Wenn die Temperaturen fallen, sinkt auch das Malaria-Risiko
Bei sinkenden Temperaturen sinkt das Risiko weiterer Malaria-Übertragungen in Deutschland deutlich, doch können Fälle wie am Frankfurter Flughafen auch bei fehlender Auslandsreise auftreten. Eine einzelne infizierte Mücke kann Krankheiten übertragen, weshalb bei hohem, ungeklärtem Fieber die Möglichkeit Malaria in die Differentialdiagnose aufgenommen werden sollte. Besonders Malaria tropica ist gefährlich und erfordert rasche Diagnose und Behandlung; Schnelltests können Hinweise liefern, die endgültige Bestimmung erfolgt durch parasitologische Blutuntersuchungen.
UKB-Experte erklärt, warum weitere Übertragungen unwahrscheinlicher werden – und was Ärztinnen und Ärzte bei ungeklärtem Fieber beachten sollten Bonn, 18. September 2026 – Die gute Nachricht kommt mit dem Herbst: Mit sinkenden Temperaturen wird auch das Risiko weiterer Malaria-Übertragungen in Deutschland deutlich geringer. Die aktuellen Fälle im Umfeld des Frankfurter Flughafens zeigen jedoch, dass Malaria hierzulande in sehr seltenen Fällen auch ohne vorherige Auslandsreise auftreten kann. Entscheidend ist dann, die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen.
„Wir haben es mit einem sehr seltenen Ereignis zu tun, nicht mit einer neuen Alltagserkrankung in Deutschland“, betont Prof. Achim Hörauf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie (IMMIP) am Universitätsklinikum Bonn (UKB). „Bei hohem, ungeklärtem Fieber kann derzeit auch die Frage wichtig sein, ob sich die betroffene Person zuvor am Frankfurter Flughafen oder in dessen Umfeld aufgehalten hat – selbst wenn keine Auslandsreise vorliegt.“
Eine eingeschleppte Mücke kann ausreichen
Malaria wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Für eine Infektion ist der Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke erforderlich, die den Malariaerreger in sich trägt.
„Eine Mücke kann beispielsweise in einem Koffer, in Kleidung oder anderen Gepäckstücken eingeschlossen sein und auf diesem Weg nach Deutschland gelangen“, erklärt Prof. Hörauf. „In beheizten Bereichen eines Flughafens kann sie zunächst geeignete Bedingungen vorfinden und einige Zeit überleben.“ Entsprechende Erkrankungen werden daher auch als Flughafen- oder „Koffermalaria“ bezeichnet. Eine einzelne infizierte Mücke kann während ihrer Lebenszeit mehrere Menschen stechen und den Erreger dabei übertragen.
Für einen länger anhaltenden Übertragungszyklus müssen jedoch mehrere Faktoren zusammentreffen: Die Mücken müssen ausreichend lange überleben und aktiv bleiben. Nimmt eine Mücke die Parasiten erst unmittelbar vor einem unbeabsichtigten Transport nach Deutschland mit einer Blutmahlzeit auf, benötigen diese zudem hinreichend hohe Temperaturen, um sich in der Mücke weiterzuentwickeln.
Sinkende Nachttemperaturen bremsen die Übertragung
Mit dem Herbst verschlechtern sich die Bedingungen für Mücke und Parasit. Entscheidend sind dabei insbesondere die sinkenden Nachttemperaturen. Die Mücken werden weniger aktiv, ihre Fortpflanzung wird eingeschränkt und ihre Überlebensdauer nimmt ab. Zugleich wird die Entwicklung des Malariaerregers in der Mücke verlangsamt oder gestoppt.
Weitere Erkrankungen können dennoch zeitversetzt auftreten. Zwischen dem Stich einer infizierten Mücke und den ersten Beschwerden liegen bei Malaria tropica in der Regel etwa ein bis zwei Wochen. Infektionen aus einer vorherigen Wärmeperiode können daher erst später auffallen.
