Noch mehr Service für Versicherte
Noch mehr Service für Versicherte: Der ABDA-Jahresbericht zeigt, dass pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken zunehmende Verbreitung finden, unter anderem Schulungen zum richtigen Inhalieren, Medikations-Checks und Blutdruckmessungen. Die Zahl der erbrachten Leistungen stieg 2025 auf rund 900.000, mehr als doppelt so hoch wie 2024. Bald sollen weitere Angebote folgen, darunter Totimpfstoffe, venöse Blutabnahmen, Schnelltests und weitere Beratungsleistungen; Umsetzung erfordert jedoch noch Zeit und Klärung mit Krankenkassen.
Von Grippeimpfung bis Medikations-Check – Zusatzdienste von Apotheken werden gut genutzt. Bald sollen weitere Angebote folgen.
Seit 2022 dürfen Apotheken verschiedene Services als Kassenleistung anbieten – und nach einem eher verhaltenen Start setzen sich diese zunehmend durch, zeigt der aktuelle Jahresbericht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Demnach erbrachten hiesige Apotheken im Jahr 2025 rund 900 000 sogenannte pharmazeutische Dienstleistungen – fast doppelt so viele wie 2024 und mehr als zehnmal so viele wie bei der Einführung 2022.
Inhalator-Schulungen besonders gefragt
Auf Platz eins liegen Schulungen im korrekten Umgang mit Inhalatoren wie Asthmasprays. Auf Platz zwei folgen Medikations-Checks, also Überprüfungen aller genutzten Arzneimittel auf Wechselwirkungen und sonstige Risiken, wenn jemand viele Medikamente braucht. Auf Platz drei stehen Blutdruckmessungen für Menschen, die Blutdrucksenker verordnet bekommen. Dies kann eine sinnvolle Ergänzung zu ärztlichen und eigenen Kontrollen mit einem Blutdruckmessgerät zum Heimgebrauch sein.
Auch Grippe-Impfungen beliebt
Auch ist die Zahl der Bürgerinnen und Bürger gestiegen, die sich in Apotheken gegen Grippe impfen lassen: Laut ABDA waren es in der Saison 2025/26 etwa 200 000 Personen – gegenüber rund 67 000 in der Saison 2022/23.
Impfungen gegen Grippe sowie auch gegen Covid-19 dürfen seit einigen Jahren bundesweit in Apotheken erfolgen, sofern das Personal entsprechend geschult wurde. Die Dienstleistungen sind ein freiwilliges Angebot – und unterscheiden Vor-Ort-Apotheken klar von Online-Apotheken.
Das Portfolio wird deutlich größer
Bald haben Apotheken noch mehr Befugnisse. Das entsprechende Gesetz bekam Mitte Juni 2026 grünes Licht vom Bundesrat. Demnach dürfen Apothekerinnen und Apotheker künftig alle Totimpfstoffe verabreichen, also die Mehrzahl der Impfstoffe. Neben denen gegen Grippe und Covid-19 etwa auch die gegen Tetanus, Gürtelrose oder die durch Zecken übertragene Krankheit FSME.
Auch venöse Blutabnahmen sollen in Apotheken möglich werden, genau wie Schnelltests auf verschiedene Erreger wie Grippe-, Noro- oder Rotaviren. Hinzu kommen weitere pharmazeutische Dienstleistungen, darunter Kurzberatungen zum Rauchstopp und Schulungen in Injektionstechnik, um sich bei Bedarf selber korrekt Arzneimittel zu spritzen.
Umsetzung braucht noch Zeit
Bis das alles im Alltag ankommt, dürfte es noch etwas dauern. Zuvor sind verschiedene Formalitäten zu regeln, also etwa Erstattungsfragen mit den Krankenkassen zu klären und Schulungen vorzubereiten. Das bestätigte uns die Apothekervereinigung ABDA auf Nachfrage.
Was jetzt schon möglich ist, sind die bereits eingeführten Services, die wir im Folgendes kurz vorstellen:
- Gegen Grippe und Covid-19 impfen
Die Impfung gegen Grippe in Apotheken ist für Personen ab 18 Jahre möglich, die gegen Covid-19 bereits für Personen ab 12 Jahren. Regulär erstattet wird sie bei Risikogruppen, denen die Ständige Impfkommission eine Grippe-Impfung oder Covid-19-Impfung empfiehlt. - Erweitertes Blutdruckmessen
Ein Angebot für Versicherte mit Diagnose Bluthochdruck, die mindestens einen Blutdrucksenker einnehmen: Sie können einmal im Jahr ihren Blutdruck in der Apotheke messen lassen. Das soll helfen einzuschätzen, ob die Therapie genug bewirkt oder angepasst werden sollte. - Richtiges Inhalieren einüben
Wird Menschen mit Atemwegsleiden zum ersten Mal ein Arzneimittel zum Inhalieren verordnet oder der Inhalator gewechselt, zeigen ihnen die Beschäftigten in der Apotheke, wie sie das Gerät richtig nutzen. Das Training kann jährlich als Kassenleistung aufgefrischt werden. - Mehrfachmedikation checken
Patientinnen und Patienten, die dauerhaft fünf oder mehr Arzneien verschrieben bekommen, haben einmal im Jahr oder bei erheblichen Änderungen der Verordnungen Anspruch auf einen Check ihrer Medikation. So lassen sich beispielsweise gefährliche Wechselwirkungen erkennen. - Organtransplantierte beraten
Menschen können im ersten halben Jahr nach einer Organtransplantation intensiv zu verordneten Arzneien, die die körpereigene Abstoßungsreaktion hemmen, betreut und beraten werden. - Bei oraler Tumortherapie betreuen
Qualifiziertes Personal bespricht mit Krebskranken in den ersten sechs Monaten nach der Verordnung, wie sie die Arzneimittel gegen den Tumor richtig einnehmen, und achtet auf mögliche Risiken aller eingenommenen Medikamente.
Tipp: Fragen Sie in Apotheken ihrer Wahl nach, ob sie Services anbieten, die für Sie infrage kommen. Oder suchen Sie online nach passenden Apotheken – etwa indem Sie die gesuchte Dienstleistung plus den gewünschten Ort und das Stichwort „Apotheke“ in Suchmaschinen eingeben.