22.10.2026 16:53

„Alles wieder bei Null!“

Rakousko Österreichisches Olympisches Comité Autor neuveden
Julia Scheib startet am Samstag als Titelverteidigerin in Sölden in die neue Weltcup-Saison im Riesenslalom, nachdem sie im Vorjahr fünf Rennen gewann und die kleine Kristallkugel holte. Die 28-Jährige betont, dass die Saison wieder bei null beginne und sie trotz ihrer Favoritenrolle starke Konkurrenz erwarte, darunter Mikaela Shiffrin. In der Vorbereitung trainierte Scheib neben dem Riesenslalom vor allem Super-G und Abfahrt, um sich auch in den schnellen Disziplinen weiterzuentwickeln.
AI shrnutí

Julia Scheib ke startu nové sezony Světového poháru v Söldenu nastupuje jako obhájkyně titulu v obřím slalomu. Před sezonou vedle své hlavní disciplíny trénovala také super-G a sjezd.

Vor einem Jahr begann in Sölden ein österreichisches Ski-Märchen. Julia Scheib feierte am Rettenbachgletscher ihren ersten Weltcupsieg, vier weitere sollten folgen. Am Ende krönte sich die Steirerin zur Riesentorlauf-Königin und durfte die kleine Kristallkugel in die Höhe stemmen. Am Samstag (10 und 13 Uhr) kehrt die 28-Jährige als Titelverteidigerin und Gejagte an den Ort ihres Durchbruchs zurück. Doch von einer Alleinherrschaft will Scheib nichts wissen.

Der Hang ist derselbe, die Ausgangslage eine völlig andere. Als Julia Scheib vor zwölf Monaten in Sölden am Start stand, wartete sie noch auf ihren ersten Weltcupsieg. Ein Jahr, fünf Siege und eine Kristallkugel später geht die Steirerin als große Gejagte in den Saisonauftakt.

Eine Rolle, der Scheib wenig Bedeutung gibt. "Es wieder bei null anfängt. Ich muss wie letztes Jahr bei jedem Rennen meine Leistung bringen, sonst geht es nicht. Ich versuche schon, bei mir zu bleiben und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren", erklärt die 28-Jährige bei Servus TV.

Konkurrenz schläft nicht

Die vergangene Saison war für Scheib eine einzige Erfolgsgeschichte. Auf den Premierensieg in Sölden folgten weitere Triumphe in Mont-Tremblant, am Semmering, am Kronplatz und in Åre. Insgesamt acht Podestplätze in zehn Riesentorläufen und die kleine Kristallkugel waren die beeindruckende Ausbeute. Doch mit dem Erfolg wachsen auch die Erwartungen.

„Ich muss schon ein wenig bremsen, denn ich sehe schon die anderen herunterfahren. Ich bin eine der Favoritinnen, aber nicht die alleinige Favoritin“, stellt Scheib klar. Zu den größten Herausforderinnen zählt auch Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin, die in ihrer Karriere bereits mehr als 100 Weltcupsiege gefeiert hat, könnte im Riesentorlauf wieder verstärkt angreifen. Scheib sieht darin vor allem einen zusätzlichen Anreiz.

„Die Luft wird für mich dünner. Sie ist die beste Skifahrerin aller Zeiten und wenn die wieder mehr Riesentorlauf trainiert, dann sehe ich die schon ganz weit vorne“, sagt die Steirerin. „Das macht es aber auch sehr spannend für mich, weil man will ja besser werden und da braucht man auch die anderen Athletinnen, die dann wieder viel investieren. Dann weißt du am Start, dass du schon mehr brauchst.“

Mit Vollgas über die Komfortzone hinaus

Stillstand kommt für Scheib ohnehin nicht infrage. In der Vorbereitung auf den neuen Winter setzte die Riesentorlauf-Spezialistin einen überraschenden Schwerpunkt: Statt in Südamerika an ihrer Paradedisziplin zu feilen, standen vor allem Super-G und Abfahrt auf dem Programm. Der Plan: auch in den schnellen Disziplinen Fortschritte machen.

Dass dabei noch einiges an Arbeit wartet, verschweigt die 28-Jährige nicht. „Wir haben es auch mit dem Wetter gut erwischt. Trotzdem war es so, dass der Schnee sehr langsam war und da hatte ich die größten Probleme, wenn es vom Speed her dann schneller wird, weil sich dann einfach alles verändert“, erklärt Scheib. Schnellere Kurveneingänge und kürzere Reaktionszeiten seien weiterhin eine Herausforderung.

An der nötigen Risikobereitschaft mangelt es jedenfalls nicht. „Es ist schon der Reiz, ans Limit zu kommen. Das macht extrem viel Spaß, wenn du merkst, dass es gerade schneller geht, die Kurve besser gelungen ist. Aber es ist schon ein schmaler Grat.“

Gemeinsamkeit mit Verstappen

Dass Scheib nicht gerne vom Gas geht, zeigt auch ihr Vergleich mit Formel-1-Weltmeister Max Verstappen. Auf die Frage nach einer Gemeinsamkeit mit dem Niederländer muss sie nicht lange überlegen: „Der Wille zu gewinnen. Manchmal sogar mit dem Kopf durch die Wand. Das hat man bei Max Verstappen schon bei einigen Rennen gesehen. Ich habe auch schon einige Rennen gehabt, wo ich das versucht habe.“

Am Samstag ist allerdings wieder Feingefühl statt Brechstange gefragt. Auf dem bis zu 68 Prozent steilen Rettenbachgletscher beginnt für Scheib die Mission Titelverteidigung.



https://www.olympia.at/main.asp?NID=46469&kat1=87&kat2=538