8.6.2026 19:43

Deutschland und Australien: Enge Partner trotz großer Distanz

Germany Bundesministerium für Verteidigung Lara Finke
Bei dem Treffen im Auswärtigen Amt in Berlin betonten Verteidigungsminister Boris Pistorius, Außenminister Johann Wadephul und ihre australischen Gesprächspartner Richard Marles und Penny Wong die engen, distanzübergreifenden Beziehungen Deutschlands und Australiens sowie eine gemeinsame strategische Ausrichtung in Außenpolitik, Sicherheit und Verteidigung. Sie unterstrichen die Bedeutung der Indo-Pazifik-Verbindungen und diskutierten eine mögliche australische Beteiligung an der Mission im Strait of Hormuz; eine deutsche Beteiligung erfordert ein Ende der Kämpfe, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Bundestagsmandat. Zudem sprachen sie über verstärkte bilaterale Rüstungskooperation, gemeinsame Übungen und Ausbildungsprojekte sowie Weltraum-Sicherheit, einschließlich eines geplanten globalen Sensor-Netzwerks, wobei Deutschland auch eine Stationierung in Australien prüft und eine Statusvereinbarung die Zusammenarbeit erleichtern könnte.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul haben am 8. Juni 2026 Australiens Verteidigungsminister und stellvertretenden Prime Minister Richard Marles und die australische Außenministerin Penny Wong zu Gesprächen im Auswärtigen Amt in Berlin getroffen. Im Vordergrund standen die Stärkung der bilateralen Beziehungen sowie die strategische Ausrichtung beider Länder in den Bereichen Außenpolitik, nationaler Sicherheit und Verteidigung.

Berlin und Canberra trennen rund 16.000 Kilometer – oder 20 Flugstunden. Trotz dieser räumlichen Distanz pflegen Deutschland und Australien ein enges und freundschaftliches Verhältnis. Beide Nationen sehen eine starke Vernetzung des indopazifischen und des euroatlantischen Raumes. Bei dem Treffen in Berlin unterstrich Pistorius: Die Sicherheit Europas und die des Indopazifiks seien untrennbar miteinander verwoben. Gerade wegen der großen räumlichen Distanz müssten Deutschland und Australien ihr Kooperationspotenzial bei Rüstung, Übung und Ausbildung noch intensiver ausnutzen.

Pistorius versicherte den australischen Gästen zudem die Fortsetzung des deutschen Indopazifik-Engagements und die Bedeutung Australiens für Deutschland und für die NATO. Deutschland bleibe militärisch sowie diplomatisch in der Region engagiert und präsent.

Pistorius, Wadephul, Marles und Wong tauschten sich unter anderem zu den aktuellen Herausforderungen in der Indo-Pazifik-Region, in der Ukraine sowie im Nahen und Mittleren Osten aus. Dabei ging es auch um die angespannte Lage in der Straße von Hormus.

Die Sicherheit Europas und die des Indo-Pazifiks sind eng miteinander verwoben.

Verteidigungsminister Boris Pistorius

Australien – ein Schlüsselpartner für Deutschland und die NATO

Das „Land Down Under“ gilt als Stabilitätsanker im Indo-Pazifik und ist aufgrund der hohen Übereinstimmung in der Bewertung zentraler Fragen ein wichtiger strategischer Partner für Deutschland. Beide Länder stehen als gleichgesinnte Mittelmächte fest zusammen. Sie begreifen sich nicht als passive Zuschauer, sondern als aktive Gestalter und Rückgrat der internationalen regelbasierten Ordnung.

Mit Blick auf den Nahen und Mittleren Osten sprachen die Ministerin und die Minister in Berlin auch über die mögliche Beteiligung an der Multinational Military Mission Force Strait of Hormuz. Voraussetzung für eine deutsche Beteiligung sei allem voran ein Ende der Kampfhandlungen vor Ort, so Pistorius in Berlin. Man befände sich dazu in enger Abstimmung mit den USA. Zudem seien eine völkerrechtliche Grundlage sowie ein Mandat des Deutschen Bundestages notwendig. Eine mögliche australische Beteiligung an der Mission begrüßte der deutsche Verteidigungsminister ausdrücklich und bezeichnete sie als starkes Signal der Geschlossenheit – auch über die Grenzen der NATO hinaus.

Australien fährt eine westlich orientierte, sicherheitspolitische Linie, die stark geprägt von der engen Partnerschaft mit den USA ist. Als IP4 Staat (Indo-Pacific Four: Südkorea, Japan, Neuseeland, Australien) findet die deutsch-australische Partnerschaft unter anderem im Koalitionsvertrag und den Indo-Pazifik-Leitlinien der Bundesregierung Erwähnung. Seit 2021 besteht eine erweiterte strategische Partnerschaft. Beide Länder tauschen sich regelmäßig in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft aber auch zu sicherheitspolitischen Fragen und zwischen den Streitkräften aus.

Deutschland und Australien: Bilaterale Kooperation

Mit der verstärkten Aufnahme von Übungstätigkeiten in beziehungsweise mit Australien zeigten sich in jüngster Vergangenheit viele bürokratische Hemmnisse, beispielsweise bei der Ein- und Ausfuhr von Wehrmaterial, der Ausstattung der Bundeswehrangehörigen mit Reisepässen und Visa sowie Haftungs- und Zollfragen. Eine von Deutschland und Australien geplante Statusvereinbarung könnte das in Zukunft vermeiden und eine weitestgehende Gleichstellung mit NATO-Partnern ermöglichen.

In Berlin bekundete Verteidigungsminister Pistorius zudem Interesse an gemeinsamen Rüstungsprojekten. Enge bilaterale Rüstungskooperationen stärkten die industrielle Resilienz beider Nationen. Aktuell vertiefen Deutschland und Australien vor allem ihre Zusammenarbeit im Bereich der Weltraum-Sicherheit. Deutschland, so Pistorius weiter, wolle ein globales Netzwerk von Sensoren für den Weltraumlagebewusstseinsbereich aufbauen und sei in diesem Zusammenhang auch an einer Stationierung in Australien interessiert. Das gemeinsame Weltraum-Sensorik-Netzwerk werde konsequent ausgebaut, um die satellitengestützte Infrastruktur gegen offensive Fähigkeiten autokratischer Akteure zu schützen, betonte Pistorius. „Denn auch im Weltraum werden unsere Freiheit und unsere liberalen Gesellschaften bedroht.“ Australien ist in der Dimension Weltraum bereits ein etablierter Partner – so beispielsweise in der Combined Space Operations (CSpO) Initiative.

von Lara Finke

https://www.bmvg.de/de/aktuelles/deutschland-australien-treffen-berlin-6109076