzentrale, dass den Getränken die fett­löslichen Vitamine E und D zugefügt werden. Denn der Körper nimmt diese aus fett­freien Erfri­schungs­getränken nicht optimal auf – besser würde das klappen, wenn zusammen mit dem Getränk noch fett­haltige Lebens­mittel verzehrt würden. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht in seinem Konzept zur Anreicherung von Lebens­mitteln mit Vitamin D keinen Einsatz in Erfri­schungs­getränken vor.

Vitamine, die über den normalen Tages­bedarf hinaus genommen werden, erzielen keinen gesundheitlichen Mehr­wert – weder für Konzentration noch für Stress­abbau.

Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Gut acht Stück Würfel­zucker auf 350 Milliliter

Die Getränke aus dem Markt­check der VZSA waren in der Regel gesüßt – mit Zucker oder anderen Süßungs­mitteln wie Süßstoffen. Einzelne Produkte enthielten vergleichs­weise viel Zucker, insbesondere das von Peppa Pig mit 6,7 Gramm pro 100 Milliliter. Umge­rechnet auf den Inhalt der ganzen 350-Milliliter-Flasche entspricht die Menge fast acht Stück Würfel­zucker. Der durch­schnitt­liche Zucker­gehalt aller 35 Getränke betrug 2,3 Gramm pro 100 Milliliter – was umge­rechnet auf einen halben Liter fast vier Zuckerwürfel oder 11,5 Gramm Zucker bedeutet.

Tipp: Die Welt­gesund­heits­organisation WHO empfiehlt, dass Kinder – je nach Alter – maximal 27,5 bis 40 Gramm an zugesetztem Zucker pro Tag zu sich nehmen sollten. Für Erwachsene liegt die Toleranz­grenze bei 50 Gramm täglich, wobei 25 Gramm Zucker ideal wären.

Süßstoffe sind kein optimaler Zucker­ersatz

Einige Getränke waren mit den Süßstoffen Acesulfam-K oder Sucralose gesüßt. Auch sie stehen in der Kritik – etwa wegen möglicher negativer Auswirkungen auf das Darmmikrobiom. Beide Süßstoffe sind sehr stabil, der Mensch scheidet sie nach dem Verzehr wieder aus. Über die Kanalisation gelangen sie in die Klär­anlagen, die insbesondere Sucralose kaum entfernen können. Von dort erreicht dieser Süßstoff die Umwelt, wo er Wasser­organismen schaden kann. Die Stiftung Warentest sieht den Einsatz von Süßstoffen für viele Lebens­mittel mit Skepsis und vergab dafür beim Limonaden-Test und beim Ketchup-Test Minus­punkte.

Deutlich teurer als normales Wasser

Zu guter Letzt bezeichnet die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt das Preis-Leistungs-Verhältnis der Getränke als „unan­gemessen“. Der Durch­schnitts­preis der 35 Produkte im Check lag bei 2,47 Euro pro Liter. Die Preisspanne reichte von 0,89 bis 3,98 Euro pro Liter. Zum Vergleich: Gutes oder sogar sehr gutes Mineral­wasser gibt es pro Liter schon ab 19 Cent, ein Liter Trinkwasser kostet in Deutsch­land noch weniger, nämlich unter einem halben Cent.

Wann gesund­heits­bezogene Aussagen erlaubt sind

Viele Anbieter der Getränke drucken auf die Etiketten gesund­heits­bezogene Aussagen („Health Claims“). Sie beziehen sich auf einige der einge­setzten Vitamine. Das ist nur zulässig, wenn die Aussagen von der Europäischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit Efsa zugelassen sind. So darf für Panto­thensäure und Niacin folgende Aussage gemacht werden: „Trägt zur Verringerung von Müdig­keit und Ermüdung bei“. Für Biotin, Niacin und Vitamin C kann etwa ausgelobt werden: „Trägt zur normalen psychischen Funk­tion bei“. Die Verbraucherzentrale stellte hier keine Verstöße fest. Auch enthielten die Produkte genug von den jeweiligen Vitaminen, um die Aussagen über­haupt treffen zu können.

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Stiftung Warentest
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