6.11.2026 01:59

Straßenbaustellen müssen sicherer werden

Nemecko DEKRA SE Autor neuvedený
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 zeigt, wie sich Risiken für Beschäftigte an Straßenbaustellen durch bessere Absicherung und technische Systeme verringern lassen. Crashtests ergaben, dass fahrzeugmontierte Anpralldämpfer Aufprallenergie wirksamer abbauen als Absperrtafeln auf Anhängern; Fahrversuche zeigten zudem, dass C-ITS-Warnungen und Notbremsassistenten Gefahren häufig früh erkennen, aber bei Kurven und Sichtbehinderungen an Grenzen stoßen. DEKRA fordert, Schutzkonzepte weiterzuentwickeln und technische Lösungen konsequenter einzusetzen.
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Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit am Steuer genügt: Schnell besteht für Menschen, die auf einer Straßenbaustelle arbeiten, akute Lebensgefahr. Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ zeigt unter anderem mit Crashtests und Fahrversuchen, wie sich das Risiko, speziell bei kurzzeitig eingerichteten Arbeitsstellen, verringern lässt. Energieabsorbierende Anpralldämpfer, digitale Baustellenwarnungen und moderne Notbremsassistenten bieten auch bei komplexen Szenarien erhebliche Sicherheitspotenziale. „Zugleich wird aber auch deutlich, dass bestehende Schutzkonzepte weiterentwickelt und technische Lösungen konsequenter genutzt werden müssen“, sagt DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf.

