16.7.2026 11:01

Wer bei Hitze gut auf sich achten sollte

Deutschland Stiftung Warentest Autor nicht angegeben
KI-Zusammenfassung

Sie haben hohen Blut­druck? Ihnen ist bei Hitze schon mal schwummerig geworden? Das könnte daran liegen, dass das Hoch­druck­mittel anders wirkt als sonst. Wir klären auf.

An heißen Tagen wird der menschliche Organismus besonders bean­sprucht. Um eine Über­hitzung zu vermeiden, muss die Körperkern­temperatur 36 bis 37,5 Grad Celsius betragen. Zur Regulation verfügt der Körper über zwei Haupt­mecha­nismen: Er bildet mehr Schweiß oder erweitert kleine Blutgefäße.

Verschiedene Arznei­mittel­typen beein­trächtigen diese Fähig­keit des Körpers – Patientinnen und Patienten, die sie einnehmen, müssen daher besonders umsichtig sein. Wir geben einen Über­blick, welche Medikamente bei heißem Wetter den Körper zusätzlich belasten können und geben Tipps zur Vorbeugung.

Blut­druck und Durst­gefühl kommen durch­einander

Medikamente wie Blutdrucksenker verstärken den Verlust von Wasser und Elektrolyten oder die Folgen der Gefäß­weit­stellung bei Hitze. An hoch­sommerlichen Tagen sollten besonders chro­nisch Kranke, die solche Medikamente einnehmen müssen, Vorsicht walten lassen. Denn wie der Körper Wirk­stoffe aufnimmt und wieder ausscheidet, hängt häufig vom Wasser­haushalt und der Durch­blutung ab. So kann es bei einem gut einge­stellten Blut­hoch­druck plötzlich zu Schwindel und Schwäche kommen oder bei Diabetes zu einem ungesunden Blut­zuckerspiegel.

Andere Arznei­stoffe, wie bestimmte Parkinson­mittel oder Mittel bei Reizblase, beein­trächtigen die zentrale Temperatur­regulation des Körpers. Dann kann das Durst­gefühl durch­einander kommen, bestimmte Medikamenten­neben­wirkungen treten häufiger auf oder die Hitzetoleranz sinkt. Genau sind all diese Effekte noch nicht verstanden.

Flüssig­keits­mangel kann Wirkung verstärken

Wer zu wenig trinkt, riskiert einen Flüssig­keits­mangel – und der hat einen direkten Effekt auf die Nieren: Eine Vielzahl von Arznei­stoffen wird lang­samer ausgeschieden. Die Folge ist, dass sich manche Substanzen im Blut anreichern können und dadurch stärker wirken als gewohnt. Bei Medikamenten, bei denen die Dosis sehr genau stimmen muss – etwa bei bestimmten Herz­medikamenten oder neuartigen Blut­verdünnern – kann das problematisch werden. Neben dem Flüssig­keits­mangel kann zu wenig Trinken auch den Salz­haushalt aus dem Gleichgewicht bringen.

Tipp: Weder zuckerhaltige Soft­drinks noch Leitungs­wasser können die körperlichen Bedürf­nisse passend bedienen. Es gilt, den Körper mit Flüssig­keit und Salzen zu versorgen. Empfohlen werden – besonders für Menschen über 65 Jahren – Getränke mit einem Natrium­gehalt von 0,5 bis 1 Gramm pro Liter, etwa Mineralwasser, Brühe, Elektrolytlösungen, isoto­nische Getränke oder Saft­schorlen.

Auch stärkere Neben­wirkungen möglich

Hitze kann ebenso die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Arznei­stoffen beein­flussen. Beispiels­weise treten Magen-Darm-Probleme bei einigen Alzheimer-Mitteln oder dem Diabetes­mittel Metformin unter hohen Temperaturen gehäuft auf. Aufmerk­sam sollte man auch bei Reisetabletten mit Dimenhydrinat oder bei Opipramol gegen Angst­störungen sein. Bei ihnen zeigen sich Müdig­keit und Schwindel verstärkt.

Bei Blut­hoch­druck besonders aufpassen

Menschen mit Blut­hoch­druck gehören zu den besonders gefähr­deten Gruppen. Hohe Temperaturen können den Blut­druck deutlich absenken. Schwindel oder Kreis­lauf­probleme sind die Folge. Wer blut­druck­senkende Mittel einnimmt, sollte sich recht­zeitig – etwa im Früh­jahr oder vor einer Auslands­reise – ärzt­lich beraten lassen. Häufigere Blutdruckmessungen und gegebenenfalls eine angepasste Dosierung können helfen, Probleme früh­zeitig anzu­gehen.

Calor-Liste gibt Auskunft

Um Betroffene und Ärzteschaft besser zu unterstützen, wurde die CALOR-Liste (lateinisch calor für Hitze, Wärme) vom Forschungs­projekt Adapt-Heat im Juni 2026 veröffent­licht. Fachleute der Universität Köln und der Medizi­nischen Hoch­schule Hannover stellten darin Wirk­stoffe und relevante Aspekte zur Arznei­mittel­therapiesicherheit bei Hitze zusammen – allerdings erst­mal nur für medizi­nisches Fach­personal. Bis Ende 2026 sollen eine laien­verständliche Version sowie ein inter­aktives Webtool folgen.

