19.10.2026 15:28

Zwei neue Straßen am Thurmfeld

Německo Universität Duisburg-Essen Autor neuveden
In einer Zeremonie in Essen benennt der Oberbürgermeister Thomas Kufen am 16. Oktober 2026 zwei Straßen auf dem Forschungs- und Innovationscampus Thurmfeld nach den Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Alice Shalvi und Prof. Dr. Selma Meyer. Beide, in Essen geboren, waren Pionierinnen ihrer Fachgebiete und mussten während des Nationalsozialismus Deutschland verlassen; Nachkommen von Alice Shalvi reisten zur Feier an. Die Straßen erinnern zugleich an das Unrecht der NS-Zeit und verbinden Universität Duisburg-Essen, den Thurmfeld-Campus und die israelisch-jüdische Wissenschaftsgeschichte.
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In einer Zeremonie am 16. Oktober 2026 hat Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen zwei Straßen am Forschungs- und Innovationscampus Thurmfeld nach Wissenschaftlerinnen benannt: Prof. Dr. Alice Shalvi, Professorin für Englische Literatur, und Prof. Dr. Selma Meyer, Professorin für Kinderheilkunde. Beide wurden in Essen geboren, waren Vorreiterinnen in ihren wissenschaftlichen Fachdisziplinen und mussten in Zeiten des Nationalsozialismus Deutschland verlassen. Nachkommen von Alice Shalvi reisten zur Feier an.

Aktuell entstehen am Thurmfeld zwei große Forschungsbauten der Universität: ACTIVE SITES und FutureWaterCampus. Zwei neue Straßen erschließen den neuen Campus der Universität Duisburg-Essen. Die UDE durfte Namensvorschläge machen, und die Bezirksvertretung I hat über die Namensgebung entschieden. Mit Rektorin Prof. Barbara Albert freuten sich zahlreiche Teilnehmende aus der Universität und von der Stadt, dass Oberbürgermeister Thomas Kufen genau am 100. Geburtstag einer der Namensgeberinnen, Alice Shalvi, die feierliche Benennung vornahm und dass dazu Nachkommen der Gewürdigten aus Israel angereist waren.

Oberbürgermeister Kufen betonte, dass sich beide Wissenschaftlerinnen auch sehr für Frauenrechte eingesetzt haben. „Zwei Straßen erinnern nun an zwei außergewöhnliche Essenerinnen: die Literaturprofessorin Alice Shalvi sowie die Professorin für Kinderheilkunde, Selma Meyer. Beide Jüdinnen wurden von den Nazis verfolgt und mussten aus Deutschland fliehen. Dass ihre Namen gerade hier sichtbar werden, passt zum Standort: in unmittelbarer Nähe der Universität Duisburg-Essen und in direkter Nachbarschaft zum Forschungs- und Innovationscampus auf dem Thurmfeld-Areal. Gleichzeitig erinnern die Straßennamen an das Unrecht, das beiden Frauen als Jüdinnen widerfahren ist. Gerade angesichts des wieder zunehmenden Antisemitismus müssen wir jüdisches Leben schützen und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachhalten.“

„Wir freuen uns außerordentlich, dass unsere Universität, die Stadt Essen und diese beiden großartigen Frauen der Wissenschaft jetzt sichtbar verbunden sind. Zusätzlich haben wir kürzlich mit der Hebräischen Universität Jerusalem ein Memorandum of Understanding unterzeichnet“, so Prof. Dr. Barbara Albert.

Wer sind die beiden Wissenschaftlerinnen?

Prof. Dr. Selma Meyer (1881–1958) wurde in Essen geboren. Sie studierte ab 1910 Medizin in Berlin, promovierte 1916 und erhielt 1917 die Approbation. 1922 habilitierte sie sich als erste Frau im Fach Kinderheilkunde und als zweite Frau überhaupt an einer deutschen medizinischen Fakultät. 1927 wurde sie zur ersten außerplanmäßigen Professorin für Kinderheilkunde in Deutschland ernannt. Ihre Forschungsschwerpunkte lagen auf Infektionskrankheiten, Hämatologie und Sozialpädiatrie. 1933 wurde ihr als Jüdin von den Nationalsozialisten die Lehrbefugnis entzogen, 1938 verlor sie ihre Approbation. Sie wurde ausgebürgert und enteignet. 1939 emigrierte sie nach England und 1940 in die USA, wo sie bis zu ihrem Tod 1958 als Kinderärztin in New York praktizierte.

Prof. Dr. Alice Shalvi (1926–2023) wurde ebenfalls in Essen geboren. Ihre Familie emigrierte 1934 nach England, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen. Shalvi studierte Englische Literatur und ging 1949 nach Israel. Dort wurde sie eine bedeutende Wissenschaftlerin, Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie lehrte an der Hebräischen Universität Jerusalem und gründete den Fachbereich Anglistik der heutigen Ben-Gurion-Universität. Sie war Feministin. 1984 gehörte sie zu den Gründerinnen des Israel Women’s Network und war dessen erste Vorsitzende. Für ihr Lebenswerk erhielt sie 2007 den Israel-Preis, die höchste staatliche Auszeichnung Israels.

Im Bild: Rektorin Prof. Barbara Albert (l.) und Oberbürgermeister Thomas Kufen (6.v.r.) mit extra angereisten Nachkommen von Prof. Alice Shalvi am Essener Thurmfeld.

Weitere Informationen:

Informationen der Stadt Essen


https://www.uni-due.de/2026-10-19-zwei-neue-strassen-am-essener-thurmfeld-benannt

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