31.8.2026 10:11

Neue Wege der Provenienzforschung

Germany Stadtbibliothek Köln Sabine Wotzlaw
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MAKK präsentiert Open-Access-Sammelband zur angewandten Kunst.

Von August 2020 bis Januar 2026 hat das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) erstmalig systematisch die Herkunft seiner Bestände untersucht, die im Zeitraum von 1933 bis 1940 erworben wurden. Nun veröffentlicht das MAKK die Ergebnisse der Tagung in einem Open-Access-Sammelband mit dem Titel "Provenienzforschung und angewandte Kunst – Methoden, Quellen, Netzwerke" auf der Plattform arthistoricum.net.

Das Projekt wurde durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gefördert. Im Fokus stand die Suche nach Objekten, die ihren Vorbesitzer*innen während der NS-Diktatur verfolgungsbedingt entzogen worden sind und deshalb zurückgegeben werden sollten. Das Museum stand dabei vor besonderen Herausforderungen, da Objekte der angewandten Kunst bislang deutlich weniger Beachtung fanden als hochpreisige Gemälde oder auch grafische Werke. Historische Abbildungen sind seltener, etablierte Titel oder eindeutige Merkmale zur Identifizierung dieser zum Teil seriell hergestellten Werke fehlen oftmals.

Vor diesem Hintergrund hatte das MAKK im Mai 2022 internationale Fachleute nach Köln geladen, um über die neuesten methodischen Ansätze der Provenienzforschung in diesem Bereich zu diskutieren. Mit finanzieller Unterstützung des Arbeitskreises Provenienzforschung versammelt er 14 wissenschaftliche Beiträge, die ein breites Spektrum aktueller Provenienzforschung im Bereich der angewandten Kunst abbilden. Neben objektbezogenen Untersuchungen stehen Fragen der Sammlungs- und Institutionengeschichte sowie der Kunstmarkt und seine Akteur*innen im Mittelpunkt.

Die Beiträge nehmen unter anderem die Geschichte und Erwerbungspraxis bedeutender Kulturinstitutionen wie des Rijksmuseums in Amsterdam, des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, des Badischen Landesmuseums Karlsruhe und des Museum für Angewandte Kunst Köln während der NS-Zeit in den Blick. Weitere Forschungen widmen sich dem internationalen Kunsthandel, etwa der Kunsthandlung Julius Böhler in München sowie den NS-verfolgungsbedingten Verlusten und den Schicksalen jüdischer Sammler*innen sowie Kunsthändler*innen, darunter Maximilian von Goldschmidt-Rothschild in Frankfurt und Jacques und Emma Rosenthal in München.

Der Sammelband zeigt, wie unterschiedlich die methodischen Wege der Provenienzforschung gerade bei kunstgewerblichen Objekten sein müssen – von der Untersuchung der Objekte selbst über die Auswertung von Museums- und Kunsthandelsarchiven bis hin zur Rekonstruktion historischer Sammlungen, Netzwerke und institutioneller Zusammenhänge. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur weiteren Erforschung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut im Bereich der angewandten Kunst und zur Entwicklung fairer und gerechter Lösungen im Sinne der Washingtoner Prinzipien. Weitere Informationen unter: https://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/catalog/book/1745.


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