Warum Malaria tropica so gefährlich werden kann
Bei den aktuell gemeldeten Erkrankungen aus dem Frankfurter Raum handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Malaria tropica. Sie wird durch den Parasiten Plasmodium falciparum verursacht und gilt als die gefährlichste Malariaform.
Die Parasiten befallen die roten Blutkörperchen und verändern deren Oberfläche. Dadurch können die infizierten Blutzellen an den Wänden kleinster Blutgefäße haften bleiben und die Durchblutung wichtiger Organe beeinträchtigen.
„Vereinfacht gesagt kann es zu vielen kleinen Gefäßverschlüssen kommen“, erklärt Prof. Hörauf. „Je nachdem, welches Organ betroffen ist, können unterschiedliche und schwere Komplikationen entstehen.“
In der Lunge kann sich Flüssigkeit ansammeln und zu schwerer Atemnot führen. Sind Gefäße im Gehirn betroffen, droht eine sogenannte zerebrale Malaria mit Bewusstseinsstörungen und neurologischen Schäden. Auch ein akutes Nierenversagen ist möglich. Ohne rasche Behandlung kann sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit erheblich verschlechtern.
Hohes Fieber auch ohne Auslandsreise ernst nehmen
Typische Beschwerden sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können auftreten. Anders als bei einigen anderen Malariaformen folgt das Fieber bei Malaria tropica häufig keinem regelmäßigen Rhythmus.
„Die größte Herausforderung besteht darin, überhaupt an Malaria zu denken“, sagt Prof. Hörauf. „Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt, kann eine gezielte Behandlung eingeleitet werden. Wird die Erkrankung übersehen, kann sie dagegen sehr schnell einen schweren Verlauf nehmen.“
Für Tropenrückkehrer gilt grundsätzlich: Tritt nach einem Aufenthalt in einem Malaria-Gebiet Fieber auf, muss eine Malaria ausgeschlossen werden. Angesichts der aktuellen Fälle sollte die Anamnese bei hohem, ungeklärtem Fieber vorübergehend um eine weitere Frage ergänzt werden: Hat sich die betroffene Person in den vergangenen Tagen am Frankfurter Flughafen oder in dessen näherer Umgebung aufgehalten?
Schnelltest liefert erste Hinweise
Bei einem entsprechenden Verdacht kann ein Malaria-Schnelltest erste Hinweise liefern. Für die genaue Diagnose und die Bestimmung des Erregers sind parasitologische Blutuntersuchungen erforderlich. Dazu gehören insbesondere der sogenannte Dicke Tropfen und ein Blutausstrich.
Die genaue Artbestimmung ist für die weitere Behandlung wichtig. Einige Malariaerreger können Dauerformen in der Leber bilden, die erst Monate später wieder aktiv werden und erneute Krankheitsschübe auslösen. Diese Leberstadien benötigen eine zusätzliche, gezielte Therapie. Bei Malaria tropica durch Plasmodium falciparum entstehen solche Dauerformen dagegen nicht.
„Malaria ohne Auslandsreise ist in Deutschland möglich, bleibt aber eine sehr seltene Erkrankung“, fasst Prof. Hörauf zusammen. „Bei hohem, ungeklärtem Fieber und einem zeitlich passenden Aufenthalt am Frankfurter Flughafen oder in dessen Umfeld sollte Malaria derzeit in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.“
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Malaria wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Für eine Infektion ist der Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke erforderlich, die den Malariaerreger in sich trägt.
Bildnachweis: Adobe Stock
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Prof. Dr. Achim Hörauf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB), ist ausgewiesener Experte für u. a. Tropenkrankheiten.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Pressekontakt:
Jana Schäfer / Daria Siverina
Stellvertretende Pressesprecherinnen am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Public Relations and Corporate Communication
Telefon: (+49) 228 287-19891 / -14416
E-Mail: [email protected] / [email protected]
Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de
https://www.ukbnewsroom.de/wenn-die-temperaturen-fallen-sinkt-auch-das-malaria-risiko