4.9.2026 18:03

Was Buffer-ETF können – und was nicht

Germany Stiftung Warentest Karin Baur
Buffer-ETF ermöglichen den Kauf von Aktien mit Verlustpuffer: Gewinne sind bis zu einer Cap begrenzt, während Verluste durch Absicherungen abgefedert werden. Die Strategien kombinieren Put-Optionen (Absicherung) mit teils verkauften Call-Optionen, was Kosten senkt, aber Gewinne bei starken Marktanstiegen cappt. Diese Produkte liefern keinen Dividendenanspruch, und der anfängliche Schutz gilt nur bis zum nächsten Optionsstichtag; Wechselkursrisiken können das Auszahlungsprofil beeinflussen. Insgesamt erweisen sich Buffer-ETF laut Studie nur als moderat besser als einfache Aktien-Anleihen-Portfolios und eher als Hobby- bzw. Spielweise geeignet.
AI summary

Mit Buffer-ETF können Sie Aktien mit Verlustpuffer kaufen. Im Gegen­zug sind Gewinne begrenzt. Wir zeigen, wie sie funk­tionieren und analysieren Vor- und Nachteile.

Buffer-ETF bilden einen Index ab und federn dabei Verluste ab, die Gewinn­chancen sind gedeckelt. In den USA werden Buffer-ETF – deutsch: Puffer-ETF – schon länger als smarte Inno­vation verkauft. BNP, First Trust, Global X und iShares bieten sie inzwischen auch in Deutsch­land an.

Das Grund­prinzip: Buffer-ETF kombinieren Index­investments mit verschiedenen Optionen. Den einen oder anderen werden die neuen ETF – zu Recht – an Discount-Zertifikate erinnern. Wir erklären, wie die Pufferfonds aufgebaut sind und was Anleger von ihnen realistischer­weise erwarten können.

Ein kleines Fazit vorweg, was Buffer-ETF bieten:

  • Beteiligung an den Gewinnen des Index, allerdings nur bis zu einer bestimmten Grenze,
  • voll­ständigen Schutz vor geringen Verlusten,
  • teil­weisen Schutz bei starken Verlusten.

Und so funk­tionieren Buffer-ETF

Die Grundidee der Buffer-ETF ist einfach: Sie sollen ähnlich wie ein Aktien­investment laufen, aber mehr Sicherheit bieten. Hierfür kaufen die Anbieter Put-Optionen. Ein Put wird umso wert­voller, je tiefer die Kurse des Index fallen, auf den sich die Option bezieht. Läuft es optimal, gleichen sich die Verluste des Index und die Gewinne der Put-Option aus: Dann fällt zwar der Index, aber die Anlage behält ihren Wert.

Put-Optionen gehören zu den Termin­kontrakten – sie laufen nur begrenzt. Werden sie fällig, müssen die Anbieter in neue Put-Optionen investieren, um die Absicherung vor Kurs­verlusten aufrecht­zuerhalten. Das nennt man „rollen“.

Zum Put kommt noch eine Call-Option

Da Optionen teuer sind, kann das die Rendite der Strategie deutlich schmälern. Die Kosten jeder neuen Put-Option muss der Index erst einmal aufholen, erst dann gibt es Gewinne. Um diesen Effekt zu vermeiden, kommt außer dem Put noch eine Call-Option ins Spiel. Die wird aber nicht ge- sondern verkauft. In diesem Fall verdient der ETF am Verkauf, was die Kosten des Puts zur Absicherung teil­weise oder ganz kompensieren kann. Im besten Fall partizipieren Anleger mit dem ETF damit sofort an der kleinsten Indexsteigerung.

Läuft der Index allerdings zu gut, wird die verkaufte Call-Option zum Verlust­bringer (der Käufer der Call-Option gewinnt). Ab einem bestimmten Punkt gleichen sich dann Verluste durch den verkauften Call und Indexgewinne aus. Das heißt: Anleger partizipieren an weiteren Indexsteigerungen nicht mehr. Ihre Gewinne sind „gekappt“.

Zum Put und dem Call noch ein Put

Je näher der Cap am Indexstand liegt, desto güns­tiger ist er. Anle­gerinnen und Anleger wünschen sich bei einem Aktien­investment jedoch Rendite­chancen. Um dem Kunden­geschmack näher zu kommen, können Anbieter das Profil noch etwas offensiver gestalten: Sie heben den Cap an, bis zu welchem man an Kurs­steigerungen partizipiert. Dazu verkaufen sie – zusätzlich zum gekauften Put und dem verkauften Call – noch eine Put-Option. Im Gegen­zug für die höheren Gewinn­chancen ist auch mehr Verlust möglich.

Gewinne sind begrenzt, Verluste abge­puffert

Die Grafik zeigt ein typisches Auszahlungs­profil einer Buffer-Strategie. Wenn der Index bei Kauf der Strategie bei 100 steht, bietet sie über ein Jahr die Möglich­keit bis zu 16 Prozent Gewinn zu machen, bis zum Cap bei 116 (vor ETF-Kosten).

