22.9.2026 12:15

Endlagersuche

Germany Leibniz-Gemeinschaft Unknown author
Deutschland sucht weiter nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall. Der ARL-Arbeitskreis empfiehlt, Raumplanung und Raumentwicklung stärker in die Standortauswahl einzubinden und sechs konkrete Maßnahmen zu berücksichtigen, darunter regionale Entwicklung, differenzierte Regionsabgrenzungen und Monitoring. Das Positionspapier plädiert für engere Verzahnung von raumplanerischer Expertise mit Umweltprüfungen sowie langfristige Analysen und eine aktivere Einbindung junger Fachkräfte. Dazu bietet eine vierteilige Podcast-Serie vertiefende Einblicke in die Endlagersuche.
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Deutschland sucht noch immer nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall. Sechs Empfehlungen aus Sicht der Raumplanung – und ein vertiefender Podcast.

Fachleute des ARL-Arbeitskreises „Endlagersuche für radioaktiven Abfall in Deutschland – zur Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung“ empfehlen, die aktive Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung bei der Standortauswahl für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle in Deutschland auszuweiten.

In Deutschland wird nach wie vor nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus der Kernenergie gesucht. Seit 2017 regelt das Standortauswahlgesetz das entsprechende Verfahren. Dieses Gesetz soll sicherstellen, dass der Suchprozess partizipativ, wissenschaftsbasiert, transparent, selbsthinterfragend und lernend angelegt ist und am Ende zu einem Endlagerstandort mit bestmöglicher Sicherheit führt.

Sechs Empfehlungen zur Rolle der Raumplanung und Raumentwicklung

Bei der Ermittlung dieses Endlagerstandorts spielen Sicherheitsanforderungen und geowissenschaftliche Kriterien eine Rolle. Aber auch Raumplanung und Raumentwicklung sind in allen Phasen der Standortauswahl gefragt. Genau hier setzt der ARL-Arbeitskreis „Endlagersuche für radioaktiven Abfall in Deutschland – zur Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung“ an und hat sechs Empfehlungen erarbeitet:

  1. Die Endlagersuche sollte durch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Regionalentwicklung und regionalen Innovation in den Standortregionen flankiert werden.
  2. Die planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien sollten überprüft und konkretisiert werden.
  3. Die Regionsabgrenzungen sollten zweckbezogen differenziert und unter Einbezug der Öffentlichkeit diskutiert und festgelegt werden.
  4. Die sozioökonomischen Potenzialanalysen sollten ausgestaltet und eng mit der Erarbeitung von regionalen Entwicklungskonzepten verzahnt werden.
  5. Raumwissenschaftliches und raumplanerisches Know-how sollte bei Umweltprüfungen und bei der Prüfung der Raumverträglichkeit von Standortvorschlägen berücksichtigt werden.
  6. Es sollten langfristige regionale Analysen und ein begleitendes Monitoring in das Standortauswahlverfahren aufgenommen werden.
Positionspapier erläutert Empfehlungen des Arbeitskreises

Die Mitglieder des Arbeitskreises „Endlagersuche“ sprechen sich dafür aus, dass sich Raumentwicklung und Raumplanung in Wissenschaft und Praxis wesentlich stärker als bisher mit der Endlagersuche und den damit verbundenen Fragestellungen auseinandersetzen sollten. Sie sollten ihre Position in die öffentliche Diskussion einbringen und sich als langfristige Partner bei der nuklearen Entsorgung, insbesondere bei der Standortauswahl, etablieren.

Ihre Bemühungen sollten darauf abzielen, zur Aufklärung und Versachlichung der Endlagerdiskussion beizutragen, einschlägige Expertise durch geeignete Formate gezielt weiterzuentwickeln und insbesondere jüngeren Generationen neue Wege zu eröffnen.
„Die Endlagerung radioaktiver Abfälle aus der Kernenergie ist ein Jahrhundertprojekt mit großer Relevanz für die Regionalentwicklung in Deutschland. Da müssen Fachleute, gerade auch jüngere aus dem Umfeld der ARL, wirksam eingebunden sein. Wir plädieren deshalb dafür, dass Expertinnen und Experten aus Raumplanung und Raumentwicklung das Thema Endlagerung aufgreifen und sich aktiv in die weiteren Diskussionen einbringen“, sagt der Leiter des Arbeitskreises, Professor Bernhard Müller von der Technischen Universität Dresden.

ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.) (2026): Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland – Empfehlungen von Raumplanung und Raumentwicklung. Hannover. = Positionspapier aus der ARL 166. https://doi.org/10.60683/mazw-9095

Vierteilige Podcast-Serie zur vertiefenden Diskussion

In einer vierteiligen Podcast-Serie vertieft die Regionalplanerin und Podcast-Host Sarina Hüben (Regierung von Unterfranken) verschiedene Aspekte der Standortsuche für radioaktive Endlager.
Gemeinsam mit ihrem Gast Dr. Monika C. M. Müller (Evangelische Akademie Loccum) gibt sie in der ersten Folge eine Einführung in die Endlagersuche und klärt grundlegende Begriffe. In der zweiten Folge diskutieren Bernhard Müller und Mathias Steinhoff (Bundesgesellschaft für Endlagerung) darüber, wie die Raumplanung dabei unterstützen kann, Raumnutzungskonflikte zu lösen und die regionale Entwicklung fair zu berücksichtigen. In der dritten Folge setzt sich Dr. Ryan Kelly (Ökoinstitut e.V) damit auseinander, ob sich sozialräumliche Potenziale aus einem Endlagerstandort für eine Region ergeben könnten – und wenn ja, welche. In der letzten Folge geht es um Emotionen und Sachargumente. Oliver Weidlich (Regierung von Unterfranken), Ansprechpartner für Kommunen bei der Endlagersuche, berichtet, welche Rolle negative und positive Narrative bei der Standortsuche eines Endlagers spielen können.

  • Endlagersuche (1/4): Einführung in die Endlagersuche
  • Endlagersuche (2/4): Die Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung in der Standortauswahl
  • Endlagersuche (3/4): Regionale Potenziale eines Endlagers
  • Endlagersuche (4/4): Von der Horrorstory zur Erfolgsgeschichte
Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL)


https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/raumplanung-fuer-ein-jahrhundertprojekt