14.10.2026 10:57

Tödlicher Pilz bedroht Amphibienrefugium

Deutschland Universität Trier Autor nicht angegeben
Eine internationale Studie unter Beteiligung der Universität Trier identifiziert die Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens als bedeutendes Amphibienrefugium, das bislang offenbar vom Chytridpilz Bd verschont geblieben ist. Das Gebirge beherbergt mindestens 48 Amphibienarten, davon 25 ausschließlich dort; in mehr als 2.000 Proben von 34 Standorten wurde der Erreger nicht nachgewiesen. Rund 20 Kilometer entfernt fanden Forschende jedoch eine besonders virulente Variante, und Tests zeigten, dass einige endemische Arten bei einer Einschleppung hochgradig gefährdet wären.
KI-Zusammenfassung

Forschende der Uni Trier stellen fest: Eine Region in Kolumbien ist bisher als einzige von einer Pilzepidemie verschont geblieben. Wie lange noch? Internationale Studie unter Beteiligung der Universität Trier identifiziert die Sierra Nevada de Santa Marta als bedeutendes Rückzugsgebiet für Amphibien – doch eine Einschleppung des Chytridpilzes könnte die einzigartige Artenvielfalt gefährden.

Es ist eine gute Nachricht mit einem ernsten Vorbehalt: In der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens lebt eine außergewöhnlich artenreiche Amphibiengemeinschaft, die von den verheerenden Epidemien des Amphibien-Chytridpilzes bislang offenbar verschont geblieben ist. Gleichzeitig zeigen Forschende der Universität Trier, der Universität Gent und zahlreicher internationaler Partner, dass der Erreger in unmittelbarer Nähe vorkommt und viele der dort heimischen Amphibien bei einer Einschleppung hochgradig gefährdet wären.

Der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd, gilt als Ursache der schwersten bekannten durch eine Infektionskrankheit ausgelösten Biodiversitätsverluste der Tierwelt. Seit den 1980er-Jahren hat er weltweit zu dramatischen Bestandsrückgängen und zum vollständigen Aussterben zahlreicher Amphibienarten geführt. Besonders schwer betroffen sind die Bergregionen Mittel- und Südamerikas.
Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die isolierte Sierra Nevada de Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste. Das Gebirge beherbergt mindestens 48 Amphibienarten. 25 dieser Arten kommen sogar ausschließlich dort vor.

Über 2000 Proben untersucht

In mehrjährigen Untersuchungen analysierte das internationale Forschungsteam über 2.000 Proben von Amphibien sowie Umwelt-DNA aus Gewässern. An keinem der 34 untersuchten Standorte in der Sierra Nevada de Santa Marta und den angrenzenden Tiefländern konnte Bd aktuell nachgewiesen werden. Auch genomische Analysen einer dort endemischen Harlekin-Kröte ergaben keine Hinweise auf einen früheren starken, möglicherweise durch den Pilz verursachten Populationseinbruch.

Nur rund 20 Kilometer entfernt, in den nördlichsten Ausläufern der Anden, wiesen die Forschenden dagegen eine besonders virulente Variante des Chytridpilzes nach. Klimamodelle zeigen zugleich, dass große Teile der Sierra Nevada de Santa Marta für den Pilz und durch ihn verursachte Amphibienrückgänge sehr gut geeignet wären. Vermutlich bilden die heißen und trockenen Tiefländer rund um das Gebirge bislang eine natürliche Barriere gegen seine Einschleppung.

Wie gefährlich eine Einschleppung sein könnte, zeigten Infektionsversuche mit drei ausschließlich in der Sierra Nevada vorkommenden Amphibienarten. Während eine Harlekin-Krötenart vergleichsweise tolerant reagierte, erwies sich insbesondere der Frosch Cryptobatrachus boulengeri als hochgradig anfällig.



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Universität Trier
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