FAU-Forschende ermitteln in Eiszeitkrimi
Taimeringer Mammut wurde vermutlich zerlegt von Jägern und Sammlern.
Neues vom Wollhaarmammut aus Taimering: Das rund 25.000 Jahre alte Skelett eines Wollhaarmammuts, das 2020 im Landkreis Regensburg entdeckt wurde, liefert neue Einblicke in das Leben während der letzten Eiszeit. Ein interdisziplinäres Team, an dem auch Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt waren, fand heraus, dass das Tier während des kältesten Abschnitts der Würmeiszeit starb und wurde anschließend in einem eiszeitlichen Tümpel konserviert wurde. Pollenanalysen und Altersdatierungen erlauben eine Rekonstruktion der damaligen Umweltbedingungen. Zudem sprechen Schnittspuren an mehreren Rippen dafür, dass Menschen der Altsteinzeit den Kadaver bearbeiteten. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler/-innen nun im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.
Bei Bauarbeiten in Taimering nahe Regensburg entdeckten Mitarbeitende des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) vor sechs Jahren einen fast 2,5 Meter langen, spiralig verdrehten Stoßzahn, der zu einem Wollhaarmammut, Mammuthus primigenius, gehörte. In der Nähe fanden die Archäolog/-innen außerdem über 70 weitere Knochen und Knochenbruchstücke, vor allem die des Brustkorbs sowie Hand- und Fußknochen. Die meisten Langknochen des großen Säugers fehlen. „Stoßzahn und Knochen des Mammuts waren aufgrund ihrer jahrtausendelangen Konservierung im Feuchtbodenmilieu außergewöhnlich gut erhalten“, sagt Dr. Christoph Steinmann, stellvertretender Leiter des Referates Bodendenkmalpflege Niederbayern/Oberpfalz am BLfD. Nach seiner Bergung wurde der Fund an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) präpariert, und von dort die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen koordiniert.
Jugendliches Mammut lebte vor mindestens 25.000 Jahren
Die paläontologische Begutachtung zeigte: Alle Knochen sowie der Stoßzahn gehören zu einem einzigen sehr großen, aber noch nicht ausgewachsenen Individuum mit etwa drei Metern Schulterhöhe. Das Taimeringer Wollhaarmammut kam vermutlich direkt an oder zumindest nahe seiner Fundstelle zu Tode. Die bis ins Detail unversehrt erhalten gebliebenen Knochenoberflächen lassen sowohl einen längeren Transport durch Wasser ausschließen als auch eine Zerlegung durch Raubtiere. Eingebettet wurde das Tier in den Sedimenten eines Tümpels oder langsam fließenden Zulaufs der eiszeitlichen Ur-Donau, so die Forschenden. Altersdatierungen ergaben ein Alter der Knochen zwischen 27.000 und 25.000 Jahren vor heute.
Ungewöhnliche Strukturen auf der Oberfläche entpuppten sich als Schnittmarken und geben eindeutige Hinweise auf menschliche Aktivitäten. Ausschließlich auf den Rippen finden sich zahlreiche solcher Einkerbungen – verursacht von altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern, die das Tier zerlegten. Eine der Rippen wurde sogar als Schneidebrett verwendet. Ob das Mammut von Menschen getötet wurde oder ob es bereits tot war, als diese den Kadaver verarbeiteten, bleibt laut Erstautorin PD Dr. Kerstin Pasda, Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), die die osteoarchäologischen Untersuchungen zu den anthropogenen Einflüssen durchführte, unklar.
Karge Kost in der baumlosen Steppe
Pollenanalysen von Dr. Philipp Stojakowits an der Universität Augsburg verraten den Forschenden viel über die Umgebung, in der das Mammut lebte und starb. Sie zeigen eine krautige Tundra-artige Steppen-Vegetation mit vereinzelten Zwergsträuchern. Die sogenannte Mammutsteppe war ein gewaltiges baumloses Ökosystem in Eurasien, das während der Hochphase der letzten Kaltzeit vor etwa 30.000 bis 20.000 Jahren vor heute in Europa zwischen dem skandinavischen Eisschild und den südlichen Gletschern der Alpen lag. Seine nährstoffreichen Kräuter und Zwergsträucher ernährten eine Vielzahl an großen Säugetieren, so auch das Taimeringer Mammut.
„Eine kleine Sensation ist unser Fund in vielerlei Hinsicht: Zum einen sind Skelettfunde von Mammuten in unseren Breiten äußerst selten. Wir kennen Funde hauptsächlich aus weiter östlich gelegenen Regionen Eurasiens“, so PD Dr. Gertrud Rößner, Paläontologin an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. „Zum anderen gibt es aus dieser Hochphase der Kaltzeit nahezu keine Nachweise menschlicher Aktivität aus dieser Region. Jäger- und Sammlergemeinschaften zogen sich klimabedingt in Europa nach Süden und Osten zurück“, ergänzen die Archäologieprofessoren Andreas Maier von der Universität zu Köln und Prof. Dr. Thorsten Uthmeier von der FAU.
Weitere Informationen:
Zu den Originalpublikationen: A cold case from the last Glacial Maximum: A partial mammoth skeleton from southern Germany (Danube Valley, Germany)
- Teil 1: Spuren menschlicher Aktivitäten und archäologischer Kontext
- Teil 2: Fossilienfund, Sedimentologie und Paläoumwelt
Kontakt:
PD Dr. Kerstin Pasda
Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU
[email protected]
PD Dr. Christoph Mayr
Institut für Geographie der FAU
[email protected]
https://www.fau.de/2026/06/news/fau-forschende-ermitteln-in-eiszeitkrimi
Kerstin Pasda, Christoph Mayr
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