Bremen stärkt Vorsorge gegen Starkregen
Bremen entwickelt seine Starkregenvorsorge weiter und setzt auf priorisierte, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen, gezielte Informationen und eine naturnahe Bewirtschaftung von Regenwasser. Die Umweltbehörde berichtete der städtischen Deputation am 5. November 2026 über den Stand und die nächsten Schritte; bereits umgesetzt wurden kleinere Maßnahmen an mehreren Straßen und Kreuzungen, während Starkregengefahrenkarten und ein öffentliches Vorsorgeportal Bürgerinnen und Bürger informieren. Bei Bauarbeiten und neuen Quartieren soll die Vorsorge frühzeitig mitgeplant werden, zugleich bleiben Eigenvorsorge und das langfristig angelegte Schwammstadt-Konzept wichtige Bausteine.
Priorisierte Maßnahmen, zielgerichtete Informationen und ein naturnaher Umgang mit Regenwasser
Die Stadtgemeinde Bremen entwickelt ihre Vorsorge gegen Schäden durch Starkregen weiter. Die Umweltbehörde hat der städtischen Deputation für Umwelt, Klima und Landwirtschaft am gestrigen Donnerstag (5. November 2026) über den erreichten Stand und die nächsten Schritte berichtet.
Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die lokale Überflutungsrisiken verringern und erste Grundlagen für eine langfristige Anpassung schaffen. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, besonders betroffene Bereiche ressourceneffizient zu priorisieren und die Eigenvorsorge von Bürgerinnen und Bürgern zu unterstützen.
Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: "Starkregen kann innerhalb kurzer Zeit Straßen, Unterführungen, Keller und technische Anlagen überfluten. Gerade in dicht bebauten und stark versiegelten Stadtteilen kann Regenwasser nicht schnell genug versickern oder über die Kanalisation abfließen. Einen vollständigen Schutz vor extremen Wetterereignissen gibt es nicht. Unser Ziel ist deshalb, Risiken möglichst frühzeitig zu erkennen, Schäden zu begrenzen und Vorsorge als gemeinsame Aufgabe von Stadt, Infrastrukturbetreibern, Unternehmen und Privaten zu stärken. Wir setzen dort an, wo wir auch mit begrenzten öffentlichen Mitteln kurzfristig wirksame Verbesserungen erreichen, und zugleich langfristige Lösungen vorbereiten können. Eine umfassende Überflutungsvorsorge im gesamten Stadtgebiet lässt sich jedoch nicht kurzfristig umsetzen. Sie braucht verlässliche finanzielle und personelle Ressourcen, eine enge Zusammenarbeit vieler Akteure und einen langen Atem. Die Starkregenvorsorge bleibt eine Generationenaufgabe"
Grundlagen für eine gezieltere Vorsorge
Bremen arbeitet bereits seit vielen Jahren konzeptionell an der Starkregenvorsorge. Mit dem inzwischen abgeschlossenen Förderprojekt "Klas" (Klima-Anpassungs-Strategie Extreme Regenereignisse) wurden zwischen 2012 und 2021 wichtige Grundlagen geschaffen. Dazu gehören Starkregengefahrenkarten für das gesamte Stadtgebiet, ein digitales Informationssystem für die Verwaltung sowie das öffentliche Starkregen-Vorsorgeportal. Dort können Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer prüfen, ob ihr Grundstück bei Starkregen besonders gefährdet sein könnte. Bei Bedarf erhalten sie weiterführende Informationen und eine kostenlose Beratung durch hanseWasser Bremen. Die Angebote helfen dabei, Risiken besser einzuschätzen und geeignete Schutzmaßnahmen vorzubereiten.
Starkregenvorsorge im Stadtumbau mitdenken
Neben diesen Grundlagen wurden erste konkrete Verbesserungen im Straßenraum umgesetzt. Ein Runder Tisch aus Hansewasser Bremen, dem Amt für Straßen und Verkehr sowie der Umweltbehörde entwickelt kleinere, kurzfristig realisierbare Maßnahmen. Sie sollen beispielsweise dafür sorgen, dass Regenwasser besser abfließen oder vorübergehend zurückgehalten werden kann, ohne Schäden anzurichten. Solche Maßnahmen wurden bereits am Borchersweg, an der Kreuzung Crüsemannallee und Busestraße sowie im Bereich Sielpfad, Kreuzstraße und In den Runken umgesetzt. Sie können lokale Risiken mindern, ersetzen jedoch keine umfassenden Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge im gesamten Stadtgebiet.
