4.11.2026 09:53

Sechs Richtige

Deutschland Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Autor nicht angegeben
Sechs Postdoktorandinnen und Postdoktoranden aus China, Indien, Südafrika, Uganda, den Niederlanden und Indonesien forschen im Exzellenzcluster „Transforming Human Rights“, das am 1. Januar 2026 seine Arbeit aufnahm. Sie untersuchen, wie globale Megatrends wie Autokratisierung, Migration, Umweltkrisen und Digitalisierung die Menschenrechte verändern und von ihnen beeinflusst werden. Ihre Themen reichen von afrikanischer Justiz- und Klimapolitik über KI an Universitäten bis zu unternehmerischer Verantwortung, internationaler Wirtschaftsordnung und religiösen Traditionen im Globalen Süden.
KI-Zusammenfassung

Die ersten Postdoktorandinnen und ­doktoranden forschen im Exzellenzcluster zu globalen Megatrends.

Autokratisierung, fragmentierte wirtschaftliche Globalisierung, internationale Migration, planetare Umweltkrisen, Digitalisierung – das sind die fünf Megatrends unserer Zeit. Am Exzellenzcluster „Transforming Human Rights“ erforschen sechs Postdocs aus China, Indien, Südafrika, Uganda, den Niederlanden und Indonesien, wie diese Entwicklungen Menschenrechte verändern und wie die Trends ihrerseits von den Menschenrechten beeinflusst werden.

Diana Kisakye aus Uganda vergleicht Justizpolitik und die Stellung der Menschenrechte in den Gerichten Afrikas. Sie analysiert, wie Akteure der Zivilgesellschaft regionale Gerichte dafür mobilisieren, auf gewaltsames Ver-schwindenlassen, Entführungen oder die grenzüberschreitende Schikanierung von Dissidenten zu reagieren. „In ganz Ostafrika erfährt die Demokratie Rückschritte und die politische Unterdrückung nimmt zu. Mich interessiert, was die Akteure dazu bewegt, auch dann weiter für ihre Rechte zu kämpfen, wenn das System gegen sie zu stehen scheint – und ob sie vor den Gerichten Schutz finden. Ich möchte die strategische Logik, die Hoffnung und manchmal auch die schiere Entschlossenheit hinter diesen Entscheidungen verstehen. Die Arbeit am Cluster und an
der FAU ist für mich eine durchweg positive Erfahrung. Hier herrscht eine kollegiale Atmosphäre, und das Team ist sehr hilfsbereit.“

Die Niederländerin Wikke Jansen beschäftigt sich mit den menschenrechtlichen Herausforderungen der künstlichen Intelligenz im akademischen Alltag. Was bedeutet die Anwendung von KI für Universitäten? Werden die Menschen schrittweise entmachtet? Wird ihre Handlungsfähigkeit durch KI zunehmend ausgehöhlt? Dabei nimmt die Forscherin Studierende und Mitarbeitende in den Fokus: „Die Bandbreite der Meinungen und Annahmen an den Unis ist groß – von ,KI ist hilfreich‘ bis zu ,KI fördert Pfuschen‘. Erforscht ist hierzu bisher wenig. Das Recht auf Datenschutz, aber auch wie die KI gespeist wird, wirft menschenrechtliche Fragen auf – denken wir nur an die Aus-beutung von Datenarbeitern.“ Wikke Jansen hat im Fach Global Studies promoviert und schätzt an der FAU die „gelebte Interdisziplinarität“. Sie hofft, dass sie mit ihrer aktuellen Forschung Universitäten dabei unterstützen kann, Konzepte für den Umgang mit KI zu entwickeln.

Der Soziologe Xu Kang befasst sich mit menschenrechtskonformem, unternehmerischem Handeln und Umwelt-Governance. „Ich bin in einer Arbeiterfamilie in China aufgewachsen und habe dort die Vorteile der staatlichen So-zialfürsorge erfahren, während ich gleichzeitig tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen im Zuge der Marktreformen und der Ausbreitung des Neoliberalismus miterlebte, was zur Ausbeutung der lokalen Arbeitskräfte führte. Diese Erfahrungen prägen mich. Ich will wissen, wie sich wirtschaftliche Veränderungen auf den Alltag der Menschen auswirken. Meine Forschung zielt darauf ab, Wirtschaftsakteurinnen und -akteuren zu helfen, Menschenrechte besser zu verstehen und in unternehmerischen Prozessen zu verankern. An der FAU mag ich das kollegiale und dynamische Arbeitsumfeld. Besonders genieße ich den intellektuellen Austausch und die persönlichen Interaktionen mit Kolleginnen und Kollegen des Exzellenzclusters.“

