Der Mittelstand braucht Datenkompetenz
Der Mittelstand braucht Datenkompetenz. Beim TUM TALK 2026 am Campus Heilbronn wurde deutlich, dass Unternehmen zwar Zugang zu Daten haben, deren strategische Nutzung jedoch oft an fehlenden Kapazitäten, Know-how und passgenauen organisatorischen Strukturen scheitert. Fachleute betonten, dass Datenwissen mit der Unternehmensstrategie verknüpft, Verantwortlichkeiten geklärt und kontinuierliche Weiterbildung erforderlich ist, damit Daten tatsächlich zu fundierten Entscheidungen führen. An Beispielen wie dem Warehouse Assistant verdeutlichte man, dass Anwendungen vor Ort auf konkrete Bedürfnisse ausgerichtet sein müssen und die Technik lediglich ein Instrument der strategischen Priorisierung ist.
Beim TUM TALK 2026 am TUM Campus Heilbronn diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft, welche Kompetenzen und Strukturen Unternehmen benötigen, um Daten für strategische Entscheidungen zu nutzen.
Daten stehen Unternehmen zur Verfügung, doch ihre strategische Nutzung scheitert nach Einschätzung von Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), häufig an fehlenden Kapazitäten und fehlendem Know-how. Beim siebten TUM TALK am Campus Heilbronn der Technischen Universität München (TUM) diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie Unternehmen diese Lücke schließen können. Ihre Beiträge verdeutlichten: Technische Anwendungen müssen zur Unternehmensstrategie und zum betrieblichen Bedarf passen. Dafür erforderlich sind fachliche Kompetenzen, klare Verantwortlichkeiten und die Bereitschaft, Entscheidungen zu überprüfen.
Daten strategisch nutzen
„Um in fünf bis zehn Jahren erfolgreich zu sein, müssen wir Daten verstehen. Aber um Daten in richtige Entscheidungen zu übersetzen, braucht es Führungs- und Managementqualitäten“, betonte TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann zum Auftakt.
Marcel Fratzscher beschrieb die begrenzten Möglichkeiten vieler Mittelständler, Daten strategisch einzusetzen. Prof. Thomas Hutzschenreuter vom Lehrstuhl für Strategic and International Management an der TUM ergänzte, Daten seien nur ein Bestandteil der Gesamtstrategie. Unternehmen benötigten Kontrollsysteme, um ihre Daten einzuordnen, und müssten flexibel auf Veränderungen reagieren können. Welche Informationen künftig relevant würden, sei unter unsicheren Rahmenbedingungen häufig nicht vorhersehbar.
Anwendungen am betrieblichen Bedarf ausrichten
Wie wichtig diese Anpassungsfähigkeit ist, erläuterte Claudia Pohlink, Chief Data Officer bei FIEGE Logistik, anhand eines Lagerprojekts. Das Unternehmen untersuchte mithilfe eines digitalen Lagerzwillings, wie sich Leerfahrten von Gabelstaplern reduzieren lassen. Im Austausch mit dem Standort zeigte sich jedoch ein dringenderer Bedarf: Unterstützung bei kurzfristigen Änderungen im Tagesgeschäft.
Daraus entstand der „Warehouse Assistant“, der Informationen auswertet und Anpassungen vorschlägt. Das Beispiel verdeutlicht, weshalb Unternehmen die Auswahl ihrer Anwendungen mit den Anforderungen vor Ort abgleichen müssen. „Daten- und KI-Strategie müssen mit der Unternehmensstrategie verknüpft werden“, sagte Pohlink.
Beschäftigte qualifizieren und einbeziehen
Pohlink sprach sich dafür aus, Beschäftigte im Umgang mit KI zu schulen und Anwendungen mit hohem Nutzen zu identifizieren. Fratzscher unterstrich angesichts des Fachkräftemangels die Notwendigkeit kontinuierlicher Weiterbildung über das gesamte Berufsleben.
Markus Frank, Vorstand Digitalisierung und Logistik bei JAKO, ergänzte die Perspektive der Personalgewinnung: Persönlicher Kontakt und ein angenehmes Arbeitsumfeld hätten in der Unternehmenskultur einen hohen Stellenwert.
Gastgeber Prof. Ali Sunyaev, Vizepräsident TUM Campus Heilbronn, betonte abschließend die Bedeutung hochwertiger Daten: „Technologien kommen und gehen. Am Ende kommt es immer auf die Daten an. Wir brauchen eine große Menge hochqualitativer Daten.“ Zugleich unterstrich er die Rolle menschlicher Urteilskraft: „Bleiben Sie Mensch“, wandte er sich ans Publikum.
Der siebte TUM TALK stand unter dem Titel „Daten als Kompass: Von wissenschaftlicher Erkenntnis zu strategischen Entscheidungen in Unternehmen“. Prof. Jeanne Rubner, TUM-Vizepräsidentin für Globale Kommunikation und Public Engagement, moderierte das Panel. Vorausgegangen war der Kongress RETHINK.MITTELSTAND, veranstaltet in Kooperation mit dem ZEIT-Verlag. Der nächste TUM TALK findet am 27. Oktober 2027 am TUM Campus Heilbronn statt.