23.10.2026 12:36

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Rakousko Land Vorarlberg Autor neuveden
Bei der 57. Regierungschefkonferenz der ARGE ALP am 23. Oktober 2026 in Bregenz beschlossen die Regierungschefinnen und -chefs Resolutionen zur Energiezukunft, zur resilienten Wasserversorgung und zur Berglandwirtschaft im Alpenraum. Sie bekräftigten den Ausbau erneuerbarer Energien und Speicher, den Schutz und die öffentliche Verantwortung für Wasser sowie verlässliche Förderbedingungen für Bergbetriebe. Zudem wurden Fortschritte bei einem Projekt für Kinder und Jugendliche, die Aktualisierung des Energiestrategiespiels „Changing the Game“ und ein Bericht zu Wolf und Bär behandelt. Vorarlberg übergab den ARGE-ALP-Vorsitz an Bayern.
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Bei der 57. Regierungschefkonferenz der ARGE ALP in Bregenz haben die Regierungschefinnen und -chefs heute (23. Oktober 2026) zentrale Beschlüsse für den Alpenraum gefasst. Im Fokus standen die sichere und leistbare Energiezukunft, der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser, die Zukunft der Berglandwirtschaft und neue Impulse für Kinder und Jugendliche. Landeshauptmann Markus Wallner (Vorarlberg), Landeshauptmann Arno Kompatscher (Südtirol) und Regierungsrat Marc Mächler (St. Gallen) präsentierten die Ergebnisse und unterstrichen die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Die Arge Alp ist eine wichtige internationale Arbeitsgemeinschaft von Regionen in den Alpen. „Die Alpenregionen stehen, trotz unterschiedlicher Staatszugehörigkeit, häufig vor ähnlichen Herausforderungen. Es ist sinnvoll und bereichernd sich in diesem Verbund auszutauschen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Projekte voranzutreiben“, sagt Landeshauptmann Wallner.

Ergebnisse im Überblick

  • Resolution „Energiewende in der ARGE ALP – Beitrag zur Energieunabhängigkeit Europas“ verabschiedet
  • Studienergebnisse „EigenAlp – Einfluss des Gebäudesektors auf die Netzinfrastruktur“ vorgestellt
  • Resolution „Resiliente Wasserversorgung im Alpenraum“ beschlossen
  • Resolution „Zukunft der Berglandwirtschaft im Alpenraum“ verabschiedet
  • Zwischenstand zum Projekt „ARGE ALP: Chancenreichster Lebensraum für Kinder und Jugendliche“ präsentiert
  • Bericht 2024/2025 zu den großen Beutegreifern (Wolf und Bär) zustimmend zur Kenntnis genommen
  • Energiestrategiespiel „Changing the Game“ in aktualisierter Form – Schirmherrschaft der ARGE ALP für Multiplikatorenschulung genehmigt

Energie: Kurs halten, Tempo erhöhen

Mit der Energie-Resolution bündelt die ARGE ALP ihre Positionen gegenüber der Europäischen Union, der Schweiz und den nationalen Regierungen. Die Mitgliedsregionen bekräftigen zugleich ihren eigenen Beitrag zur Energieunabhängigkeit Europas. Im Zentrum stehen der rasche Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung und zusätzlicher Speicherkapazitäten. Der Alpenraum verfügt insbesondere bei Wasserkraft und Pumpspeicherkraftwerken über besondere Potenziale. Pumpspeicher können Strom flexibel speichern und bei Bedarf rasch bereitstellen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität und können als „grüne Batterien Europas“ fungieren. Auch Batteriespeicher, Wasserstoffspeicher und nachhaltig genutzte Biomasse sollen weiterentwickelt werden.

Die Regierungschefs fordern zudem einen beschleunigten Ausbau und eine Modernisierung der Stromübertragungs- und -verteilnetze. Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht und beschleunigt werden. Für schwer elektrifizierbare Bereiche der Industrie ist darüber hinaus der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur entscheidend. Für die Mitgliedsregionen ist insbesondere die Umsetzung eines Süd-Korridors von hoher Bedeutung.

Die Resolution bekennt sich auch zu regionalen Ausbauzielen für erneuerbare Stromerzeugung und Speicher bis 2050, zu mehr Energieeffizienz sowie zum schrittweisen Abbau direkter und indirekter Anreize für fossile Energieträger. Ein wesentliches Anliegen ist die sozial ausgewogene Gestaltung der Energiewende. Langfristig planbare Programme sollen insbesondere einkommensschwache Haushalte beim Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme, bei der energetischen Sanierung und bei nachhaltiger Mobilität unterstützen.

„Mit den heutigen Beschlüssen bündeln wir die Stimme der Alpenregionen für eine sichere, leistbare und nachhaltige Energiezukunft. Der Alpenraum ist Energiekammer und Speicher – diese Stärke bringen wir aktiv ein“, betonte Landeshauptmann Wallner. Das jährliche Energieforum der ARGE ALP wird als Plattform für den fachlichen Austausch und die Erarbeitung gemeinsamer Vorschläge fortgesetzt.

