3.11.2026 10:14

Basisbildung kompakt: Einblicke aus der Praxis

Austria Bundesinstitut für Erwachsenenbildung Unknown author
Andrea Müller, Lehrgangsleiterin und Lehrende im Pflichtschulabschlussbereich beim BFI Salzburg, berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Ergänzungsseminar „Basisbildung kompakt: Fachdidaktik Alphabetisierung“ am bifeb. Besonders wichtig waren für sie unterschiedliche, anschauliche Lernmethoden und der Austausch mit Teilnehmenden aus verschiedenen Bereichen. Das Seminar bestärkte sie darin, Unterricht an der Lern- und Lebensbiografie Erwachsener auszurichten und Inhalte verständlich sowie schrittweise zu vermitteln; sie empfiehlt den Kurs Erwachsenenbildnern und wünscht sich weitere Module.
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Andrea Müller, lektorka a vedoucí kurzů v BFI Salzburg, popisuje své zkušenosti s doplňkovým seminářem „Basisbildung kompakt: Fachdidaktik Alphabetisierung“. V rozhovoru přibližuje, jak metody ze semináře využívá při výuce dospělých.

Basisbildung eröffnet Erwachsenen die Möglichkeit, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten, an Gesellschaft und Arbeitswelt teilzuhaben und weitere Bildungswege einzuschlagen. Entsprechend vielfältig sind die Anforderungen an jene Personen, die Menschen im Rahmen von Basisbildungsangeboten begleiten.

Das bifeb bietet dazu Weiterbildungen an, die Basisbildner bei der professionellen Gestaltung ihrer Praxis unterstützen. Doch wie erleben die Teilnehmenden selbst diese Angebote? Was nehmen sie daraus für ihre Arbeit mit? Andrea Müller hat das Ergänzungsseminar „Basisbildung kompakt: Fachdidaktik Alphabetisierung“ absolviert und sich bereit erklärt, uns einige Fragen zum Kurs aus ihrer persönlichen Perspektive zu beantworten.

Sarah-Lisa Winter: Möchten Sie sich kurz vorstellen und erzählen, in welchem Bereich der Basisbildung Sie tätig sind?

Andrea Müller: Mein Name ist Andrea Müller. Ich bin beim BFI Salzburg im Pflichtschulabschlussbereich tätig und unter anderem Lehrgangsleitung für den Brückenkurs. Außerdem unterrichte ich Berufsorientierung und bin im Brückenkurs auch bei den Gruppenphasen dabei. Gemeinsam mit meinem Kollegen Michael Hofer, der die Abteilung leitet, habe ich außerdem die Stellvertretung inne und bin Leitung des ESF-Projekts bei uns.

Sarah-Lisa Winter: Sie hatten bereits Erfahrung in der Basisbildung. Was hat Sie dazu bewegt, das Ergänzungsseminar „Basisbildung kompakt: Fachdidaktik Alphabetisierung“ zu besuchen?

Andrea Müller: Ich habe bereits einen Brückenkurs geleitet, bei dem das Prinzip der Basisbildung angewendet wird. Auch in diesem Kontext hat mich vor allem interessiert, wie Lernen von Anfang an aufgebaut wird. Die meisten von uns wachsen mit Schulbildung auf. In der Basisbildung gibt es häufig Menschen, die aus verhältnismäßig wirtschaftlich ärmeren Ländern kommen und nicht unbedingt die Bildung haben, die bei uns gang und gäbe ist. Ich bin außerdem zertifizierte Erwachsenenbildnerin und studiere nebenbei Pädagogik. Mir ist es grundsätzlich wichtig, verschiedene Methoden zu kennen: Wie schaffe ich einen guten Unterricht? Was ist didaktisch wichtig? Vor allem auch zu wissen, dass Lesen und Schreiben nicht unbedingt selbstverständlich sind, weil jeder einen anderen Zugang zum Lernen hat.

Sarah-Lisa Winter: Was braucht es, um Erwachsene in der Basisbildung gut beim Lernen zu begleiten?