Wie groß die Risiken im Umfeld von Straßenbaustellen insgesamt sind, zeigt unter anderem ein Blick in die USA. 2023 wurden dort laut der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bei über 100.000 Unfällen in „Work Zones“ – also in Straßenabschnitten, in denen Bau-, Wartungs- oder Versorgungsarbeiten stattfinden – 899 Todesfälle gezählt. Neben Verkehrsteilnehmenden waren häufig auch die auf den Baustellen eingesetzten Arbeitskräfte direkt betroffen. 2023 wurden in solchen Bereichen 176 Personen, die sich (zu Fuß) im Baustellenbereich aufhielten, von Fahrzeugen erfasst und tödlich verletzt, davon 40 während ihrer Arbeit auf einer Baustelle.
Eine schon 2008 von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) veröffentlichte Analyse zeigte für Deutschland: Von 951 ausgewerteten Unfällen, bei denen Bedienstete, Fahrzeuge oder Geräte der Straßenbauverwaltungen in Arbeitsstellen kürzerer Dauer zu Schaden kamen, entfielen rund 60 Prozent auf anprallende Lkw. Besonders häufig waren Auffahrkollisionen und seitliches Streifen. In etwa 80 Prozent der Fälle befanden sich die verletzten Beschäftigten zum Unfallzeitpunkt in ihrem Fahrzeug. „Die Daten der BASt-Studie zeigen zudem, dass ein großer Anteil der Unfälle auf typische Verhaltensfehler zurückzuführen ist“, erläutert Markus Egelhaaf. Dazu gehören vor allem mangelnde Aufmerksamkeit und Ablenkung, häufig verursacht durch monotone Verkehrssituationen oder fahrfremde Tätigkeiten. Auch nicht angepasste Geschwindigkeit sei ein zentraler Faktor. „Vor diesem Hintergrund kommt verbesserten Absicherungsmaßnahmen eine besondere Bedeutung zu“, so der DEKRA Experte weiter.
Crashtests zeigen große Unterschiede
Wie stark vor allem technische Schutzsysteme die Unfallfolgen beeinflussen können, demonstrieren zwei DEKRA Crashtests. Dabei prallte jeweils ein etwa 3 Tonnen schwerer Transporter mit rund 80 km/h auf das Heck eines knapp 18 Tonnen schweren Sicherungsfahrzeugs. Einmal war dieses mit einem fahrzeugmontierten Anpralldämpfer ausgestattet, einmal mit einer Absperrtafel auf einem Anhänger.
Das Ergebnis: Der Anpralldämpfer baute die Aufprallenergie kontrolliert ab. Die Fahrgastzelle des Transporters blieb weitgehend intakt, die maximale Kopfbeschleunigung lag bei rund 17 g. Auch das Sicherungsfahrzeug wurde nur wenig nach vorn verschoben – ein wichtiger Faktor für Beschäftigte, die sich im realen Einsatz vor dem Fahrzeug aufhalten. Anders verlief der Crash mit der Absperrtafel auf dem Anhänger. Die Deichsel knickte ein, der Anhänger wurde unter das Sicherungsfahrzeug geschoben. Da dabei nur wenig Energie umgewandelt wurde, fielen die Belastungen der Insassen und damit das Verletzungsrisiko mit einer maximalen Kopfbeschleunigung von circa 25 g höher aus. Das Sicherungsfahrzeug wurde deutlich weiter in Richtung der simulierten Arbeitsstelle verschoben – im realen Einsatz eine größere Gefahr für das dort arbeitende Personal.
Warnung aus mehreren 100 Metern Entfernung
Die Crashtests verdeutlichten eindrücklich, welches Sicherheitsniveau durch geeignete Absicherungsmaßnahmen erreicht werden kann. „Gleichzeitig wurde aber auch sichtbar, dass diese Systeme physikalischen Grenzen unterliegen“, gibt der DEKRA Unfallforscher zu bedenken. Bei einem Anprall eines schweren Nutzfahrzeugs mit hoher Geschwindigkeit seien selbst mit leistungsfähigen Dämpfungselementen weiterhin schwerwiegende Unfallfolgen zu erwarten. Deshalb hält der Experte ergänzende Maßnahmen der aktiven Sicherheit für erforderlich, die eine Kollision idealerweise komplett verhindern. Dazu zählen sowohl klassische Warnmaßnahmen – etwa transportable Rüttelschwellen – als auch moderne vernetzte Lösungen wie C-ITS-basierte Nahbereichswarnungen.
Die Abkürzung C-ITS steht für „Cooperative Intelligent Transport System“ und bezeichnet kooperative Technologien zur verkehrsträgerübergreifenden Kommunikation von Fahrzeugen mit anderen Fahrzeugen, der Infrastruktur sowie nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmenden. C-ITS ermöglicht es, Informationen und Warnungen über Verkehrs- und Gefahrensituationen per Direktkommunikation und/oder über ein Backend auszutauschen.
Um die Effizienz dieser Technologie zu testen, führte DEKRA Fahrversuche mit einem C-IST-fähigen Pkw und einem entsprechend ausgestatteten Warnleitanhänger durch. Dabei zeigte sich, dass die Warnmeldungen mit hoher Zuverlässigkeit ausgegeben wurden und auch bei Annäherungsgeschwindigkeiten von 130 km/h der Pkw-Fahrer frühzeitig informiert wurde. „Damit können Fahrerinnen und Fahrer ausreichend Zeit gewinnen, um ihre Geschwindigkeit zu reduzieren oder einen Fahrstreifenwechsel frühzeitig einzuleiten“, so der DEKRA Unfallforscher.
Notbremsassistenten können Gefahren frühzeitig erkennen
Neben der C-ITS-Kommunikation hat DEKRA auch Notbremsassistenzsysteme schwerer Nutzfahrzeuge untersucht. Im Fokus der Fahrversuche stand die Detektions- und Reaktionsfähigkeit gegenüber mobilen Absperrtafeln. Eine Sattelzugmaschine ohne Auflieger wurde mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – darunter 60 km/h auf landstraßenähnlichen Abschnitten sowie 85 km/h in einem autobahnklassifizierten Bereich – auf eine gesicherte Baustellensituation zugeführt, bestehend aus Warnbaken, einer fahrbaren Absperrtafel und einem Zugfahrzeug.
In zahlreichen Szenarien gaben die Systeme frühzeitig optische und akustische Warnungen aus und leiteten automatische Bremsmanöver ein. Auf geraden Strecken bei 60 km/h reagierte das getestete System in allen Versuchen zuverlässig. Bei 85 km/h zeigte es insbesondere bei rechts positioniertem Absperranhänger ein konsistentes Verhalten. Auch bei Nacht blieb die Detektionsleistung hoch. Grenzen zeigten sich dort, wo Kurven oder seitliche Verdeckungen das Sichtfenster verkürzten.
„Die Versuche machen deutlich, dass auch leistungsfähige Assistenzsysteme an geometrische und physikalische Grenzen stoßen“, bilanziert Markus Egelhaaf. Ergänzend kann C-ITS dazu beitragen, Verkehrsteilnehmende frühzeitig auf Arbeitsstellen und weitere Gefahrensituationen hinzuweisen. Dasselbe gilt für weitere Maßnahmen wie Rüttelschwellen oder mobile Vorwarneinrichtungen. „Die größte Sicherheitswirkung entsteht, wenn technische Systeme den Menschen bei der Wahrnehmung und Entscheidungsfindung unterstützen, kritische Situationen frühzeitig erkennbar machen und dadurch mehr Zeit für eine angemessene Reaktion schaffen“, sagt Markus Egelhaaf. Wo Unfälle dennoch nicht verhindert werden können, leisten energieabsorbierende Anpralldämpfer einen wichtigen Beitrag zur Minderung der Unfallfolgen.
Weitere Hintergründe zum Thema wie auch zu vielen weiteren Aspekten rund um den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ finden sich im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026. Er steht online unter www.dekra-roadsafety.com zur Verfügung.


https://www.dekra.de/de/strassenbaustellen-muessen-sicherer-werden
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