EigenAlp: Was die Elektrifizierung für die Netze bedeutet

Die unter Vorarlberger Leitung erarbeiteten Ergebnisse der Studie „EigenAlp“ zeigen anhand repräsentativer Siedlungsgebiete im ländlichen und intermediären Alpenraum, wie die Elektrifizierung im Gebäude- und Mobilitätsbereich die Netzlasten verändert und welche Maßnahmen wirksam sind. Untersucht wurden unter anderem Szenarien zum Umstieg auf Wärmepumpen, zur aktiven Gebäudekühlung und zur Elektromobilität. Ergänzend erfolgten dynamische Simulationen von Heiz-, Kühl- und Warmwasserlasten sowie von Photovoltaik-Erträgen und deren Auswirkungen auf typische Verteilnetzstrukturen.

Die Studienergebnisse sollen einen Beitrag zur energiepolitischen Planung in den Mitgliedsregionen leisten. „EigenAlp liefert belastbare Entscheidungsgrundlagen: Je besser wir Lastverschiebung, Effizienz und örtliche Erzeugung kombinieren, desto robuster werden unsere Netze“, sagt Landeshauptmann Wallner.

Wasser: Resilienz stärken, Verantwortung wahren

Die Resolution „Resiliente Wasserversorgung im Alpenraum“ reagiert auf die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und den steigenden Druck auf die Wasserressourcen. „Steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse, der Rückgang von Gletschern und Schneedecken sowie längere Trocken- und Hitzeperioden verändern den Wasserhaushalt im Alpenraum spürbar“, sagte Regierungsrat Marc Mächler.

Die ARGE ALP bekräftigt, dass Wasser in hoher Qualität, in ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen für alle Menschen verfügbar bleiben muss. Die öffentliche Souveränität in der Wasserversorgung soll gesichert werden. Trinkwasser hat Vorrang vor anderen Nutzungen. Wesentliche öffentliche Interessen wie Versorgungssicherheit, Wasserqualität, diskriminierungsfreier Zugang und ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen dürfen nicht privatwirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden.

Die Regierungschefs betonen die Verfügungshoheit über nationale Wasserressourcen und die bestehenden Entscheidungs- und Handlungskompetenzen der nationalen, regionalen und lokalen Behörden. Überregionale Zusammenarbeit soll dort erfolgen, wo sie einen konkreten Mehrwert bietet – etwa bei Vorsorgeplanung, Informationsaustausch und der Bewältigung gleichartiger Fragestellungen. Dabei bleiben regionale Autonomie, Subsidiarität und Solidarität maßgeblich.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz der Gewässer und Wasserressourcen sowie auf der Anpassung der Wasserinfrastruktur an klimatische Veränderungen. Kommunen und Wasserversorgungsunternehmen sollen beim zukunftssicheren Ausbau ihrer Infrastruktur unterstützt werden. Laufende Investitionen, rechtzeitige Reinvestitionen und die Verringerung von Leckageverlusten sind zentrale Voraussetzungen für eine krisensichere Trinkwasserversorgung. In Gebieten mit steigendem Bewässerungsbedarf soll der Ausbau regionaler Versorgungsnetze vorangetrieben werden. Grundlage für ein nachhaltiges Management sind ein verlässliches Grundwassermonitoring und laufend aktualisierte Klimaszenarien.

Berglandwirtschaft: Rückgrat der alpinen Lebensräume

Mit der Resolution zur „Zukunft der Berglandwirtschaft im Alpenraum“ bekennt sich die ARGE ALP zur Sicherung und Weiterentwicklung dieses für den Alpenraum zentralen Sektors. Im Hinblick auf die künftige Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union ab 2028 sowie die Weiterentwicklung der Schweizer Agrarpolitik 2030+ fordern die Mitgliedsregionen eine eigenständige, ausreichend dotierte und verlässlich strukturierte Agrarpolitik.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den spezifischen Leistungen der Berglandwirtschaft und der Alm- und Alpwirtschaft. Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete, Direktzahlungen und weitere Bergbauernförderungen sollen langfristig gesichert, finanziell gestärkt und an reale Bewirtschaftungs- und Betriebskosten angepasst werden. Damit sollen die flächendeckende Bewirtschaftung, die Biodiversität und der Erhalt der alpinen Kulturlandschaft gewährleistet bleiben.

