6.11.2026 09:59

„Der Startschuss wird mit den Weihnachtsfeiertagen fallen“

Německo Universitätsklinikum Leipzig Autor neuveden
Die Influenzasaison in Sachsen hat laut Professor Lübbert etwas früher als üblich begonnen, verläuft bislang aber moderat: Die gemeldeten Fälle stiegen von 30 auf 47 pro Woche, am Universitätsklinikum Leipzig gibt es bisher nur wenige Grippepatient:innen. Die stärkste Erkrankungswelle wird ab den Weihnachtsfeiertagen erwartet, mit einem Höhepunkt im Februar oder März; Lübbert empfiehlt deshalb eine Grippeschutzimpfung bis Ende November. Corona ist bereits im Herbst spürbar aktiv, während RSV in der vergangenen Saison erst Ende März seinen Höchststand erreichte.
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Die Influenzasaison in Sachsen hat laut Professor Lübbert etwas früher und bislang moderat begonnen; die stärkste Erkrankungswelle wird rund um die Weihnachtsfeiertage erwartet. Er empfiehlt eine Grippeschutzimpfung bis Ende November und erläutert die Entwicklungen bei Influenza, Corona und RSV.

Professor Lübbert, in Sachsen wurden bereits erste Influenzafälle und ein erster Todesfall der Saison gemeldet. Wie ordnen Sie die aktuelle Lage ein und spüren Sie am UKL bereits Auswirkungen?

Die derzeit gemeldeten Fälle sprechen für eine eher moderate Entwicklung der aktuellen Grippesaison, auch wenn diese etwas früher gestartet ist als sonst. Die Aktivität der Influenzaviren steigt langsam an, von anfänglich 30 Fällen pro Woche auf zuletzt 47. Das sind allerdings nur die gemeldeten und damit getesteten Fälle in Sachsen, die Dunkelziffer wird wie immer höher liegen. Auch am UKL verzeichnen wir bisher nur sehr wenige Patient:innen mit Grippe.

Der echte Startschuss für die Erkrankungswelle wird sehr wahrscheinlich wieder mit den Weihnachtsfeiertagen und den damit verbundenen vielen Kontakten und Reisebewegungen fallen, mit einem Höhepunkt im Februar-März. Im Moment spricht alles dafür, dass dies auch in dieser Saison so sein wird. Daher ist jetzt bis Ende November der ideale Zeitpunkt für eine Grippeschutzimpfung.
Hingegen ist das Coronavirus (SARS-CoV-2) bereits jetzt im Herbst spürbar aktiv und wir erwarten eine Absinken der Fallzahlen in der Regel um die Weihnachtszeit herum. RSV-Infektionen der Atemwege hingegen erreichten ihr Maximum in der vergangenen Saison 2025/26 erst Ende März, als die Influenzaviren schon wieder auf dem Rückzug waren. Dieses wichtige Phänomen zeitlich versetzter Infektionsgipfel bei unterschiedlichen Erregern von Atemwegsinfektionen wird als "virale Interferenz" bezeichnet: Viren können sich auf epidemiologischer Ebene zeitweise gegenseitig blockieren oder ausbremsen. Das ist einer der Hauptgründe, warum die verschiedenen Infektionswellen im Winter meist nacheinander und selten gleichzeitig ihren Höhepunkt erreichen.

 

Nun kommen wir in Europa ja immer erst ins Spiel, wenn auf der Südhalbkugel und auf dem amerikanischen Kontinent die Grippesaison bereits rollt. Wie sind da die diesjährigen Entwicklungen?

 

Die Influenza-Saison 2026 auf der Südhalbkugel verlief insgesamt moderat und deutlich milder als im Vorjahr, da die Impfstoffe gut auf die zirkulierenden Viren passten. Weltweit dominierten nahezu ausnahmslos Influenza-A-Viren, die Fallzahlen und Hospitalisierungen fielen im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedriger aus. Regionale Hotspots bildeten sich dennoch durch einen ungewöhnlich späten Infektionspeak in Australien sowie durch heftige, frühzeitige Ausbrüche in Südamerika, die dort durch eine zeitgleiche RSV-Welle verstärkt wurden.

