9.7.2026 15:45

Bildung macht erfinderisch

Nemecko Leibniz-Gemeinschaft Autor neuvedený
Eine neue Studie zeigt, dass höhere Bildungsmobilität mit größerer Innovationskraft verbunden ist: Regionen in Europa, in denen Bildungserfolg weniger vom Elternhaus abhängt, verzeichnen mehr Patentanmeldungen. Besonders betont werden regionale Unterschiede – Südeuropa und Osteuropa weisen geringere Mobilität und höhere Bildungsungleichheit auf, während Nord- und Mitteleuropa tendenziell geringere Ungleichheiten aufweisen. Die Ergebnisse sprechen dafür, Chancengerechtigkeit in Bildung gezielt zu fördern, um Talente besser zu nutzen und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern.
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Ein europäischer Vergleich zeigt: Dort, wo Menschen unabhängig von ihrem Elternhaus Zugang zu hochwertiger Bildung haben, steigt die Innovationskraft.

Eine höhere Bildungsmobilität geht mit einer stärkeren Innovationskraft einher. Europäische Regionen, in denen Bildungserfolg weniger stark vom familiären Hintergrund abhängt, verzeichnen einen signifikanten Anstieg der Patentanmeldungen. Das zeigt eine neue Studie von Sarah McNamara, Guido Neidhöfer (beide ZEW Mannheim) und Patrick Lehnert (Universität Zürich), die kürzlich in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse belegen erstmals in großem Maßstab und über die Zeit hinweg, dass bessere Aufstiegschancen ein wichtiger Treiber für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung sind.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht allein das durchschnittliche Bildungsniveau zählt, sondern vor allem, wie gerecht Bildungschancen verteilt sind. Wenn Menschen unabhängig von ihrer Herkunft Zugang zu hochwertiger Bildung haben, werden Talente besser genutzt und tragen so maßgeblich zum gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt bei“, erklärt Guido Neidhöfer, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“ und DAAD-Professor für Volkswirtschaftslehre an der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul. „Entgegen mancher Annahmen führt daher mehr Chancengleichheit nicht zu einem Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gerechtigkeit, sondern steigert die gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit.“

Chancengleichheit bringt mehr Talente hervor

Als Grund dafür nennt Sarah McNamara, Wissenschaftlerin im selben Forschungsbereich: „Entscheidend für Innovation ist eine bessere Allokation von Humankapital. Wenn individuelle Fähigkeiten stärker über Bildungs- und Berufswege entscheiden als Herkunftsmerkmale, steigt die Innovationsleistung messbar. Mehr Bildungsmobilität einer Kohorte geht, sobald diese ein arbeitsmarktrelevantes Alter erreicht, mit einem Anstieg der Patentanmeldungen von durchschnittlich rund elf Prozent einher.“

„Great-Gatsby-Map“ zeigt regionale Unterschiede

Die Studie dokumentiert auch erhebliche regionale Unterschiede innerhalb Europas. Regionen mit niedriger Bildungsmobilität sind zugleich durch hohe Bildungsungleichheit gekennzeichnet – ein Muster, das im Kontext von Einkommen als „Great-Gatsby-Curve“ bekannt wurde. Die Studie zeigt dieses Muster erstmals in Form einer „Great-Gatsby-Map“ für Europa. Besonders gering ist die Bildungsmobilität in Süd- und Osteuropa, während Nord- und Mitteleuropa tendenziell eine geringere Ungleichheit innerhalb und zwischen den Generationen aufweisen. Zugleich bestehen aber auch innerhalb der Länder deutliche regionale Unterschiede.

Die Studie zeigt außerdem, dass der Zusammenhang zwischen Mobilität und Innovation nicht überall gleich stark ausgeprägt ist. „Besonders Regionen mit niedriger Mobilität profitieren von Verbesserungen. Dies unterstreicht die Bedeutung gezielter wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Förderung von Chancengerechtigkeit in der Bildung“, sagt Patrick Lehnert, Assistenzprofessor für Personalökonomie an der Universität Zürich und Visiting Fellow an der Hoover Institution der Stanford University.

Originalpublikation

https://www.nature.com/articles/s41586-026-10736-9
DOI: 10.1038/s41586-026-10736-9

Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)



https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/bildung-macht-erfinderisch