28.8.2026 13:58

Ein Lenker mit Herz und Humor

Germany Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Unknown author
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Die FAU trauert um ihren Altkanzler Dr. jur. h.c. Thomas A.H. Schöck.

Er war über 25 Jahre lang Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) – und der Universität doch so viel mehr als das. Auch nach seiner Amtszeit blieb er seiner Alma mater eng verbunden – als Ratgeber, Förderer und Freund. Nun ist der Altkanzler der FAU mit 77 Jahren verstorben. Die Universität trauert um einen einzigartigen Menschen.

Dass Thomas A.H. Schöck am 30. Juni 2014 in den Ruhestand ging und sich damit offiziell ins Privatleben zurückzog, war eigentlich nur eine Formalie. Denn auch in den Jahren danach war er immer zur Stelle, wenn seine Universität ihn brauchte: Als Fürsprecher, Vermittler, Repräsentant oder Ratgeber setzte er sich weiterhin mit großer Selbstverständlichkeit für die FAU ein, an der er zuvor über 25 Jahre lang als Kanzler gewirkt hatte – und damit der dienstälteste Kanzler in Bayern überhaupt war.

Von der Internationalisierung bis zur Gleichstellung

Bereits während seiner aktiven Dienstjahre hatte er viel für die FAU geleistet: Mit Klugheit, diplomatischem Geschick und großem Herzen, vor allem aber mit seinem feinsinnigen und selbstironischen Humor, der ihm auch in bewegten Zeiten nie abhandenkam, prägte er als Leiter der Verwaltung die Entwicklung der FAU. Er begleitete sie auf ihrem Weg von der Ordinarienuniversität zur wettbewerbsorientierten und international sichtbaren Universität.

Als moderner Kanzler gab er dabei entscheidende Impulse für Innovation und neue Wege im Hochschulmanagement. So setzte er sich mit Nachdruck für Gleichstellung ein. Unter seiner Ägide wurde 1989, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, die erste Universitätsfrauenbeauftragte bestellt, wie es die Novelle des Hochschulgesetzes vorsah. In der Folge hatte er maßgeblichen Anteil an der Einführung und Weiterentwicklung zahlreicher Gleichstellungsmaßnahmen – von der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Chancengleichheit über die AG Zielvereinbarungen und den Verein „Familie und Wissenschaft“ bis zur Einrichtung des Familienservice. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war Thomas A.H. Schöck dabei ein großes Anliegen. Mit Hartnäckigkeit und Geduld brachte er Projekte wie die erste – aus Eigenmitteln finanzierte – Kinderkrippe an der FAU auf den Weg. Nicht zuletzt seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die FAU 2008 vom Freistaat Bayern für das beste Konzept einer Hochschule im Hinblick auf den Gleichstellungsauftrag gewürdigt wurde.

Die Internationalisierung der FAU trieb Thomas A. H. Schöck konsequent und auch strukturell voran. So förderte er enge institutionelle Kooperationen mit zahlreichen Hochschulen im Ausland und schuf damit Möglichkeiten für hochqualifizierte Studierende, einen anerkannten Teil ihres Studiums in Ländern wie Kanada, den USA oder Australien zu absolvieren. In seiner Amtszeit entwickelte sich auch die Förderung durch den DAAD überdurchschnittlich.

Auch dem Patent- und Rechnungswesen sowie der Universitätsmedizin in Erlangen galt sein besonderes Engagement. Über mehrere Jahre brachte er seine Expertise als Vorsitzender der jeweiligen Arbeitskreise im Sprecherkreis der Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten ein.

„Audiatur et altera pars“ – auch die andere Seite soll gehört werden: Dieser von ihm gern zitierte juristische Grundsatz war für Thomas A.H. Schöck weit mehr als eine Formel. Er bestimmte seine Art, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Bevor er sich ein Urteil bildete, wollte er die unterschiedlichen Perspektiven kennen. Zuhören, abwägen, dann entscheiden – das erwartete er auch von anderen und nicht zuletzt von der Presse.

Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU, blickt mit großer Wertschätzung auf die Zusammenarbeit mit Thomas Schöck zurück: „Thomas Schöck habe ich als einen außergewöhnlich präzisen und weitblickenden Menschen erlebt. Er war belesen, politisch erfahren und hatte einen sehr klaren Blick auf Zusammenhänge. Er wollte die Dinge durchdringen und dachte weiter als bis zum nächsten Problem. Von ihm habe ich gelernt, die Universität als Ganzes zu sehen und nicht nur auf einzelne Interessen oder den nächsten Schritt zu schauen. Er erkannte früh, wie wichtig IT für die FAU werden würde, und setzte sich dafür ein, dass wissenschaftliche Karriere und Familie besser zusammenpassen. Ich habe seinen Rat sehr geschätzt. Er kannte die FAU wie nur wenige und sagte klar, was er für richtig hielt. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Für FAU-Kanzler Christian Zens war Thomas Schöck auch nach dessen Amtszeit ein wichtiger Wegbegleiter: „Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ich nach meinem Amtsantritt vor fast zehn Jahren in Thomas Schöck einen Altkanzler erlebte, der mir den Einstieg in die verantwortungsvolle Aufgabe an einer der größten Universitäten Deutschlands mit seinem Rat erleichterte. Er öffnete für mich sein großes Netzwerk in der Region, aber auch darüber hinaus, immer mit der Überzeugung, dass die FAU auch eine gesellschaftliche Verantwortung trägt.“

Hochschullaufbahn mit allen Facetten

Dabei war die Hochschullaufbahn in Thomas A.H. Schöcks Vita zunächst gar nicht im Fokus: Nach seinem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften arbeitete Schöck zunächst als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Deutsches und Internationales Steuerrecht, Finanz- und Haushaltsrecht der FAU. Anschließend war er im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und in der Bayerischen Staatskanzlei beschäftigt.

Im Jahr 1988 war der damalige FAU-Präsident Nikolaus Fiebiger von Schöcks Fähigkeiten so überzeugt, dass er ihn als Kanzler an die FAU holte. Dort stand er bis 2014 erfolgreich an der Schnittstelle zwischen Ministerium und Hochschulverwaltung.

2008 wurde ihm vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2020 die Ehrendoktorwürde der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FAU.

Außerdem war Thomas A.H. Schöck Mitglied der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern sowie Vorstand der Stiftung KU Eichstätt Ingolstadt, die er auf dem Weg der Neuordnung der Aufgaben von Universität und Stiftung begleitete. Zuletzt wirkte er unter anderem als Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule für Musik in Nürnberg.

Musiker mit Leidenschaft

Bei aller Arbeitslast galt Thomas A.H. Schöcks Leidenschaft jedoch bei weitem nicht allein dem Beruf: In seiner Freizeit engagierte sich der Musikliebhaber und Bellini-Kenner als Vorsitzender des Lehrergesangvereins Fürth, als Vorstandsmitglied der Stiftung Windsbacher Knabenchor und der Internationalen Gluck-Gesellschaft.

Auch sein Engagement für das bemerkenswerte Pädagogik-Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ war mehr als Amtsinteresse. Mit dem Projekt schickt die FAU Schülerinnen und Schüler für ein halbes Jahr auf dem Toppsegelschoner „Thor Heyerdahl“ um die Welt. Aus diesem Einsatz erwuchs eine persönliche Leidenschaft für den Segelsport, die er beim einen oder anderen Törn ausleben konnte.

So gehörten zu seinem Leben neben Verantwortung und Gestaltungskraft auch Musik, Wind und Weite – und vielleicht war gerade diese Mischung Teil dessen, was ihn als Menschen so besonders machte.

https://www.fau.de/2026/08/news/universitaet/ein-lenker-mit-herz-und-humor

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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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