Biomarker für individuellere Immunsuppression
Eine europäische Studie mit 260 nierentransplantierten Patientinnen und Patienten an 13 Universitätskliniken untersuchte, ob der Blutwert des Torque-Teno-Virus (TTV) helfen kann, die Immunsuppression individueller zu dosieren. Bei einer TTV-gesteuerten Tacrolimus-Therapie war die Behandlung ebenso sicher wie die Standardtherapie, und die Teilnehmenden benötigten im Durchschnitt weniger Tacrolimus; eine statistisch gesicherte Verringerung transplantationsbedingter Infektionen wurde jedoch nicht nachgewiesen. Die Ergebnisse betreffen zunächst stabile erwachsene Nierentransplantierte mit niedrigem Risiko im ersten Jahr nach der Transplantation, weshalb weitere Forschung erforderlich ist.
Nach einer Nierentransplantation ist die richtige Einstellung des Immunsystems entscheidend: Patientinnen und Patienten müssen dauerhaft Medikamente einnehmen, die ihre Immunabwehr bremsen. So wird verhindert, dass der Körper das neue Organ abstößt. Gleichzeitig darf das Immunsystem nicht zu stark unterdrückt werden, da sonst unter anderem die Gefahr für Infektionen steigt. Bislang orientiert sich die Dosierung vor allem an der Konzentration der Medikamente im Blut. Diese sagt jedoch nur eingeschränkt etwas darüber aus, wie stark das Immunsystem tatsächlich gebremst wird.
Eine große europäische Studie hat deshalb untersucht, ob ein Biomarker im Blut eine individuellere Behandlung ermöglichen kann. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Torque-Teno-Virus (TTV). Das Virus kommt bei vielen Menschen vor und verursacht keine Erkrankung. Seine Menge im Blut kann aber Hinweise darauf geben, wie aktiv das Immunsystem eines Menschen ist.
UKR beteiligt sich an europäischer Studie
An der sogenannten TTVguideIT-Studie waren 260 nierentransplantierte Patientinnen und Patienten an 13 europäischen Universitätskliniken beteiligt. Auch das Universitätsklinikum Regensburg war mit Patientinnen und Patienten der Abteilung für Nephrologie (Direktor: Prof. Dr. Bernhard Banas) an der Studie beteiligt. Verantwortlich für das Projekt am UKR war Prof. Dr. Miriam Banas.
Innerhalb des TTV-guide-Projekts koordinierte Prof. Dr. Jürgen Wenzel am Institut für Mikrobiologie und Hygiene (Direktor: Prof. Dr. Dr. André Gessner) die Bestimmungen der TTV-Spiegel. Diese werden mittlerweile am Institut als Routine-Diagnostik durchgeführt.
Inhalte der Studie
Die Forschenden verglichen die bisherige Standardbehandlung mit einer Therapie, bei der die Dosierung des immunsuppressiven Medikaments Tacrolimus zusätzlich anhand der TTV-Werte angepasst wurde. Das Ergebnis: Die neue Vorgehensweise erwies sich in der untersuchten Patientengruppe als ebenso sicher wie die Standardbehandlung. Gleichzeitig benötigten die Patientinnen und Patienten in der TTV-gesteuerten Gruppe im Durchschnitt weniger Tacrolimus. Eine statistisch gesicherte Verringerung von Transplantations-assoziierten Infektionen (z.B. durch Cytomegalovirus) konnte die Studie allerdings nicht nachweisen.
Schritt hin zu einer stärker personalisierten Transplantationsmedizin
Die Ergebnisse könnten damit einen Weg zu einer stärker auf den einzelnen Menschen zugeschnittenen Behandlung weisen. Statt sich ausschließlich an festgelegten Medikamentenspiegeln zu orientieren, könnte künftig zusätzlich berücksichtigt werden, wie aktiv das Immunsystem tatsächlich ist.
Noch ist weitere Forschung notwendig: Untersucht wurden zunächst stabile erwachsene Nierentransplantierte mit niedrigem Risiko im ersten Jahr nach der Transplantation. Ob der Ansatz auch für andere Patientengruppen, spätere Zeitpunkte oder andere Organtransplantationen geeignet ist, müssen weitere Studien zeigen.
Die Studie ist Teil des EU-geförderten Forschungsprojekts TTVguideTX, das von der Medizinischen Universität Wien koordiniert wurde. Insgesamt arbeiteten 20 Partner aus zehn europäischen Ländern zusammen. Das Projekt wurde über fünfeinhalb Jahre mit mehr als sechs Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon 2020 gefördert.
https://www.ukr.de/newsroom/detail/biomarker-fuer-individuellere-immunsuppression