Ein weiterer Ansatz besteht darin, ohnehin anstehende Bauarbeiten gezielt für die Starkregenvorsorge zu nutzen. Dieses Vorgehen wird als "Huckepackverfahren" bezeichnet. Wenn Kanäle oder Straßen erneuert werden, prüfen die beteiligten Stellen frühzeitig, ob zusätzliche Maßnahmen für Regenwasserrückhalt, Begrünung, Entsiegelung oder eine bessere Ableitung von Oberflächenwasser sinnvoll und umsetzbar sind. Beispiele dafür sind die Umgestaltungen in der Rasteder Straße und der Münchener Straße.
Dieses Vorgehen ermöglicht es, vorhandene Planungs- und Bauanlässe ressourceneffizient zu nutzen. Zugleich ist es darauf angewiesen, dass entsprechende Baumaßnahmen anstehen, und kann daher nur schrittweise zur Verbesserung der Vorsorge beitragen.
Auch bei neuen Quartieren und größeren Umbauvorhaben wird die Vorsorge ebenfalls frühzeitig einbezogen. Bereits bei der Planung wird geprüft, wie Regenwasser auf den Grundstücken zurückgehalten und möglichst naturnah bewirtschaftet werden kann. Dafür werden bei Bauleitplanungen Entwässerungskonzepte und Nachweise für Starkregen eingefordert. Beispiele sind der Ellener Hof, die Gartenstadt Werdersee und das Tabakquartier.
Eigenvorsorge bleibt ein zentraler Baustein
Die Eigenvorsorge von Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern bleibt ein zentraler Bestandteil der Starkregenvorsorge. Öffentliche Maßnahmen können nicht jede Überflutung verhindern. Wer sein Gebäude und Grundstück rechtzeitig schützt, kann mögliche Schäden deutlich verringern. Dazu gehören beispielsweise Rückstauverschlüsse, Hebeanlagen, bauliche Vorkehrungen gegen eindringendes Regenwasser sowie eine möglichst wassersensible Gestaltung des Grundstücks.
Unterstützung bieten das Starkregen-Vorsorgeportal (www.starkregen.bremen.de), Beratungsangebote von Hansewasser Bremen sowie Förder- und Kreditangebote. Das Förderprogramm Schwammstadt unterstützt unter anderem Dach- und Fassadenbegrünung, die Entsiegelung von Flächen sowie die Nutzung von Regen- und Grauwasser. Der Wettbewerb "Bremen pflastert ab!" setzt zusätzliche Anreize, versiegelte Flächen ökologisch aufzuwerten.
Schwammstadt-Konzept und Überflutungsvorsorge parallel weiterentwickeln
Parallel zur Starkregenvorsorge entwickelt Bremen derzeit ein gesamtstädtisches Handlungskonzept Schwammstadt. Es soll die Zusammenarbeit zwischen Planung, Bau, Stadtentwässerung und Grünflächenentwicklung weiter verbessern und gemeinsame Standards, Zuständigkeiten sowie Finanzierungs- und Umsetzungswege festlegen.
Regenwasser soll künftig noch stärker als Ressource betrachtet werden: Es soll möglichst vor Ort gespeichert, genutzt und versickert werden, statt ungenutzt in die Kanalisation abzufließen. Damit werden insbesondere Hitzeschutz, Begrünung, Aufenthaltsqualität und eine nachhaltige Bewirtschaftung von Regenwasser miteinander verbunden. Zugleich können sich aus dem Schwammstadt-Prinzip Synergien für die Starkregenvorsorge ergeben. Weitere Informationen gibt es unter www.schwammstadt-bremen.de.
Die Überflutungsvorsorge wird daneben als eigenständige Aufgabe weiterentwickelt. Sie umfasst insbesondere die Identifikation und Priorisierung von Risiken, den Schutz kritischer Infrastrukturen, die Berücksichtigung von Starkregengefahren in Planung und Stadtumbau sowie die Stärkung der Eigenvorsorge.
Eine umfassende Operationalisierung der Überflutungsvorsorge im gesamten Stadtgebiet ist langfristig angelegt. Sie erfordert verlässliche finanzielle und personelle Ressourcen sowie die koordinierte Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Bremen setzt deshalb auf ein schrittweises und, vor dem Hintergrund begrenzter öffentlicher Mittel, auf ein ressourceneffizientes Vorgehen unter Nutzung der vorhandenen Kompetenzen: Kurzfristig umsetzbare Maßnahmen werden gezielt genutzt, Erfahrungen aus der Praxis ausgewertet und Grundlagen für zukünftige Investitionen geschaffen.
Ansprechpartnerin für die Medien:
Ina Schulze, Pressesprecherin bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, Tel.: (0421) 361-96 269, E-Mail: [email protected]
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