Eltern überschätzen ihren Anteil deutlich
Eine Studie der Universität Duisburg-Essen unter rund 2.300 Duisburger Kita-Eltern zeigt, dass Eltern ihren tatsächlichen Anteil an den Kita-Kosten deutlich überschätzen: Sie schätzen ihn im Schnitt auf 41 Prozent, obwohl Elternbeiträge nur etwa sieben Prozent der Gesamtkosten decken. Nur 18 Prozent wären grundsätzlich bereit, über den eigenen Beitrag hinaus die Betreuung anderer Kinder mitzufinanzieren; unter Eltern, die den tatsächlichen Anteil ungefähr richtig einschätzen, liegt diese Bereitschaft bei 26,2 Prozent. Die zwischen März und Juli 2026 durchgeführte Untersuchung ergab außerdem, dass sich 34 Prozent stark mit anderen Kita-Eltern verbunden fühlen und 69 Prozent eher mit ihrer Kita zufrieden sind.
Wie viel zahlen Eltern tatsächlich für einen Kita-Platz? Und wie solidarisch sind sie untereinander? Eine Studie der Universität Duisburg-zeigt: Viele Eltern überschätzen ihren finanziellen Beitrag erheblich. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, die Kosten für andere Kita-Kinder mitzutragen, begrenzt. Für die Untersuchung befragte ein Forschungsteam um Politikwissenschaftler Prof. Dr. Achim Goerres rund 2.300 Duisburger Kita-Eltern.
Ein Kita-Platz kostet viel Geld: Für ein Kind ab drei Jahren mit 45 Stunden Betreuung pro Woche sind rund 1.000 Euro im Monat veranschlagt. Bezahlt wird das vor allem aus Steuermitteln. Die Elternbeiträge decken in Duisburg nur etwa sieben Prozent der Gesamtkosten aller Kitas. Das ist den meisten Eltern jedoch nicht bewusst: Im Durchschnitt schätzen die Befragten ihren Anteil auf zirka 41 Prozent – also fast sechsmal so hoch, wie er tatsächlich ist. Nur rund jede:r Neunte liegt mit seiner Schätzung annähernd richtig.
Auch bei der Frage nach finanzieller Solidarität zeigt sich ein deutliches Bild: Lediglich 18 Prozent der Eltern wären grundsätzlich bereit, über ihren eigenen Beitrag hinaus die Kosten für andere Kita-Kinder in Duisburg mitzutragen. 58 Prozent lehnen dies ab. Dabei zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen dem Wissen über die Finanzierung und der Bereitschaft, andere zu unterstützen: Von den Eltern, die den tatsächlichen Kostenanteil ungefähr richtig einschätzen, wären 26,2 Prozent bereit, sich finanziell zu beteiligen. Unter denen, die den Elternanteil stark überschätzen, sind es nur 15,1 Prozent.
„Unsere Studie zeigt, dass vielen Eltern gar nicht bewusst ist, wie stark ihre Kinderbetreuung von der Allgemeinheit finanziert wird. Gleichzeitig sind diejenigen, die den tatsächlichen Finanzierungsanteil besser kennen, eher bereit, auch die Kosten für andere Kinder mitzutragen. Das ist für uns politikwissenschaftlich interessant, weil es die Frage aufwirft, welche Rolle das Wissen über öffentliche Leistungen für die Bereitschaft zur Solidarität spielt“, erklärt Prof. Dr. Achim Goerres.
Wenig Gemeinschaftsgefühl unter Kita-Eltern
Wie solidarisch sich Eltern untereinander fühlen, zeigt sich auch an ihrem Gemeinschaftsgefühl. Doch das ist unter den Befragten wenig ausgeprägt: Nur 34 Prozent fühlen sich mit anderen Duisburger Kita-Eltern ziemlich oder sehr verbunden. Lediglich 28 Prozent sehen sie als Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft. Gleichzeitig empfinden fast zwei Drittel (65 Prozent) Mitgefühl für andere Eltern. Zwei Drittel lehnen zudem die Vorstellung ab, dass es für Kinder besser sei, wenn ihre Kita-Freund:innen aus Familien mit ähnlichem Einkommen, ähnlicher Herkunft oder Religion stammen.
„Das heißt: Nur weil Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation sind und von derselben staatlichen Leistung profitieren, fühlen sie sich noch lange nicht miteinander solidarisch. Duisburg ist dabei übrigens kein Sonderfall. Wir gehen davon aus, dass sich ähnliche Muster auch in anderen deutschen Großstädten zeigen“, sagt Projektleiter Philipp C. Kemper. Die Studie mache aber auch Mut, betont Goerres: „Wenn die Politik besser erklärt, wie öffentliche Leistungen finanziert werden und wer davon profitiert, könnte das die Bereitschaft stärken, auch für andere einzustehen – selbst dann, wenn man die Leistungen irgendwann nicht mehr selbst nutzt.“
Neben Finanzierung und Solidarität untersuchte das Team auch die Zufriedenheit mit den Kitas. 69 Prozent der Befragten sind eher zufrieden, knapp ein Viertel eher unzufrieden. Den größten Verbesserungsbedarf sehen die Eltern beim Personal und bei der Verlässlichkeit der Betreuung.
Die ersten Ergebnisse können hier abgerufen werden:https://doi.org/10.31235/osf.io/ardpe_v1
* Die Studie ist Teil des vom Europäischen Forschungsrat (ERC) geförderten Projekts POLITSOLID, das erforscht, wie Menschen politische Solidarität verstehen und praktizieren. In Kooperation mit der Stadt Duisburg interviewte das Forschungsteam zwischen März und Juli 2026 Kita-Eltern in drei Online-Befragungen. An der ersten Runde nahmen 2.298 Eltern aus dem ganzen Stadtgebiet teil, an den weiteren 778 beziehungsweise 532.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Achim Goerres, Studienleiter, Empirische Politikwissenschaft, [email protected]
Philipp C. Kemper, Projektmanager, Empirische Politikwissenschaft, [email protected]
https://www.uni-due.de/2026-11-03-kita-studie-eltern-ueberschaetzen-ihren-kostenanteil