Andrea Müller: Wichtig ist vor allem das Verständnis für ihre Lernbiografie. Erwachsene brauchen das Lernen, um an der Gesellschaft teilzuhaben. Beispielsweise ist das Benutzen eines Smartphones für jüngere Generationen selbstverständlicher als für ältere. In der Basisbildung ist wichtig, dass man auch auf ihren Alltag eingeht. Das kann zum Beispiel sein, dass sie zum Arzt gehen müssen und nicht wissen, wie sie sich dort ausdrücken sollen oder was bestimmte Wörter bedeuten. Und es soll für sie auch eine Bereicherung sein, für mehr Unabhängigkeit. Ich sage: Je mehr Bildung, desto unabhängiger ist man selbst.

Sarah-Lisa Winter: Wenn Sie an den Kurs am bifeb zurückdenken: Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Andrea Müller: Vor allem die unterschiedlichen Methoden. Es war zum Beispiel ganz gut, bei einem Wort eine Farbe zu verwenden, sodass das ein markantes Merkmal ist und die Leute so besser lernen. Es wurde auch über das Thema Alphabetisierung und über Menschen gesprochen, die nicht lesen und schreiben können. Das wurde in einem Video dargestellt. Dabei wurde auch thematisiert, dass es noch relativ viele Menschen im höheren Alter gibt, die nicht lesen und schreiben können. Was mir außerdem gefallen hat, ist, dass wir vieles in der Gruppe erarbeitet haben und die verschiedenen Methoden vorgestellt wurden. Also, dass es nicht nur mit Schreiben geht, sondern auch mit haptischen Übungen wie zum Beispiel zum Aufbau eines PCs oder zum 10-Finger-Schreiben.

Sarah-Lisa Winter: Neben den Kursinhalten spielt bei einer Weiterbildung auch der Austausch mit anderen Teilnehmenden eine Rolle. Wie haben Sie das gemeinsame Lernen in der Gruppe erlebt?

Andrea Müller: Wir waren alle mit verschiedenen Hintergründen dort und kamen aus unterschiedlichen Bereichen. Soweit ich mich erinnern kann, war auch jemand dabei, der mit Menschen mit Demenz gearbeitet hat. Andere haben ihr Wissen aus ihren jeweiligen Bereichen eingebracht. Und jeder durfte auch ein bisschen zeigen, wie er Leuten bestimmte Buchstaben oder Wörter beibringt. Der Erfahrungsaustausch untereinander hat einen guten Eindruck gemacht.

Andrea Bigl: Was aus der Ausbildung begleitet Sie heute noch? Machen Sie in Ihrer Berufspraxis heute etwas anders als vor dem Kurs?

Andrea Müller: Es hat mich darin bestätigt und unterstützt, Lernthemen so aufzubereiten, dass sie wirklich verständlich sind. Also auch zu schauen: Was sitzen da für Leute vor mir? Verstehen sie etwas zum Beispiel mit einer Methode, bei der Buchstaben mit Farben verbunden werden, oder haben sie vielleicht ein bisschen höheres Potenzial und können anders gefördert werden? Man hat ein bisschen ein anderes Gefühl dafür aufgebaut. Bei den Leuten, die in einem Basisbildungskurs oder auch im Brückenkurs sitzen, kann man nicht gleich so arbeiten wie im Pflichtschulabschluss, sondern muss ein bisschen weiter unten ansetzen. Es geht darum, die geeignete Methode zu finden, um den Leuten Themen auf einfache Art und Weise zu erklären.

Andrea Bigl: Hat sich dadurch auch Ihr Blick auf die Lernenden oder auf Ihre eigene Rolle als Lehrende verändert?

Andrea Müller: Es hat mich eher bestätigt. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass es wichtig ist, einen Stoff so vorzubereiten, dass er möglichst einfach verständlich und vor allem passend auf die Zielgruppe ausgerichtet ist.