Die Resolution fordert starke einkommenswirksame Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, die praxistauglich ausgestaltet und fair abgegolten werden. Unterstützt werden sollen insbesondere Maßnahmen zur Stärkung der Klimaresilienz, zur Verringerung von Wasserstress und Wasserverbrauch sowie zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Weitere Schwerpunkte sind die standortangepasste Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltung, Investitionen in tierwohlgerechte Stallungen, die Sicherung regionaler Wertschöpfungsketten sowie der Schutz traditioneller Produktionsmethoden und die qualitätsvolle Veredelung landwirtschaftlicher Produkte. Auch die junge Landwirtschaft und der Generationenwechsel stehen im Fokus: Gefordert werden gezielte Förder-, Aus- und Weiterbildungsangebote, gute Rahmenbedingungen für Hofübernahmen und Maßnahmen zur Stärkung der Attraktivität landwirtschaftlicher Berufe im Berggebiet.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen: "Unsere Beschlüsse verbinden Ökologie, Ökonomie und Kultur. Für Südtirol ist entscheidend, dass die Berglandwirtschaft faire Rahmenbedingungen erhält, unsere Ressourcen geschützt werden und die Energiewende Versorgungssicherheit und Leistbarkeit gewährleistet."

Kinder und Jugendliche: Chancenreich aufwachsen

Vorarlberg berichtete über den Zwischenstand des Projekts „ARGE ALP: Chancenreichster Lebensraum für Kinder und Jugendliche“, das von Juli 2025 bis Juli 2027 läuft. Kinder und Jugendliche sollen frühzeitig für gesundheitlich relevante Themen sensibilisiert werden. Im Mittelpunkt stehen regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, die Stärkung der mentalen Gesundheit sowie die Förderung von sozialem Bewusstsein und Miteinander.

Dazu wurde eine Vernetzungsplattform eingerichtet und ein modularer Lehrgang entwickelt. Ziel ist es, Erfahrungen und gute Beispiele zwischen den Mitgliedsregionen auszutauschen und konkrete Angebote für junge Menschen weiterzuentwickeln.

Energiestrategiespiel: Wissen spielerisch stärken

Zur Bewusstseinsbildung junger Menschen für europäische Energiezusammenhänge wird das Energiestrategiespiel „Changing the Game“ aktualisiert und für den ARGE-ALP-Raum adaptiert. Auf Antrag des Energieinstituts Vorarlberg in Kooperation mit der Fachhochschule Vorarlberg genehmigten die Regierungschefs die Vergabe einer Schirmherrschaft.

Das Spiel wird inhaltlich insbesondere zu den Themen erneuerbare Energien, Netzausbau und Versorgungssicherheit überarbeitet und anschließend mit Vorarlberger Schulklassen getestet. Nach der Einschulung einer Referentin oder eines Referenten der Energieagentur Tirol ist eine schrittweise Ausrollung in weiteren Mitgliedsregionen vorgesehen.

Große Beutegreifer: Faktenbasis erweitern, Austausch sichern

Die Regierungschefs nahmen den Bericht zur Präsenz von Wolf und Bär sowie zu den Auswirkungen auf die Alm- und Alpwirtschaft im ARGE-ALP-Gebiet für die Jahre 2024 und 2025 zustimmend zur Kenntnis. Grundlage waren die Fachkonferenz unter Vorarlberger Vorsitz im Februar 2026 in Bregenz sowie Datenlieferungen aller Mitgliedsregionen.

Weitere Beschlüsse und Berichte

Der Leitungsausschuss wird unter bayerischem Vorsitz einen Vorschlag für die strategische Ausrichtung der ARGE ALP für den Zeitraum 2028 bis 2031 ausarbeiten. Die Beschlussfassung ist für 2027 vorgesehen. Darüber hinaus wurde ein überarbeiteter Leitfaden für die Projektauswahl vorgestellt, der eine gezieltere Auswahl von Vorhaben und eine stärkere Mitwirkung mehrerer Mitgliedsregionen ermöglichen soll.

Vorsitzübergabe an Bayern

Mit Abschluss der Konferenz übergab Vorarlberg den Vorsitz der ARGE ALP an den Freistaat Bayern.

„Die heutige Regierungschefkonferenz ist Gesamtbilanz und Startsignal zugleich. Wir haben gezeigt, wie Kooperation im Alpenraum konkrete Lösungen bringt – von Energie und Wasser bis zu Landwirtschaft und Jugend“, sagt Landeshauptmann Wallner.

Landeshauptmann Kompatscher betont: „Unsere Beschlüsse verbinden Ökologie, Ökonomie und Kultur. Das ist der Schlüssel, um den Alpenraum lebens- und zukunftsfähig zu erhalten.“

Regierungsrat Mächler ergänzt: „Wissen teilen, Netze stärken, Menschen befähigen – so bleibt der Alpenraum resilient. Das haben wir heute gemeinsam bekräftigt.“

In der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) arbeiten in den vier Staaten Deutschland, Italien, Österreich und Schweiz folgende Länder, Provinzen, Regionen und Kantone mit einer Gesamtbevölkerungszahl von rund 26 Millionen Menschen zusammen: Bayern, Graubünden, Lombardei, Salzburg, St. Gallen, Südtirol, Tessin, Tirol, Trient und Vorarlberg. Alle Informationen zur Arge Alp sind unter www.argealp.org abrufbar.



https://presse.vorarlberg.at/land/public/Gemeinsam-Verantwortung-bernehmen