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Die Postdocs forschen am Exzellenzcluster „Transforming human Rights“, das am 1. Januar 2026 seine Arbeit aufnahm. (Bild: FAU/Giulia Iannicelli)

Elsabé Boshoff aus Südafrika analysiert, wie afrikanische Gerichte in Sachen Klima- und Umweltgerechtigkeit entscheiden. Sie untersucht, ob die Justiz eher „mutig“ oder „zurückhaltend“ auf Menschenrechtsbeschwerden im Zusammenhang mit dem Klimawandel und sozioökologischen Verstößen reagiert. „Schon in den 1980er-Jahren gab es ein afrikanisches Menschenrechtsabkommen, in welchem das Recht auf eine saubere Umwelt formuliert wurde. Ich untersuche, was sich seither getan hat.“ In ihrer Studie verbindet sie rechtswissenschaftliche mit sozialwissenschaftlichen Methoden: So analysiert sie von Deutschland aus – dank Digitalisierung – afrikanische Gerichtsakten und Diskurse in den dortigen Medien. Promoviert wurde Elsabé in Norwegen. „Nach der Blase, in der man während der Doktorarbeit lebt, ist es wunderbar, bei den vom Cluster organisierten Aktivitäten mit vielen frischen und neuen Ideen in Berührung zu kommen. Wir Postdocs haben bereits begonnen, Schnittstellen zu finden und bei spannenden Ideen zusammenzuarbeiten.“

Der Jurist und Politikwissenschaftler Eklavya Vasudev untersucht, wie sich Menschenrechte unter systemischen Belastungen wandeln, insbesondere im Kontext von Klimawandel und der internationalen Wirtschaftsordnung. „Ich bin in Neu-Delhi aufgewachsen und habe miterlebt, wie sich die Umweltbedingungen verschlechterten. Meine Beunruhigung darüber wollte ich in etwas Sinnvolles verwandeln. Ich erforsche, was es bedeutet, wenn westliche Unternehmen in Indien investieren. Der Kapitalismus verlangt Profitmaximierung. Seit den Zeiten der Kolonisation galt es, die Interessen der entwickelten Länder zu schützen. Das wirkte sich negativ auf die Arbeitsbedingungen der Menschen in Indien sowie auf den Umweltschutz aus. Bilaterale Verträge wurden oft so abgeschlossen, dass die Investierenden profitierten, auch wenn es zu juristischen Auseinandersetzungen kam“, sagt der Forscher, der in Indien als Rechtsanwalt tätig war und sich darüber freut, dass er „an der FAU bereits Freundinnen und Freunde unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefunden“ hat.

„Wir Postdocs haben bereits begonnen, Schnitt­ stellen zu finden und
bei spannenden Ideen zusammenzuarbeiten.“

Elsabé Boshoff

Ignatius Yordan Nugraha hat in den Niederlanden Rechtswissenschaften studiert und in Belgien promoviert. In seiner aktuellen Forschung befasst er sich mit volkstümlichen religiösen Traditionen im Globalen Süden. „Viele marginalisierte Volksgruppen leben im Einklang mit der Natur, mit Gott und mit anderen Menschen. Unter anderem habe ich mich mit einer indonesischen Volksgruppe beschäftigt, die Hinduismus, Buddhismus und Islam miteinander vereint, Ahnenkult betreibt und in Frieden lebt. Wie unsere jeweiligen Vorstellungen vom Individuum, von der Gesellschaft, aber auch vom Kosmos die konkrete Formulierung, Auslegung und Anwendung des Rechts prägen, können wir hier lernen. Es bedarf nicht nur der Lektüre von Philosophinnen und Philosophen oder Vertreterinnen und Vertretern der politischen Theorie. Mir ist es wichtig, mental offen zu sein und meinen Horizont zu erweitern. Dies fließt in meine Forschung ein. Das intellektuelle Umfeld an der FAU unter den Postdocs und die Unterstützung der Professorenschaft gefallen mir sehr gut.“

Susanne Stemmler



https://www.fau.de/2026/11/news/universitaet/magazin/magazin-2026/sechs-richtige
Autor
Unternehmen / Organisation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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