4.11.2026 09:32

Wissen und Werte vermitteln

Německo Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Autor neuveden
Der Anatomie-Dozent PD Dr. Philipp Arnold und der KI-Forscher Prof. Dr. Andreas Kist von der FAU wurden 2026 mit dem Preis für gute Lehre des Bayerischen Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet. Arnold vermittelt Medizinstudierenden Anatomie in Vorlesungen und Seminaren, während Kist automatisierte Signalverarbeitung und künstliche Intelligenz mit anschaulichen, praxisnahen Aufgaben lehrt. Die Studierendenvertretung der FAU wählt die Kandidatinnen und Kandidaten aus; jede Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.
AI shrnutí

Anatomie­-Dozent PD Dr. Philipp Arnold und KI-Forscher Prof. Dr. Andreas Kist erhalten Preis für gute Lehre des Freistaats Bayern.

Andreas Kist beschäftigt sich mit automatisierter Signalverarbeitung, Philipp Arnold unterrichtet Anatomie. Was sie eint, ist die Leidenschaft für ihr Fach und dafür, Wissen anschaulich zu vermitteln. Beide wurden 2026 mit dem Preis für gute Lehre des Bayerischen Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet.

Spielräume nutzen

Scheitelbein, Nasenmuschel, Kieferknochen – 90 Minuten lang hat Philipp Arnold den Medizinstudierenden des ersten Semesters erklärt, wie der menschliche Schädel aufgebaut ist. Obwohl die Vorlesung zu Ende ist, nimmt sich der Privatdozent für Anatomie an der FAU Zeit und beantwortet geduldig Fragen. „In vier Wochen steht die erste Klausur an“, sagt er. „Viele der angehenden Ärztinnen und Ärzte werden dabei an Grenzen geraten, die sie aus der Schule bisher nicht kannten.“

Umso wichtiger findet Arnold es deshalb, Vorlesungen nicht nur digital, sondern auch in Präsenz zu halten – zum einen, um selbst Ansprechpartner zu sein, zum anderen, damit die Studierenden sich untereinander kennenlernen können. Das kommt dann auch den Seminaren zugute: „In funktionierenden Lerngruppen lassen sich die ungewohnten Stoffmengen leichter bewältigen“, erklärt Arnold. Als Lehrkraft unterstützt er, wo er kann, geht von Tisch zu Tisch, nimmt Anregungen auf, die er wiederum in seine Vorlesungen einbaut. „Sicherlich ist der Lehrplan straff, aber es gibt immer auch Spielräume, die ich nutzen kann.“

Philipp Arnold ist kein Mediziner, sondern studierter Biologe. „Die sogenannten Schnippelkurse, in denen Tiere seziert werden, fand ich immer faszinierend“, erzählt der gebürtige Pfälzer und erklärt damit, warum der Schritt von der Biologie zur Anatomie gar nicht so abwegig ist. In seiner Freizeit spielt er oft Tennis, und wenn die verbleibende Zeit es zulässt, angelt er leidenschaftlich gern, etwa an der Naab. „Das habe ich früher schon regelmäßig gemacht, und von Erlangen aus ist es nun auch nicht mehr so weit.“

Begeisterung und Verantwortung

Begreifen heißt, dass man etwas anfassen kann, sagt Andreas Kist. Deshalb legt er seinen Studierenden kleine Hexbugs auf den Tisch. Die Aufgabe: einen Algorithmus zu schreiben, der die willkürlichen Bewegungen der käferähnlichen Miniroboter exakt nach-verfolgt. Es gibt sogar einen Pokal für das Gewinnerteam. „Dieses Tracking braucht man beispielsweise, um Wanderungen großer Tierherden oder die Ausbreitung von Wald- und Buschbränden verfolgen zu können“, erklärt Kist. Am Department AIBE der FAU entwickelt der gebürtige Forchheimer solche Methoden der automatisierten Signalverarbeitung insbesondere dazu, anatomische Strukturen und physiologische Bewegungen zu erfassen. Mithilfe künstlicher Intelligenz wertet er Videos von Patientinnen und Patienten mit Schluckstörungen aus oder trainiert neuronale Netze darauf, Nervenzellen aus verschiedenen Perspektiven zu identifizieren. Die Schnittstelle von Biologie, Medizin und Informatik ist kein Zufall: Kist hat Molekulare Medizin an der FAU studiert und in den Neurowissenschaften promoviert.

In kreativen Pausen greift Andreas Kist gern zur Gitarre – eine hat er zu Hause stehen, eine zweite griffbereit im Büro. „Neben dem Computer mein zweitwichtigstes Gerät“, sagt er. Den Kopf frei bekommt er zudem beim Joggen, mit seiner Arbeitsgruppe läuft er regelmäßig. Von seinen Studierenden erwartet Kist nicht nur Begeisterung für das Fach, sondern auch Eigenständigkeit und Verantwortung. „Viele arbeiten später in wichtigen Positionen“, sagt er. „Da braucht es kritisches Denken, Resilienz und ein Gespür für die Folgen von Entscheidungen.“ Sich im Studium durchzubeißen, sei eine wichtige Grundlage dafür: „Das größte Kompliment für mich ist, wenn meine Absolventinnen und Absolventen sagen: Das Studium war harte Arbeit, aber ich habe viel gelernt, und Spaß hat es auch gemacht.“

⛶
Die Preisträger: Philipp Arnold (l.) und andreas Kist (r.). (Bild. FAU/Giulia Iannicelli)

Preis für gute Lehre: von Studierenden vorgeschlagen

Lernstoff anschaulich zu vermitteln und junge Menschen zu Persönlichkeiten zu entwickeln – mit ihrer Vorstellung von guter Lehre scheinen Philipp Arnold und Andreas Kist den Nerv der Studierenden zu treffen: Die Kandidatinnen und Kandidaten für den Preis, der vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen wird, wählt die Studierendenvertretung der FAU selbst aus. Der Universitätspräsident schlägt sie im Anschluss daran dem Ministerium vor. Die Auszeichnung ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Matthias Münch



https://www.fau.de/2026/11/news/universitaet/magazin/magazin-2026/wissen-und-werte-vermitteln
Autor
Společnost / Organizace
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Stáhnout
Sdílet
Galerie
Další články od stejného zdroje