4.11.2026 09:32

Rückenwind für Azubis

Německo Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Autor neuveden
Das AzubiCoaching von IHK und FAU unterstützt Auszubildende im ersten Lehrjahr durch Tandems mit Wirtschaftspädagogik-Studierenden, die beim Lernen und bei persönlichen Herausforderungen helfen. In Workshops und einem Vorbereitungsseminar erwerben beide Seiten zusätzliche Kompetenzen; laut dem Auszubildenden Moslem Mollazadeh haben sich seine schulischen Noten deutlich verbessert. Das sechsmonatige Programm läuft für ihn und seine Coachin Jule Stenglein fast aus, doch beide wollen sich weiter treffen und empfehlen das Angebot weiter.
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Aller Anfang ist schwer. Damit Azubis es im ersten Lehrjahr leichter haben, unterstützen Wirtschaftspädagogik­-Studierende sie im Projekt AzubiCoaching, einer Kooperation von IHK und FAU.

Ein Speeddating bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist nicht dazu da, die große Liebe zu finden. Stattdessen ist es jedes Jahr der Startschuss des Azubi Coachings. „Pro Person hatten wir Studis ein, zwei Minuten Zeit, um die Azubis kennenzulernen. Danach wurden wir in Tandems gematcht“, erklärt Jule Stenglein. Die Wirtschaftspädagogik-Studentin coacht seitdem Moslem Mollazadeh, der bei der Nürnberger Firma INTER CONTROL zum Industriekaufmann ausgebildet wird.

Die beiden treffen sich regelmäßig am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der FAU in Nürnberg. „Dort suchen wir uns einen ruhigen Raum, in dem wir ungestört lernen und Themen aus der Berufsschule besprechen können“, schildert Jule. Versteht Moslem ein Thema in der Schule nicht, greift Jule ihm unter die Arme und übt es mit ihm.

Gegenseitige Unterstützung

Eine Kommilitonin brachte Jule zum Azubi-Coaching: „Sie wollte unbedingt mitmachen und zeigte mir das Projekt. Mir gefiel sofort, dass man beim AzubiCoaching zum ersten Mal während des Studiums Praxiserfahrungen sammelt, jemanden begleitet und so Erfahrungen für die Arbeit im Bildungsbereich erlangt.“ Auch Moslem war schnell überzeugt: „Die Idee, jemanden an meiner Seite zu haben, mit dem ich über schulische Themen und persönliche Herausforderungen im Alltag sprechen kann, fand ich super.“

Die Tandems unterstützen sich nicht nur gegenseitig, sondern bekommen auch Hilfe von IHK und FAU. Lernstrategien anwenden, Inhalte souverän präsentieren und im Unternehmen richtig kommunizieren – das vermittelt die IHK den Azubis in mehreren Workshops. Auch für die teilnehmenden Studierenden werden Workshops angeboten, die sich um die Themen Führung und Persönlichkeit drehen. Außerdem bereitet ein Seminar der FAU die Studierenden auf das Coaching vor. Die Themen dort: Gesprächsführung, Beziehungsaufbau und typische Herausforderungen in der Ausbildung.

Kompetenzerwerb und Verantwortung für andere

Zuständig für das Vorbereitungsseminar ist der Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung, den Prof. Dr. Karl Wilbers leitet. Schon seit 15 Jahren beteiligt sich sein Lehrstuhl an Service-Learning-Projekten wie dem AzubiCoaching. „Service Learning bedeutet Lernen durch Verantwortung. Beim Azubi-Coaching erwerben die Studierenden nicht nur akademische Kompetenzen, sie engagieren sich auch gesellschaftlich – davon profitieren die Auszubildenden, die Studierenden und die Betriebe gleichermaßen“, erklärt Karl Wilbers. Dass die Studierenden profitieren, bezeugt Seminarleiter und Projektkoordinator André Hertle: „Zu Beginn des Projektes sind viele Studierende noch unsicher, wie sie Gespräche führen oder auf unerwartete Situationen reagieren sollen. Im Verlauf des Coachings wachsen sie sowohl fachlich als auch persönlich in ihre zukünftige berufliche Rolle hinein.“ Ein Erfolgsfaktor dafür ist kontinuierliche Reflexion durch Berichte der Studierenden und der Erfahrungsaustausch während des Projekts. Ob die Studentin eines Tages im Pädagogikbereich arbeiten wird, steht für sie noch nicht fest. „Aber“, fügt sie hinzu, „auch für andere Bereiche wie das Personalwesen bringt das Coaching viel.“

Den Effekt des AzubiCoachings kann Moslem, der kurdischer Abstammung ist und vor dreieinhalb Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, sogar auf seinem Notenspiegel nachvollziehen: „Aufgrund von Sprachbarrieren hatte ich anfangs nicht so gute Noten in der Schule – mittlerweile haben sich meine Noten sichtlich verbessert.“
Für Jule und Moslem ist das sechsmonatige Programm schon fast vorbei. Doch für beide steht fest, dass sie sich danach noch weiter treffen. Und bei der Frage, ob sie das Programm weiterempfehlen würden, kommt ihre Antwort zeitgleich: „Auf jeden Fall!“

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V. l.: Karl Wilbers, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung; Stefan Kastner, Leiter Berufsbildung der IHK Nürnberg; André Hertle, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Wilbers; Jonas Gruß, Projektkoordinator bei der IHK. (Bild: FAU/Giulia Iannicelli)

Julia Silbermann



https://www.fau.de/2026/11/news/universitaet/magazin/magazin-2026/rueckenwind-fuer-azubis
Autor
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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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