Heikle Schadstoffe in Elektrogeräten
In einer EU-weiten Prüfung von 173 Elektrogeräten aus 13 Ländern wurden zahlreiche gefährliche Stoffe entdeckt und viele Produkte als nicht konform bewertet. Rund ein Viertel der geprüften Geräte war schlecht oder gar nicht gekennzeichnet, und in 91 Fällen wurden Grenzwerte für Cadmium, Blei, Phthalate, bromierte Flammschutzmittel und Chrom VI überschritten, was den RoHS-Vorgaben widerspricht. Als Folge wurden viele Produkte vom Markt genommen oder mit Verkaufsverboten belegt; Verbraucher werden aufgefordert, Safety Gate zu prüfen und bei Online-Käufen auf eine EU-Vertragsadresse des Verkäufers zu achten.
Von Smartwatch bis Rasierer: Die EU ließ in 13 europäischen Ländern Elektronikgeräte prüfen. Viele erfüllten nicht die EU-Anforderungen, der Verkauf wurde gestoppt.
Gesundheitsschädliche Chemikalien in Kabeln, Plastikteilen, Schrauben und an Lötstellen von elektrischen Geräten: Diese Shopping-Tour hatte es in sich. Bezahlt hat die EU, eingekauft haben die Marktüberwachungsbehörden 13 europäischer Länder – in Läden vor Ort und auf Webseiten.
In Deutschland, Portugal, Schweden und weiteren EU-Staaten shoppten sie insgesamt 173 Elektro- und Elektronikgeräte: zum Beispiel Lautsprecher, Smartwatches, Ventilatoren, Haartrockner, Rasierer, Waffeleisen, Toaster, Mixer und Gartenleuchten. Darunter viele Billigprodukte, der Durchschnittspreis lag bei 10 Euro.
91 von 173 Produkten fielen durch
Die EU-Kommission wollte wissen, ob die Geräte geltendem EU-Recht entsprechen und ließ testen, ob sie Schadstoffe enthalten und korrekt gekennzeichnet sind. 91 der 173 Produkte fielen durch.
Produktauswahl und Prüfung waren Teil der EU-Marktüberwachungskampagne 2025 und wurden von der Jacop-Initiative der Europäischen Union koordiniert (Joint Actions on Compliance of Products).
Giftige Schwermetalle, Weichmacher und mehr
Knapp ein Viertel der geprüften Geräte war schlecht oder gar nicht gekennzeichnet. Die Angaben auf den Produkten sind aber wichtig, damit Verbraucher sich orientieren können. Hinzu kamen zahlreiche Schadstofffunde, bei denen zulässige Grenzwerte überschritten wurden:
- Cadmium und Blei: Erhöhte Gehalte der giftigen Schwermetalle wurden bei 82 Produkten nachgewiesen – vor allem an Lötstellen. Cadmium und Blei sind sehr gefährlich, wenn sie in den Körper gelangen. Dort können sie Knochen- und Nierenschäden verursachen. Cadmium ist als krebserzeugend eingestuft. Blei schädigt das Nervensystem, beeinträchtigt die Blutbildung und führt zu Magen-Darm-Beschwerden.
- Phthalate: Die chemischen Zusatzstoffe sollen spröde Kunststoffe elastisch machen. 51 Produkte enthielten häufig verwendete Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate in zu hoher Konzentration. Gefunden wurden sie unter anderem in der Ummantelung von USB-Kabeln und Netzsteckern. Phthalate sind gesundheitsschädlich. Einige wirken vor allem auf das Hormonsystem oder die Fortpflanzungsfähigkeit, andere schädigen die Leber.
- Bromierte Flammschutzmittel: Die Chemikalien werden unter anderem in Elektro-Geräten verarbeitet, damit die Geräte weniger leicht entflammbar sind. Bromierte Flammschutzmittel können sich in der Umwelt anreichern, so in die Nahrungskette und schließlich in unseren Körper gelangen. Einige dieser Mittel können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Hartplastikbestandteile von fünf der getesteten Produkte wiesen die Stoffe auf.
- Chrom VI: In Metallschrauben von drei Geräten wurde sechswertiges Chrom gefunden. Diese spezielle Chrom-Verbindung ist giftig und kann heftige Allergien wie juckende Hautausschläge verursachen.
Die betroffenen Produkte entsprechen nicht den Vorgaben der EU-Richtlinie RoHS, die das Verwenden bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten beschränkt.
Großteil der Geräte vom Markt genommen
Folge des Testeinkaufs: Die Marktüberwachungsbehörden informierten die Hersteller der 91 nicht konformen Produkte über die Mängel, viele Geräte wurden vom Markt genommen und ihr Verkauf verboten. Mehrere landeten auf der Plattform Safety Gate, dem EU-Schnellwarnsystem zu gefährlichen Produkten.
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten auf Safety Gate vor dem Kauf eines Gerätes nachschauen, ob es als gefährlich eingestuft wurde. Die Marktüberwachungsbehörden raten außerdem dazu, “verdächtig günstige Produkte“ zu meiden und bei Online-Käufen darauf zu achten, dass der Verkäufer eine Adresse in der EU hat.
Tipp: Die Stiftung Warentest hat auch schon mehrfach Billig-Produkte geprüft und kam zu ähnlich problematischen Ergebnissen. Hier gehts zu unserem Test der chinesischen Verkaufsplattformen Temu und Shein sowie zum Test von Online-Marktplätzen.