 

Welche Influenzaviren stehen in dieser Saison besonders im Fokus? Könnten Menschen, die letztes Jahr erkrankt sind, noch von ihrer erworbenen Immunität profitieren?

Influenzaviren verändern sich laufend und der durch Impfung aufgebaute Schutz lässt nach vier bis sechs Monaten deutlich nach. Die aktuellen Berichte des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass auch in Deutschland bislang bereits bekannte Influenza-A-Stämme dominieren. Wir wissen aber natürlich so früh noch nicht, wie sich die in dieser Saison auf der Nordhalbkugel zirkulierenden Viren eventuell noch verändern werden; derzeit sind es aber „die üblichen Verdächtigen“.
Dennoch reicht auch eine überstandene Grippe aus der letzten Wintersaison als Schutz nicht sicher aus. Die WHO hat die Impfstoffzusammensetzung für die europäische Grippesaison 2026/27 komplett aktualisiert, indem sie alle drei Virenstämme (A/H1N1, A/H3N2 und Influenza B) exakt an die Varianten der Südhalbkugel angepasst hat. Zudem wurde auf Dreifachimpfstoffe umgestellt, da eine der alten B-Linien (Yamagata) weltweit als ausgerottet gilt. Ob das Infektionsgeschehen im Winter perfekt zum Impfstoff passt, lässt sich endgültig erst im Nachhinein sagen – die biologische Grundlage für einen guten Schutz ist durch die Aktualisierung aber gelegt.

 

Wer jetzt mit Fieber, Husten und starkem Krankheitsgefühl aufwacht, denkt möglicherweise zunächst an Corona oder eine Erkältung. Wann ist ein gezielter Influenzatest sinnvoll, und wer sollte besonders aufmerksam sein?

 

Die klassische Erkältung wird ja gern mit der Grippe durcheinandergeworfen. Dabei sind das sehr unterschiedliche Erkrankungen, die nicht verwechselt werden sollten. Eine echte Grippe durch Influenzaviren ist immer ernst zu nehmen, da wichtige Organe wie die Lunge oder das Herz im Krankheitsverlauf mit betroffen sein könnten.

Wer bei sich Symptome feststellt, sollte daher immer an den Selbstschutz, aber auch an den Schutz anderer denken. Schnelltests aus der Drogerie können bei der Einschätzung, ob es Grippe, Corona oder etwas ganz anderes ist, unterstützen. Auch wenn diese im Vergleich zur molekularbiologischen Labordiagnostik beim Arzt nicht hundertprozentig genau sind, sind sie bei starken Erkrankungssymptomen durchaus treffsicher. Sie helfen auch dabei, frühzeitig eine gezielte antivirale Behandlung der Influenza mit einem so genannten Neuraminidasehemmstoff wie Oseltamivir (Tamiflu®) zu starten, die in der Regel nur innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn sinnvoll ist.

 

Was ist symptomatisch für Influenza und welche Risiken bestehen?

 

Eine Influenza-Infektion steigert das Herzinfarktrisiko in der ersten Woche um das 6- bis 7-Fache und das Schlaganfallrisiko im ersten Monat um das 5-Fache, da die Entzündungsreaktion Blutgerinnsel begünstigt. Die jährliche Grippeschutzimpfung senkt dieses erhöhte Risiko drastisch und reduziert das Gesamtsterberisiko von Herzerkrankten um rund 18 Prozent. Die Schutzwirkung der Impfung ist für Risikopatienten damit genauso effektiv wie die tägliche Einnahme von Blutdruck- oder Cholesterinsenkern.

 

Grundsätzlich verläuft die Grippe schwerer als eine Erkältung, mit einem längeren Verlauf und einem stärker ausgeprägten Krankheitsgefühl. Und während eine Erkältung oft schleichend kommt, beginnt die Grippe fast immer sehr akut und mit heftigen Symptomen. Viele Influenzapatienten können sich auf die Stunde genau daran erinnern, wann die Erkrankung bei ihnen losging.



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