Steht der Index nach einem Jahr unter 100, aber noch über 90, greift der Sicher­heits­puffer – in der Buffer-Strategie gibt es keinen Verlust. Erst wenn der Index unter 90 schließt, entsteht beim Buffer-Anleger ein Verlust, aber es sind dann immer 10 Euro weniger Verlust als im Index selbst. Allerdings würden Anleger mit einem normalen ETF noch Dividenden­erträge erzielen, die hier unter den Tisch fallen. Der Vorteil der Buffer-Struktur gegen­über einem Index-ETF läge im Verlustfall etwas unter 10 Euro.

Dividenden bleiben außen vor

Zertifikate­anleger kennen das: Bei strukturierten Produkten auf Aktien fallen die Dividenden, die die Aktien ausschütten, unter den Tisch. Das ist auch bei Buffer-ETF der Fall. Anle­gerinnen und Anleger bekommen keine Dividenden­ausschüttungen. Die Buffer-ETF beziehen sich also zum Beispiel nicht auf den S&P 500 Net Return, sondern den S&P 500 Price Return.

Was das ausmacht, wenn Dividenden fehlen, lesen Sie in unserem Beitrag Aktienindizes - diese Varianten gibt es.

Der anfäng­liche Schutz ist zeitlich begrenzt

Wichtig zu wissen: Der anfäng­liche Schutz vor Verlusten (zum Beispiel bis zu 10 Prozent) und der Cap (etwa bei einem Plus von 16 Prozent) gelten nur vom Start der Anla­gestrategie bis zur Fälligkeit der Optionen – meist laufen sie ein Jahr. Dann kaufen die Anbieter neue Optionen, die ausgehend vom neuen Niveau wieder die gleiche Absicherung bieten sollen und wieder bis zum nächsten Stichtag laufen.

Optionen können im Zeit­verlauf ihren Charakter stark verändern:

  • Wenn der Index zwischen zwei Stich­tagen stark gestiegen ist und bereits deutlich über dem anfäng­lich definierten Cap notiert, dann können Anleger mit einem Buffer-ETF bis zum nächsten Stichtag nicht viel mehr verdienen als den Markt­zins.
  • Wenn der Index zwischen zwei Stich­tagen stark gefallen ist, dann bewegt sich ein Buffer-ETF bis zum nächsten Stichtag eher wie der Index selbst.

Wechsel­kurs­risiko ändert Auszahlungs­profil

Buffer-ETF auf US-Indizes wie den S&P 500 oder Nasdaq-100 beinhalten ein Wechsel­kurs­risiko. Das ist bei aktien­ähnlichen Anlagen in der Regel kein Problem, aber es führt bei Buffer-ETF dazu, dass Puffer und Cap für Euro-Anleger nicht klar definiert sind. Der Cap liegt dann zum Beispiel nicht bei 116 Prozent des Einsatzes, sondern bei 116 Prozent zuzüglich Wechsel­kurs­gewinns oder -verlusts.

Faszination Optionen

Wir beob­achten verschiedene Effekte, wenn bei der Geld­anlage Optionen ins Spiel kommen. Einer­seits gibt es Anleger, die glauben, sie könnten einen Vorteil gegen­über dem Markt erzielen, wenn Sie Optionen verstehen und nutzen. Anderer­seits sind strukturierte Produkte für das Produktmarketing eine dank­bare Aufgabe. Schöne Geschichten, wann sich die Vorteile solcher Produkte auszahlen, lassen mögliche Nachteile ganz leicht unbe­deutend erscheinen.

Klar ist: Optionen verbessern nicht das Rendite-Risiko-Profil einer Anlage und schönes Marketing bleibt eben Marketing.

Buffer-ETF-Studie: Aktien-Anleihen-Mix besser

Eine Studie aus dem Jahr 2025 (Rebuffed: An Empirical Review of Buffer Funds) im Journal of Portfolio Management hat die Buffer-ETF im US-Markt untersucht. Das Ergebnis: Mit Buffer-ETF schneiden Anleger im Schnitt ein wenig schlechter ab als mit schlichten Aktien-Anleihen-Misch­portfolios, die das gleiche Risiko aufweisen. Der Grund sind die höheren Kosten der ETF selbst, aber auch die Kosten der Options­strategie. Optionen werden nicht so effizient gehandelt wie Aktien, Geld-Briefspannen sind typischer­weise deutlich höher.

Tipp: Ein Aktien-Anleihen-Misch­portfolio können Sie ganz einfach und bequem mit unserer Anla­gestrategie, dem Pantoffel-Portfolio, selbst zusammen­stellen.

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Unser Fazit: Nur als Hobby geeignet

Buffer-ETF-Strategien sind weder neu noch smart. Sie weisen auch kein besseres Rendite-Risiko-Profil als einfache Mischungen aus Anleihen- und Aktien-ETF auf. Wer dennoch Buffer-ETF ausprobieren möchte, sollte darauf achten, dass der Stichtag für den Anfang der Buffer-Strategie nah am Kaufdatum liegt, dazu hilft die Monats­angabe in den Namen der Buffer-ETF.

Tipp: Buffer-ETF finden Sie in unserer Fondsdatenbank in den Gruppen „Strategiefonds Aktien Optionen dyna­misch” – entweder Europa oder USA. Oder Sie geben auf der Start­seite im Such­feld für Isin und Namen einfach “Buffer” ein.

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