3.11.2026 11:44

Global Design Thinking Workshop: Gute Ideen sind ein Teamsport

Německo Hasso-Plattner-Institut Autor neuveden
Beim Global Design Thinking Workshop entwickelten 40 Studierende aus 15 Ländern in acht Teams Ideen für digitale Gesundheitsangebote und arbeiteten dabei mit den Start-ups praxipal und MenoLife zusammen. In der fünftägigen Präsenzphase untersuchten sie Nutzerbedürfnisse und erstellten unter anderem interaktive Prototypen; generative KI erleichtert deren Entwicklung, macht aber eine kritische Prüfung der Ergebnisse notwendig. Der nächste Workshop der HPI d-school findet im März 2027 statt und widmet sich digitaler Prävention und Wohlbefinden.
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Beim Global Design Thinking Workshop entwickelten Studierende aus 15 Ländern Ideen für digitale Gesundheitsangebote. Im Interview berichtet Claudia Nicolai über die Zusammenarbeit mit Start-ups, den Einsatz von KI und den nächsten Workshop im März 2027.

Wie lassen sich digitale Angebote für die Gesundheitsversorgung verbessern? Dieser Frage gingen internationale Studierendenteams beim jüngsten Global Design Thinking Workshop (GDTW) nach. Claudia Nicolai, akademische Direktorinder HPI d–school, spricht über die Zusammenarbeit mit Startups, neue Möglichkeiten durch KI und den nächsten Schwerpunkt des Workshops.

Hasso-Plattner-Institut (HPI): Was macht den Global Design Thinking Workshop besonders?

Claudia Nicolai: Der Name ist Programm: Der Workshop ist ein globales Angebot, für das sich Studierende aus der ganzen Welt bewerben können. Wir arbeiten dabei eng mit der Global Design Thinking Alliance zusammen, einem internationalen Netzwerk von Hochschulen und Institutionen, die sich mit Design Thinking und Innovation beschäftigen. Beim letzten Workshop hatten wir Teilnehmende aus 15 Ländern.

Besonders spannend ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wir bringen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Fachrichtungen in einen Raum, die gemeinsam Lösungen für Herausforderungen aus dem echten Leben entwickeln. Vorkenntnisse in Design Thinking sind dafür nicht notwendig.

HPI: Das übergreifende Thema der aktuellen Workshops ist "Good Health and Well-being". Womit haben sich die Studierenden zuletzt beschäftigt?

Claudia: Wir orientieren uns mit dem Thema am dritten Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen. Bei der vergangenen Ausgabe lag der Schwerpunkt auf Digital Health, insbesondere dem digitalen Gesundheitsmanagement. Methodisch haben wir uns auf Biodesign konzentriert. Dieser Ansatz berücksichtigt die besonderen Anforderungen des Gesundheitswesens wie zum Beispiel regulatorische Vorgaben. Es geht schließlich auch darum, ob sich eine innovative Idee tatsächlich umsetzen lässt.

Dafür haben wir mit zwei Start-ups zusammengearbeitet. Das Unternehmen praxipal bietet unter anderem einen KI-Assistenten namens Luna an, der Arztpraxen bei Aufgaben wie der Terminvergabe unterstützt. Das Start-up MenoLife entwickelt Angebote für Frauen in der Perimenopause und Menopause. Hier ging es darum, wie sich die Interaktion zwischen Patient:innen und medizinischem Fachpersonal verbessern lässt.

HPI: Wie muss man sich die Arbeit an solchen Fragestellungen vorstellen?

Claudia: Der Workshop beginnt schon zwei Wochen vor der Präsenzphase mit einem virtuellen Kick-off. Dort lernen sich die Teilnehmenden, unsere Coaches und die Projektpartner kennen, die Teams werden definiert. Beim letzten Mal hatten wir 40 Studierende, aufgeteilt auf acht Teams.

Vor Ort arbeiten die Teams dann fünf Tage lang an ihren Herausforderungen. Zuerst geht es darum, das Problem wirklich zu verstehen. Dafür führen die Studierenden beispielsweise Interviews mit Patient:innen, Ärzt:innen, Therapeut:innen oder Mitarbeitenden im Praxismanagement. Sie untersuchen reale Angebote und entwickeln daraus neue Ideen. Anschließend folgen Prototyping, Tests und die Weiterentwicklung der Konzepte. Dabei werden die Teams eng von unseren Coaches begleitet.

HPI: Fünf Tage sind für einen solchen Innovationsprozess ziemlich wenig Zeit. Was kann dabei herauskommen?

