More Than Now – Eindrücke von der EASST 2026
Mitarbeiter:innen des Instituts für Gesellschaft, Wissen und Politik der Universität Klagenfurt stellten im September 2026 auf der EASST-Konferenz in Krakau ihre Forschung zu KI in der Verwaltung, Statistik, Gesundheitstests und Artenschutz vor. Sie beteiligten sich an der Organisation von drei Panels und präsentierten ihre Arbeiten in acht Vorträgen sowie einem Round Table. Die Beiträge behandelten unter anderem den Einfluss von Dateninfrastrukturen auf die öffentliche Verwaltung, die Herstellung statistischer Vergleichbarkeit, Covid-19-Testungen an Schulen und Beziehungen zwischen Zootieren, Biobanken und Artenschutz.
Mitarbeiter:innen des Instituts für Gesellschaft, Wissen und Politik der Universität Klagenfurt präsentierten im September 2026 auf der EASST-Konferenz in Krakau ihre Forschung zu Themen wie KI in der Verwaltung, Statistik, Gesundheitstests und Artenschutz. Sie waren an der Organisation von drei Panels beteiligt und hielten acht Vorträge sowie einen Round Table.
Von medizinischen Testinfrastrukturen zu algorithmischen Entscheidungssystemen, von Militärtechnologien zu zoologischen Biobanken für den Artenschutz – auf der zweijährlich stattfindenden Konferenz der European Association for the Study of Science and Technology (EASST) haben Mitarbeiter:innen des Instituts für Gesellschaft, Wissen und Politik ihre vielseitige Forschung im September 2026 in Krakau vorgestellt.
Von Coding the State zu Statistical Harmonization
Julia Malik nahm am Panel „Coding the State: Sociotechnical Imaginaries of AI in Public Administration” teil. Dieses ging der Frage nach, wie KI und digitalen Infrastrukturen eingeschriebene Vorstellungen von Effizienz, Neutralität und Kontrolle bürokratische Autorität, Verantwortung, und institutionelle und moralische Ordnungen von Governance in der öffentlichen Verwaltung neu gestalten. Die Vorträge des Panels beleuchteten das Zusammenspiel zwischen Idealen und Praktiken der Verwaltung mit KI und Dateninfrastrukturen aus unterschiedlichen Perspektiven: die Nutzung von generativer KI durch öffentliche Bedienstete; die Rolle von Beamt:innen als Unterstützer:innen von Automatisierungsprozessen; die Manifestation unterschiedlicher KI-Narrative auf EU-Ebene; sowie die Zuschreibung verschiedener Rollen an Regierungen im Rahmen von KI-Policies.
In ihrem Vortrag “Coding Welfare: How Data Infrastructures and Data Bureaucrats Reconfigure the Administration of Poverty and Deservingness” zeichnete Julia Malik nach, wie nationale und lokale Beamt:innen unterschiedliche Versionen von zuverlässigem bürokratischem Wissen und gerechter Sozialverwaltung praktizieren und dabei Spannungen zwischen automatisierten Bewertungen und ihrem eigenen Urteil navigieren. Dadurch zeigte sie auf, wie Dateninfrastrukturen bürokratische Arbeit, Rollen und Handlungsräume sowie die Beziehungen zwischen unterschiedlichen staatlichen Institutionen und Verwaltungsebenen transformieren.
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Anja Bauer organisierte zusammen mit Helene Sorgner (Universität Wien) das Panel „Statistical Harmonization and Standardization: Constructing and Contesting Comparability“. Die Vorträge widmeten sich auch hier wirkmächtigen Zahlen und Statistiken – zu Todesursachen, Armut, Wirtschaftskraft, Alter, Schulnoten, LGBTQ+- Einstellungen, Scientific Literacy – und der Frage, wie statistische Objekte etabliert und über verschiedene Kontexte (Länder, Schulen, Ämter, Untersuchungsteams etc.) hinweg harmonisiert oder auch de-harmonisiert werden. Trotz der großen thematischen Bandbreite zeigte sich durchgehend, wie sehr scheinbar stabile Zahlen, von Ambiguitäten, Unsicherheiten, Nichtwissen und Kontingenz durchdrungen sind und wie viel „Arbeit“ in der Herstellung von Vergleichbarkeit steckt. Ein Beispiel dafür lieferten Anja Bauer und Helene Sorgner selbst mit ihrem Vortrag zur gerade neu etablierten Einordnung von Daten als Vermögenswerte in die Berechnung des BIP („Making Digital Data Count: The Politics of Standardization in the 2025 System of National Accounts“). Um Daten als Vermögenswerte zu fassen, sind zahlreiche konzeptuelle und methodische Grenzziehungen nötig, die international angeglichen werden müssen.
