Hitzeaktionstag: Neuer WHO-Leitfaden hilft Behörden, Menschen besser vor Hitzebelastung zu schützen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO/Europa) hat am heutigen bundesweiten Hitzeaktionstag in Berlin seinen neuen Leitfaden für Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit vorgestellt.
Jedes Jahr führt extreme Hitze weltweit zu einer Häufung von hitzebedingten Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden bis hin zu vorzeitigen Todesfällen. Gerade Kreislauferkrankungen treten unter dem Einfluss von Hitze häufiger auf oder verschlechtern sich. Vor allem die Urbanisierung und der wachsende Anteil von Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko, wie zum Beispiel älteren Menschen und jenen mit bestehenden Erkrankungen machen anhaltende Hitzeperioden zu einer wachsenden Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Der Leitfaden gilt weltweit als wissenschaftliche Orientierung für staatliche Akteure, um Hitzeschutzaktivitäten wirksam auszurichten.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Der Klimawandel ist überall auf der Welt zu spüren, auch hier bei uns in Deutschland und Europa. Neben Wetterextremen wie Dürren oder Starkregen ist es vor allem die Hitze, die vielen Menschen zu schaffen macht. Der Schutz vor Hitze ist auch eine soziale Frage. Denn wer keinen Garten oder Pool hat und in aufgeheizten Wohnungen in zubetonierten Stadtvierteln lebt, kann sich kaum gegen Hitze schützen. Was hilft, sind weniger CO2-Emissionen und mehr Vorsorge in Stadt und Land: Stadtbäume, Parks, intakte Flüsse, Wälder und Moore kühlen die Luft spürbar ab und speichern zudem Wasser. Unter großen Bäumen ist es oft mehrere Grad kühler. Die Natur kann uns helfen gegen die Hitze, wenn wir sie lassen. Darum investiert diese Bundesregierung mehr als je zuvor in diese konkret spürbaren Maßnahmen gegen den Klimawandel."
Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa: "Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent – und wir bezahlen dafür mit Menschenleben. Allein in den letzten vier Jahren sind europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Das muss ein Ende haben. Hitze ist ein stiller Killer, aber kein unvermeidbarer. Der neue, evidenzbasierte Leitfaden der WHO, den wir heute vorstellen, gibt den Behörden einen klaren Fahrplan an die Hand, um Vorsorgesysteme aufzubauen, die Leben retten. Partner wie die Bundesregierung und das Land Berlin weisen bereits den Weg – sie zeigen, dass globale Standards, wenn sie auf allen Ebenen umgesetzt werden, zu lebensrettenden Maßnahmen vor Ort führen. Wir haben die Instrumente. Nun müssen wir sie nutzen.“
Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin: "Große und dicht bebaute Metropolen sind von den Gefahren der Sommerhitze besonders betroffen, daher ist Berlin seit Jahren im Hitzeschutz für die Stadtbevölkerung aktiv und nimmt seine Aufgaben in der Daseinsvorsorge sehr ernst. Dazu zählt nicht nur öffentliche Kommunikation und ein strukturiertes Vorgehen bei Extremhitze, sondern auch die langfristige Pflege und Erweiterung von Parks, Grünlagen und Gewässern sowie baulichem Hitzeschutz. Alle acht im WHO-Leitfaden empfohlenen Kernelemente werden im Berliner Hitzeaktionsplan berücksichtigt. Viele Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung, andere haben eine längerfristige Realisierungsperspektive. Bei allem zeigt sich: Hitzeschutz ist eine Querschnittsaufgabe, die nur mit einer gemeinsamen Anstrengung aller Verwaltungsbereiche und -ebenen sowie unter Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure bewältigt werden kann."
Europa gilt als Weltregion, die stärker als viele andere Regionen von der Klimaerwärmung betroffen ist und folglich schon heute mit häufigen Hitzewellen zu kämpfen hat. Die meisten vorzeitigen Todesfälle aufgrund von extremer Hitze gab es in Italien, gefolgt von Spanien, Deutschland und Griechenland, wobei in Griechenland die hitzeassoziierten Todesfälle bezogen auf eine Million Einwohner am höchsten lagen. In Deutschland gab es laut Robert Koch Institut im letzten Jahr insgesamt 2.500 Hitze-Tote. Vor allem ältere Menschen und jene mit Vorerkrankungen waren betroffen.
Der neue WHO-Leitfaden für Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit gibt staatlichen Behörden und anderen Akteuren anhand von acht Kernelementen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, zum Beispiel zur Verbesserung des lokalen Hitzewarnsystems oder der Risikokommunikation mit vulnerablen Gruppen. Diese umfassen ein breites Spektrum von Maßnahmen und Entscheidungspunkten, die in ihrer Gesamtheit einen effektiven Hitzeschutz sicherstellen sollen. Der erste WHO-Leitfaden wurde im Jahr 2008 veröffentlicht und ist nun mit Blick auf aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis angepasst worden.
Das Bundesumweltministerium (BMUKN) hat im Jahr 2017 Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit in Ländern und Kommunen veröffentlicht. Die mögliche Ausgestaltung eines nationalen Hitzeaktionsplans lässt das BMUKN derzeit in einem Forschungsvorhaben erkunden. Darüber hinaus stärkt die Bundesregierung kontinuierlich den Rahmen für eine vorsorgende Anpassung an die Folgen des Klimawandels, beispielsweise durch das Bundes-Klimaanpassungsgesetz oder die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Mit den Förderrichtlinien "Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen" und "Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels" unterstützt das BMUKN die Erstellung und Umsetzung von Klimaanpassungskonzepten in sozialen Einrichtungen und Kommunen, zum Beispiel durch die Finanzierung von Klimaanpassungsmanagerinnen und -manager in derzeit 200 Kommunen.
In Deutschland sind vor allem die Länder und Kommunen für den Hitzeschutz zuständig. So hat zum Beispiel der Berliner Senat im Jahr 2025 einen landesweiten Hitzeaktionsplan beschlossen. Darin enthalten sind 72 Maßnahmen, die den Hitzeschutz der Berliner Bevölkerung verbessern. Ein großer Baustein sind hierbei Kommunikationsmaßnahmen. Die Bevölkerung wird jeden Sommer über verschiedene analoge und digitale Medien informiert. Auf einem Hitzeschutzportal werden der Hitzeaktionsplan, eine Karte mit kühlen Orten in der Stadt sowie Verhaltenstipps und Kommunikationsmaterialien bereitgestellt. Darüber hinaus hat Berlin zur Stärkung des Hitzeschutzes von Patientinnen und Patienten seit Jahren ein Netzwerk aufgebaut, das viele verschiedene Institutionen des Berliner Gesundheits- und Pflegewesen umfasst.