3.11.2026 11:56

„Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“

Nemecko Justus-Liebig-Universität Gießen Autor neuvedený
Der russische Exilschriftsteller und Historiker Sergej Lebedew liest am 17. November 2026 um 18.30 Uhr auf Einladung der Justus-Liebig-Universität Gießen im Netanya-Saal im Alten Schloss aus seinem Essay „Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“. Darin verbindet er die Schrecken der Stalin-Ära mit der Gegenwart Russlands und setzt sich mit dem Fortwirken folgenloser Gewalt auseinander. Im Anschluss diskutieren Experten des Gießener Zentrums Östliches Europa mit Lebedew; der Eintritt ist frei. Am 18. November stellt er in Marburg seinen Roman „Die Beschützerin“ vor.
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Der russische Exilschriftsteller und Historiker Sergej Lebedew liest am 17. November 2026 auf Einladung des Fachgebiets Osteuropäische Geschichte der JLU in Gießen

Nr. 160 • 3. November 2026

Straflosigkeit produziert Straflosigkeit: Was geschieht, wenn eine Gesellschaft von folgenloser Gewalt durchdrungen ist? Dieser Frage geht der russische Exilschriftsteller und Historiker Sergej Lebedew nach. In seinen Texten verwebt er Gegenwart und Geschichte und zeigt, wie die Schrecken der Stalin-Ära bis in das heutige Russland fortwirken. Lebedew bricht das Schweigen über das schwierige Erbe der Sowjetunion und spürt seinen Auswirkungen bis in die Banalität des Alltags nach. Damit setzt er der offiziellen russischen Geschichts- und Erinnerungspolitik ein entschiedenes Gegennarrativ entgegen. Auf Einladung des Fachgebiets Osteuropäische Geschichte am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) wird der Schriftsteller Sergei Lebedew am 17. November 2026 nach Gießen kommen, um aus seinem Essay „Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“ zu lesen.

Die öffentliche Lesung von und mit Sergej Lebedew findet am 17. November um 18.30 Uhr im Netanya-Saal im Alten Schloss (Brandplatz 2, 35390 Gießen) statt. Im Anschluss werden Experten des Gießener Zentrums Östliches Europa mit dem Exilschriftsteller auf dem Podium diskutieren. Filip Schuffert, Sprecher der Jungen Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), wird die Podiumsdiskussion moderieren.
Der Eintritt ist frei.

Sprachmächtig, atmosphärisch und mit feinem Gespür für die menschliche Psyche legt Lebedew die tiefe Verankerung imperialer Vorstellungen in der russischen Kultur und Geschichte offen. Er erzählt von vergifteten Traditionen und Denkmustern, die sich über Generationen hinweg in vermeintlichen Selbstverständlichkeiten fortschreiben.

In seinem Essay „Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“ verbindet Lebedew die dörfliche Idylle der 1990er-Jahre mit den Schrecken des stalinistischen Terrors. Ein Seil wird dabei zum Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und zum Sinnbild dafür, wie folgenlose Verbrechen ein schweres, kaum ausschlagbares Erbe hinterlassen. Der Titel ist Programm: Wo Gewalt ohne Konsequenzen bleibt, schafft sie die Voraussetzungen für neue Gewalt.

In Gießen wird Lebedew aus dem Essay „Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“ lesen. Am 18. November 2026 wird er am Herder-Institut in Marburg seinen Roman „Die Beschützerin“ vorstellen. Darin verbindet Lebedew den deutschen und sowjetischen Terror des Zweiten Weltkriegs mit den Umbrüchen nach dem Zerfall der Sowjetunion und schließlich mit Russlands Angriff auf die Ukraine.

Sergej Lebedew

Sergej Lebedew wurde 1981 in Moskau geboren und lebt seit 2018 in Potsdam. Er gilt als eine der profilierten Stimmen der jüngeren russischen Literatur. In seinen literarischen und publizistischen Arbeiten setzt er sich immer wieder mit Geschichte, Erinnerung und politischer Gewalt auseinander. Zudem engagiert er sich öffentlich für die russische Literatur und Zivilgesellschaft. Als Herausgeber der Anthologie „Nein“ versammelte er Stimmen russischer Künstlerinnen, Künstler und Intellektueller gegen den Krieg. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und für nationale wie internationale Literaturpreise nominiert. Zuletzt wurde er mit dem Prix Montluc Résistance et Liberté und dem Erich-Loest-Preis ausgezeichnet.

Termine

Lesung aus dem Essay „Straflosigkeit produziert Straflosigkeit“
am 17. November 2026 um 18.30 Uhr
Veranstaltungsort: Netanya-Saal im Alten Schloss, Brandplatz 2, 35390 Gießen

Lesung aus dem Roman „Die Beschützerin“
am 18. November 2026 um 19 Uhr
im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ), Software-Center 3, 35037 Marburg

Kooperationspartner für die Veranstaltungen sind das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg, der Verein Gefangenes Wort e.V., die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde und die Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen e.V.

Weitere Informationen

https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb04/institute/geschichte/osteuropa/OEG

Kontakt

Filip Emanuel Schuffert
Historisches Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen
Sprecher der Jungen Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO)
E-Mail: filip.e.schuffert



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