Andrea Bigl: Wem würden Sie diesen Kurs empfehlen oder ans Herz legen und warum?

Andrea Müller: Ich würde ihn eigentlich jedem ans Herz legen, der sich für die Erwachsenenbildung interessiert, um erst einmal die Grundbausteine beim Lernen selbst kennenzulernen. Als Erwachsenenbildner haben wir schon eine gewisse Vorbildung, die wir mitbringen, und wir sind vom Lernen oder Denken ein bisschen anders trainiert. Wichtig ist, wenn man damit anfängt, wirklich von klein auf anzufangen. Man kann es damit vergleichen, wie ein Kind erst einmal laufen lernt. Natürlich erwachsenengerecht und auf die Lebenssituation abgestimmt. Denn die Lernbiografie oder Lebensbiografie der Person zu kennen, ist nicht unwichtig, weil man dadurch besser einschätzen kann, was sie braucht.

Andrea Bigl: Gibt es im Bereich Basisbildung noch etwas, das Sie selbst gerne lernen oder vertiefen möchten?

Andrea Müller: Mein größtes Interesse geht vor allem in Richtung Mathematik. Ich darf ab und zu in Vertretung auch Mathematik bei den Schüler unterrichten, auch im Brückenkurs. Mich interessiert dieses Verständnis nicht nur bei der Alphabetisierung, sondern auch, wie man logisch denkt. Das fördert auch, den Zusammenhang von Wörtern, Buchstaben und Sätzen zu verstehen. Also das logische Denken zu trainieren.

Andrea Bigl: Können Sie eine Situation aus Ihrer Praxis beschreiben, in der Sie etwas aus diesem Kurs anwenden konnten?

Andrea Müller: Was ich gerne mache, ist, die Funktion von Computern zu erklären. Dabei habe ich für mich ganz genau überlegt: Wie erkläre ich einen Computer anschaulich? Das ist auf einem ganz einfachen Niveau. Und was ich bemerkt habe: Die Leute waren ziemlich schnell dabei. Es war für sie anschaulicher und sie haben sehr schnell Interesse gezeigt. Also: Was ist zum Beispiel der Monitor? Was ist die Tastatur? Wir haben uns auch daran gewagt, mit zehn Fingern zu schreiben. Das kann man alles bildlich darstellen.

Ich habe wirklich versucht, den Leuten zu zeigen, dass sie vielleicht schon ein paar Sachen wissen. Also wirklich von Anfang an aufbauen, Schritt für Schritt. Und wenn es für einige einfach ist, können sie die anderen wieder ein bisschen unterstützen. Es geht darum, das zu fördern, was da ist. Wir wissen vielleicht auf den ersten Blick, dass sie keine deutschen Sätze lesen können. Aber wir wissen nicht so wirklich, was in diesen Leuten drinsteckt, wenn man das einmal angeregt hat oder fördert.

Andrea Bigl: Was war Ihre Perspektive darauf, bevor Sie den Kurs besucht haben?

Andrea Müller: Ich hatte eine Weile das Verständnis, dass manches beim Lernen selbstverständlich ist, weil man es selbst gewohnt ist, in einen Kurs zu gehen oder sich auch selbst etwas beizubringen. Wenn man hört, wie Leute mit wenig Druck schon etwas erreichen können, verändert das die Perspektive. Man musste erst wirklich lernen, weiter unten anzusetzen und so zu erklären, dass es jeder versteht.

Sarah-Lisa Winter: Gibt es noch etwas zum Seminar, das wir bisher nicht angesprochen haben und das Ihnen wichtig wäre, hier noch zu erwähnen?

Andrea Müller: Ich würde das Konzept Basisbildung wirklich vielen empfehlen. Ich wäre auf jeden Fall dafür, noch mehrere Folgemodule anzubieten, sodass man regelmäßig den Austausch zu bestimmten Themen hat. Zum Beispiel, wenn das Lernen durch kognitive beziehungsweise psychische Einschränkungen gehemmt wird. Also noch ein bisschen breiter als bisher.



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