29.9.2026 08:07

Wie die Energienachfrage flexibler wird

Švýcarsko Eawag Barbara Vonarburg
Forscher von Eawag und WSL untersuchen, wie bereit Mieter sind, ihren Energieverbrauch zugunsten einer flexibleren Versorgung zu reduzieren, etwa durch Temperaturabsenkungen oder zeitlich eingeschränkten Betrieb von Geräten, gegen eine finanzielle Entschädigung. Ergebnisse aus über 1700 Befragten zeigen eine generelle Bereitschaft zu Flexibilitätsprogrammen, wobei Temperaturreduktionen am sensibelsten sind und den höchsten Ausgleich erfordern. Zudem beeinflussen Risikobereitschaft und Zukunftsorientierung die Teilnahmebereitschaft; riskantere und zukunftsorientiertere Personen beteiligen sich eher und benötigen geringere finanzielle Anreize.
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Wann sind Mieter bereit, ihren Energiekonsum einzuschränken? Und mit welchen Investitionen möchten Hauseigentümerinnen Energie sparen? Dies untersuchen Forschende von Eawag und WSL anhand von Umfragen. Damit wollen sie den Rückhalt in der Bevölkerung für die Ausgestaltung des zukünftigen Energiesystems eruieren.

Wären Sie bereit, an folgendem Programm Ihres Energieversorgers teilzunehmen: Absenkung der Raumtemperatur um 2 Grad abends zwischen 18 und 22 Uhr? Zudem müssten Sie einmal pro Woche für 3 Stunden auf ihre Waschmaschine, den Geschirrspüler, den Wäschetrockner und das Aufladen von Elektroautos verzichten. Sie würden damit die CO2-Emissionen um 5 Prozent senken und bekämen als finanziellen Ausgleich 100 Franken pro Jahr. Dies war eine von verschiedenen Optionen, die Mieter und Mieterinnen in einer Umfrage auswählen konnten.

«Damit wollen wir herausfinden, inwieweit die Befragten bereit wären, ihren Energiekonsum einschränken zu lassen», erklärt Fabian Dvorak, Wissenschaftler in der Abteilung Umweltsozialwissenschaften der Eawag. Die Umfrage ist Teil der Joint Initiative «Swiss Center of Excellence on Net-Zero Emissions», kurz SCENE, in dessen Rahmen Forschende des ETH-Bereichs zusammenarbeiten im Hinblick auf das Schweizer Emissionsziel Netto-Null bis 2050.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien werden Angebot und Nachfrage im Stromsystem immer stärker schwanken. Flexibilität auf Konsumentenseite könnte Energieversorgern helfen, Lastspitzen zu glätten und Investitionen in teure Speichertechnologien zu reduzieren. «Unser Ziel ist zu eruieren, welche Ausgestaltungen des Energiesystems von den Schweizer Haushalten akzeptiert würden», sagt Ivana Logar, Leiterin der Gruppe Umweltökonomie in der Abteilung Umweltsozialwissenschaften der Eawag.

CO2-Reduktion motiviert zum Mitmachen

Befragt wurden über 1700 Mieter und Mieterinnen in der gesamten Schweiz. «Generell haben wir festgestellt, dass eine Bereitschaft für Programme mit Flexibilitätsmassnahmen vorhanden ist», zieht Dvorak Bilanz. Dabei zeigt sich jedoch, dass Temperaturabsenkungen besonders sensibel sind. Dafür erwarten die Befragten den höchsten finanziellen Ausgleich. Einschränkungen bei elektrischen Geräten werden eher akzeptiert und erfordern geringere Ausgleichszahlungen. Bei Programmen, die eine hohe CO2-Reduktion beinhalten, darf die Kompensation durchaus niedriger ausfallen, denn: «Die Emissionsreduktion an sich motiviert die Leute bereits mitzumachen», sagt Dvorak.

Um herauszufinden, welche individuellen Faktoren bei der Zu-stimmung zu den Programmen eine Rolle spielen, ermittelten die Forschenden mithilfe von standardisierten Fragen aus der Verhaltensökonomie auch Risikobereitschaft und Zukunftsorientierung der Teilnehmenden. Resultat: Risikobereitere und besonders zukunftsgerichtete Personen sind eher bereit, bei den Programmen mitzumachen, und benötigen geringere finanzielle Anreize.

https://www.eawag.ch/de/info/portal/aktuelles/news/wie-die-energienachfrage-flexibler-wird