Claudia: Uns ist natürlich bewusst, dass wir in dieser Zeit vor allem zu guten Konzeptideen kommen. Für wissenschaftlich belastbare Ergebnisse auf Grundlage größerer Stichproben bräuchte es mehr Zeit. Trotzdem entstehen schon sehr greifbare Lösungen.

Bei praxipal haben sich beispielsweise vier Teams mit der Mensch-Maschine-Interaktion beschäftigt. Wie schafft man Vertrauen in einen KI-Assistenten? Muss so etwas überhaupt menschlich wirken? Warum sollte Luna zum Beispiel so tun, als würde "sie" eine Nachricht tippen, wenn die Nutzenden doch wissen, dass sie mit einer KI sprechen? Andere Ideen betrafen zusätzliche Funktionen für das Praxismanagement.

Bei MenoLife ging es wiederum darum, ob eine Anwendung eher Patientinnen helfen sollte, ihre Symptome zu dokumentieren, oder medizinischem Fachpersonal, diese Informationen auszuwerten.

HPI: Wie konkret werden solche Ideen am Ende der Woche?

Claudia: Die Teams haben bereits interaktive Prototypen entwickelt, also sogenannte Klick-Dummies. Das ist heute auch dank generativer KI sehr viel einfacher als früher. Mit Tools wie Figma können selbst Menschen ohne UX-Design-Kenntnisse relativ schnell hochwertige Prototypen erstellen. Früher brauchte man dafür deutlich mehr Zeit und Fachkenntnisse.

Das bringt allerdings neue Herausforderungen mit sich. Ein Prototyp kann sehr überzeugend aussehen und trotzdem am eigentlichen Problem vorbeigehen. Deshalb ist es wichtig, dass die Teams vorher bewusste Designentscheidungen treffen und hinterher kritisch überprüfen, ob das KI-generierte Ergebnis tatsächlich ihren Anforderungen entspricht. Diesen Diskurs begleiten wir mit unseren Coaches.

HPI: Was nehmen die Projektpartner und die Studierenden aus dem Workshop mit?

Claudia: Für die Unternehmen sind vor allem die Erkenntnisse aus der Nutzerforschung wertvoll. Gerade Startups haben häufig nicht die Kapazitäten, kontinuierlich Kundeninterviews durchzuführen. Die Teams liefern ihnen neue Perspektiven und Ideen für die Weiterentwicklung ihrer Produkte.

Bei den Studierenden ist es sehr individuell, was sie aus den Projekttagen mitnehmen. Mir ist aus dem letzten Workshop eine Begegnung besonders in Erinnerung geblieben: Eine Teilnehmerin war anfangs skeptisch, wozu sie überhaupt ein Team braucht. Schließlich könne sie mithilfe ihrer Tools selbst eine Marktanalyse machen und eine Idee entwickeln. Am dritten Tag hatte sie dann ihren Aha-Moment: Eine Idee kann ich alleine haben, aber um sie wirklich gut weiterzuentwickeln und umzusetzen, brauche ich andere. Das trifft ganz gut die Essenz unseres Konzepts: Wir können individuell unheimlich kreativ sein, auch KI-gestützt. Aber aus Ideen marktfähige Innovationen zu machen, ist Teamarbeit.

HPI: Im März findet der nächste Global Design Thinking Workshop statt. Was erwartet die Teilnehmenden?

Claudia: Wir bleiben beim übergeordneten Thema "Good Health and Well-being", beschäftigen uns diesmal schwerpunktmäßig mit "Digitaler Prävention und Wohlbefinden". Gemeinsam mit zwei Projektpartnern wollen wir unterschiedliche Perspektiven betrachten: Zum einen eine eher medizinische Fragestellung in Richtung der Personalisierung von Prävention, zum anderen die Unterstützung von Selbstmanagement und Gesundheitskompetenz.

Dabei wird es wieder darum gehen, mit Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen und Ländern neue Perspektiven einzunehmen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, auf die man alleine vielleicht nicht gekommen wäre.

Der nächste Global Design Thinking Workshop der HPI d-school findet im März 2027 statt. Wer sich für digitale Prävention und Wohlbefinden, innovative Lösungsansätze und internationale Teamarbeit interessiert, kann sich über die Teilnahme informieren und bewerben: https://hpi.de/en/d-school/education-offer/gdtw/



https://hpi.de/artikel/global-design-thinking-workshop-good-ideas-are-a-team-sport
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Hasso-Plattner-Institut
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