Blut­zucker kann entgleisen

Diabetikerinnen und Diabetiker müssen im Sommer noch wach­samer sein als sonst. Insulin kann bei hohen Temperaturen schneller ins Blut übergehen als gewöhnlich – dann wird der Blut­zucker stärker abge­senkt als erwartet. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Insulin die Wärmeregulation des Körpers beein­flusst. Engmaschigere Blutzuckerkontrollen an heißen Tagen sind zwar lästig, aber sinn­voll.

Tipp: Schwindel, Kopf­schmerzen oder allgemeines Unwohl­sein im Sommer können Hinweise auf Therapie­probleme durch Hitze sein. Lassen Sie dies notfalls in der Arzt­praxis abklären.

Stimmungs­schwankungen möglich

Wer Antidepressiva nimmt, sollte wissen, dass diese Wirk­stoffe die Hitzetoleranz des Körpers beein­flussen können. Verändert sich das Befinden unerwartet, muss das nicht bedeuten, dass sich die psychische Erkrankung verschlechtert hat – oft steckt das gute Wetter dahinter. Bei solchen Auffälligkeiten empfiehlt sich ärzt­liche Betreuung.

Tipp: Auch wer Schild­drüsen­mittel, Epilepsie­mittel, neuartige Blut­verdünner oder Abführ­mittel einnimmt, sollte vor heißen Tagen das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt suchen.

Kinder mit ADHS-Medikamenten eng betreuen

Kinder reagieren auf Hitze ohnehin empfindlicher als Erwachsene. Wer mit Methylphenidat oder ähnliche Stimulanzien gegen ADHS behandelt wird, ist zusätzlich gefährdet: Dieser Wirk­stoff kann die Fähig­keit des Körpers beein­trächtigen, die eigene Temperatur zu regulieren. Eltern sollten das Thema im Sommer aktiv mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen – es geht im Alltag leicht unter.

Arznei­pflaster haften schlechter

Medizinische Pflaster – etwa gegen Schmerzen oder zur Rauch­entwöhnung – stellen bei hohen Temperaturen eine besondere Heraus­forderung dar. Auf schwitziger Haut haften sie schlechter und geben den Wirk­stoff weniger gleich­mäßig ab. Gleich­zeitig kann die hitzebe­dingt erhöhte Haut­durch­blutung dazu führen, dass in kurzer Zeit mehr Wirk­stoff aufgenommen wird als vorgesehen. Beides – zu wenig und zu viel Wirk­stoff – kann unerwünschte Folgen haben.

Tipp: Kleben Sie Arznei­pflaster nie auf feuchte oder schwitzige Haut. Wählen Sie zum Aufbringen eine kühle Umge­bung und fragen Sie in der Arzt­praxis nach, ob bei Hitze eine Dosis­anpassung nötig ist.

Arznei­mittel-Regeln für heiße Tage

  1. Über­anstrengung meiden. Müssen Sie einen bei Hitze problematischen Wirk­stoff dauerhaft einnehmen, sollten Sie sich bei sehr warmem Wetter nicht anstrengen und sich nicht der Hitze aussetzen – also keine ausgedehnten Sonnenbäder nehmen, die Wohnung durch richtiges Lüften möglichst kühl halten.
  2. Dosis eventuell verringern. Bei einer Hitzewelle sollten Sie auf die beschriebenen Beschwerden achten. Kontaktieren Sie bei Beschwerden Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, möglicher­weise kann vorüber­gehend die Dosis verringert werden. Verändern Sie die Dosierung niemals selbst oder setzen das Mittel ohne Rück­sprache ab.
  3. Vorsicht bei Neueinstel­lungen. Werden Sie im Hoch­sommer erst­malig auf ein Medikament mit erhöhtem Risiko bei Hitze einge­stellt, wird der Arzt oder die Ärztin darauf Rück­sicht nehmen. Die Therapie wird vermutlich mit der nied­rigsten möglichen Dosis beginnen und schnelle Dosiss­teigerungen vermieden werden.
  4. Auf Mahl­zeiten achten. Für eine gute Versorgung mit Wasser und Mineralien sind bei Hitze mehrere kleine Mahl­zeiten mit hohem Wasser­gehalt empfehlens­wert, wie Obst, Gemüse und Salat – insbesondere wenn Sie wasser­ausschwemmende Mittel einnehmen.
  5. Schmerz­mittel richtig wählen. Wenn Sie durch Schwitzen sehr viel Flüssig­keit verloren haben, sollten Sie kein Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen einnehmen. Das gilt auch für sport­lich Aktive, die sich vom Sonnen­schein nicht abhalten lassen. Diese Wirk­stoffe können die Nieren­funk­tion beein­trächtigen und erhöhen das Risiko für hitzebe­dingte Gesund­heits­schäden. Unpro­blematisch bezüglich der Hitze ist zum Beispiel Paracetamol.
  6. Aktiv kühlen. Vorbeugend kann der Körper an heißen Tagen mit nassen Tüchern auf Armen, Beinen, Gesicht oder Nacken von außen gekühlt werden. Oder die Haut kann mit einem nassen Schwamm befeuchtet werden, ohne sie danach abzu­trocknen.


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