19.8.2026 10:24
Topographien des Machbaren
Deutschland
WZB – Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Autor nicht angegeben
Moderne, wissenschaftlich und technisch geprägte Gesellschaften haben ein besonderes Verhältnis zur Zukunft. Auf der einen Seite sind sie gekennzeichnet durch anwachsendes Vertrauen in die individuelle, organisationale und politische Gestaltbarkeit des Kommenden. Andererseits befassen sie sich mit einer stetig zunehmenden Zahl von Gefahren und Risiken, auf die man sich vorzubereiten hat. Diesen Zusammenhang von Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Möglichkeitshorizonten untersucht der WZB-Soziologe Florian Irgmaier in seinem neu erschienenen Buch.
Gesellschaftliche Vorstellungen über Mögliches und Machbares sind wichtige Orientierungspunkte des Denkens und Handelns. Menschen beziehen sich auf sie, wenn sie Pläne schmieden, sich gegen Gefahren wappnen, Verantwortung zuweisen oder politische Missstände kritisieren. Diese so genannten Möglichkeitshorizonte werden zunehmend durch Wissenschaft und Technik geprägt. Welche Mechanismen dabei zentral sind, untersucht Florian Irgmaier in seiner nun veröffentlichten Studie. Hierzu verknüpft er Einsichten der Phänomenologie, Philosophischen Anthropologie und Systemtheorie mit Erkenntnissen der Wissenschafts- und Techniksoziologie.
Das Buch verfolgt einen gestuften Ansatz. Zunächst entwickelt es Grundbausteine einer allgemeinen Soziologie der Konstruktion von Möglichkeitshorizonten. Es zeigt erstens, welche kognitiven Schritte für jede Auseinandersetzung mit der Zukunft unverzichtbar sind und welche Formen von Wissen darin hineinspielen. Gesellschaften prägen das Nachdenken über Mögliches und Machbares, so argumentiert Irgmaier in einem zweiten Schritt, indem sie das dabei verarbeitete Wissen bereitstellen.
Auf dieser Grundlage identifiziert das Buch drei Mechanismen, durch die im Besonderen Forschung und Technisierung gesellschaftliches Wissen prägen. Entdeckungen und Erfindungen verändern Annahmen über die Arten von Dingen, aus denen die Wirklichkeit aufgebaut ist. Theoriebildung und funktionierende Technik machen typische Abläufe erwartbar. Neue Wahrnehmungsmedien, etwa Teleskope oder Computertomographen, eröffnen bislang unbekannte Ausschnitte der Wirklichkeit.
Der Wandel von Wissen verändert das Nachdenken über die Zukunft. So nimmt die Vielfalt der vorgestellten Ereignisse zu, die zum Gegenstand gesellschaftlicher Aufmerksamkeit werden. Zugleich dehnen sich die Horizonte der als beeinflussbar erachteten Zukunft immer weiter aus. Um angesichts dieser Verbreiterung und Verlängerung der Zukunft den Überblick zu behalten, werden Expert:innen immer wichtiger.
18.08.2026 / MP
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Unternehmen / Organisation
WZB – Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
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