Von Health Futures zu Becoming Ancestors
Victoria Meklin im gemeinschaftlich veranstalteten Panel „Toward Biomedical and Health Testing Studies? Reassembling Testing Practices and Health Futures”
Die EASST diente in diesem Jahr auch dem FWF-Projekt Testing (Bio)Governance: A Technology-Centered Comparison of the Biomoralities at Work in SARS-CoV-2 Testing in Austria, the Netherlands, and the United Kingdom, an dem die Universität Klagenfurt beteiligt ist, als Austauschplattform. Das gemeinschaftlich organisierte Panel “Toward Biomedical and Health Testing Studies? Reassembling Testing Practices and Health Futures“ widmete sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage, wie biomedizinische und gesundheitsbezogene Testpraktiken gesellschaftliche Ordnungen, Wissen, Verantwortlichkeiten und mögliche Gesundheitszukünfte mitgestalten. Im Rahmen des Panels stellte Victoria Meklin ihre Arbeit unter dem Titel “Making School Testing a Problem: Problematisation, Preparedness, and Covid-19 Test Regimes in Austria’s Education System” vor. Anhand einer qualitativen Medienanalyse untersuchte sie Covid-19-Testungen an österreichischen Schulen als Objekt der Problematisierung und zeigte, welche Funktionen den Tests zugeschrieben wurden, wie sich die Wahrnehmung der Testungen unterschieden hat und welche neuen Probleme sie hervorbrachten. Dabei arbeitete sie heraus, wie Testungen über die Infektionskontrolle hinaus zu einem Instrument von Governance und Preparedness im schulischen Kontext geworden sind.
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Ausgehend vom Konferenzthema „More Than Now“ befassten sich die Beiträge des Panels „On Becoming Ancestors: Speculative Kinships and Heritable Techno-Futures” mit der Zukunft als ein gemeinsames und fortlaufend entstehendes Erbe. Eines, das in der Gegenwart durch die Verflechtungen mehr-als-menschlicher Beziehungen, Technologien und Vorstellungen Gestalt annimmt. In ihrem Beitrag „Relating Samplified Animals: Notions of Kinship at the EAZA Biobank” betrachtete Charlotte Benedix, welche Arten von Beziehungen entstehen und unter welchen Bedingungen diese bestehen bleiben, wenn aus Zootieren biologische Proben, aus diesen Proben wissenschaftliche Ressourcen und aus gewonnenen Daten Grundlagen für Artenschutzprojekte werden. Die Vorträge des Panels stammten aus unterschiedlichen methodischen und theoretischen Forschungstraditionen, mit Fallbeispielen die von dystopischer Literatur zu Blockchain-Technologien und mehr-als-menschlichen Ruinen reichten. Dennoch hat es das Panel geschafft, Themen herauszuarbeiten, die grundlegender sind: beispielsweise die Narrativität von Verwandtschaft und die Frage nach den Konditionen von Zukünften, die wir erben wollen.
Von ‚More Than Now‘ zu ‚nach der EASST‘
Insgesamt waren Mitarbeiter:innen des Instituts für Gesellschaft, Wissen und Politik an der Organisation von drei Panels beteiligt. Im Rahmen von acht Vorträgen und einem Round Table haben Kai Strycker, Erik Aarden, Julia Malik, Victoria Meklin, Charlotte Benedix und Anja Bauer nicht nur ihre jeweilige Forschung vorstellen, sondern darüber hinaus wertvolle Eindrücke sammeln, Ideen austauschen und neue Kontakte knüpfen können. Einflüsse, die jetzt an die Schreibtische und ins Feld getragen werden.
https://www.aau.at/blog/eindruecke-easst2026