Innovation leben
Die FAU hat Dr. Eva Buchta, Prof. Dr. Ricardo Grieshaber-Bouyer und das Referat „Forschung und wissenschaftliche Karriere“ unter Dr. Christian Schmitt-Engel als FAU Innovatoren ausgezeichnet. Buchta entwickelte bei Siemens eine Frühwarnmethode, die Stromnetze durch die Verbindung von Echtzeitmessungen und historischen oder prognostizierten Daten vor Überlastungen schützen soll. Schmitt-Engels Team unterstützt Forschende unter anderem bei Qualifizierung und Forschungsanträgen. Grieshaber-Bouyer legte mit einer Behandlung von Morbus Basedow den Grundstein für eine neue Klasse von Immuntherapien und testet mit Partnern Wirkstoffe der nächsten Generation in klinischen Studien.
Von Stromnetzen, Forschungsanträgen und Antikörpern
Fachlich könnten sie nicht unterschiedlicher sein: Dr. Eva Buchta ist begeistert von bewegten Elektronen, Prof. Dr. Ricardo Grieshaber-Bouyer erforscht Immunzellen, und das Referat „Forschung und wissenschaftliche Karriere“ um
Dr. Christian Schmitt-Engel unterstützt Forschende in den verschiedenen Abschnitten ihrer akademischen Laufbahn. Gemein haben sie, dass sie dieses Jahr als FAU Innovator ausgezeichnet wurden. Mit dem Titel ehrt die Universität kreative Köpfe aus Forschung, Studium und Verwaltung sowie Alumni, die in ihrem Job besonders engagiert und erfolgreich sind. Wer steckt hinter den diesjährigen Innovationsvorbildern?
Stabile Stromnetze
Als es Zeit war für die Wahl eines Studien- gangs, machte die Mutter sie auf den Bachelor in Energietechnik an der heimischen Universi- tät, der FAU, aufmerksam. „Ich habe mich schon immer eng mit Erlangen verbunden gefühlt und wollte möglichst hier studieren“, erinnert sie sich. Es folgten der FAU Master in Elektrischer Energietechnik und die Promotion an der TU Darmstadt. Die Thesis dazu schrieb sie bei der Siemens AG – ihrer heutigen Arbeitgeberin – und blieb so ihrer Heimat treu.
Im Jahr 2024 erhielt Eva Buchta für ihre Promotionsarbeit die Auszeichnung Siemens Inventor of the Year 2024. Die darin von ihr entwickelte Frühwarnmethode für Stromnetze bewertet präzise die Netzlast, welche sich durch neue Verbraucher wie E-Autos und Wärmepumpen sowie neue Erzeuger wie Photovoltaik und Wind verändert. Buchtas System kombiniert Echtzeitmessungen aus dem Netz unter anderem mit Hochrechnungen aus historischen oder Vorhersagedaten, um Überlastungen und Grenzwertverletzungen im Stromnetz zu vermeiden.
Service für Forschende
„Unsere Aufgabe ist es, die Forschenden der FAU dabei zu unterstützen, ihren Job bestmöglich zu machen“, beschreibt Referatsleitung Christian Schmitt-Engel die zentrale Mission seines Teams. Dazu zählen etwa die Unterstützung und Qualifizierung von Promovierenden und Postdocs, aber auch die Vorbereitung von Verbundforschungsanträgen. „Was eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler im Laufe der akademischen Karriere nur wenige Male macht, gehört für uns zum täglichen Geschäft. Diese Erfahrung schafft den bedeutenden Impact für die Forschenden“, so Schmitt-Engel.
Dabei profitieren diese nicht nur vom ausgeprägten Sinn für Service, der im Referat herrscht, sondern auch vom tiefen Verständnis für die Materie, über das die Kolleginnen und Kollegen verfügen. Viele von ihnen kommen ursprünglich selbst aus der Wissenschaft und haben aus den Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften oder Ingenieurwissenschaften heraus den Weg in die Forschungsunterstützung gefunden. Schmitt-Engel, der in Erlangen studierte und sich selbst als FAU-Gewächs bezeichnet, war beispielsweise vor seiner jetzigen Tätigkeit Biologe und promovierte in molekularer Entwicklungsbiologie. Am Referat kann er nun drei für ihn sehr spannende Arbeitsbereiche vereinen: Forschung, Strategie und Verwaltung.
Neue Immuntherapien
Während seiner Doktorarbeit an der Harvard Medical School in Boston erfährt er, was es bedeutet, als „Physician Scientist“, also als forschender Arzt, den Freiraum für kreative wissenschaftliche Projekte zu haben. „Diese Freiheit und Unabhängigkeit in der Forschung ist für mich das allerhöchste Gut!“ Ein Resultat solcher Freiräume ist die erfolg reiche Behandlung eines Patienten, der an Morbus Basedow erkrankt war – einer Auto immunerkrankung, die aufgrund von stimulierenden Antikörpern zu einer unkontrollierten Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führt. Grieshaber- Bouyer setzte Medikamente ein, die eigentlich für die Behandlung von weißem Blutkrebs ent- wickelt worden waren, um diese Antikörper zu eliminieren. Die Ent zündung der Schilddrüse ging zurück, und sie konnte so gerettet werden. Dies legte den Grundstein für die Entwicklung einer neuen Klasse von Therapeutika gegen schwere Autoimmunerkrankungen. 2025 landete der Forscher dafür auf der Forbes-Liste „30 under 30 – Europe – Science & Healthcare (2025)“.
Aktuell testet Grieshaber-Bouyer mit Partnern aus Pharmazie und Biotechnologie Wirkstoffe der nächsten Generation in klinischen Studien. Zudem hat er eigene Unternehmen gegründet und investiert als Unternehmer und Kapitalgeber in die nächste Generation von Biotech-Firmen. „Ich will neue Therapien nicht nur erforschen, sondern die Strukturen bauen, die sie zu den Patientinnen und Patienten bringen.“
Jennifer Utley
https://www.fau.de/2026/11/news/universitaet/magazin/magazin-2026/innovation-leben