Rede des Verteidigungsministers beim International Space Summit
Auf dem Weltraumgipfel in Paris betonte Verteidigungsminister Boris Pistorius die sicherheitspolitische Relevanz des Weltraums und rief Verbündete zu gemeinsamer Fähigkeitsentwicklung auf. Europa müsse schneller handeln, Interoperabilität sowie eigenständige Weltraumfähigkeiten ausbauen und seine Sicherheitsarchitektur durch Initiativen wie European Space Component Command und Space Safety and Security Academy stärken. Zugleich hob er Erfolge wie Ariane 6 und den ersten kontinentalen Orbitstart von Spectrum-R hervor und plädierte für offene Standards, starke Partnerschaften und eine friedliche, rechtsbasierte Nutzung des Weltraums.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 10. September 2026 auf dem Weltraumgipfel in Paris über die sicherheitspolitische Herausforderung der Dimension Weltraum gesprochen. Er hat die Verbündeten eingeladen, sich an gemeinsamen Fähigkeitsentwicklungen zu beteiligen.
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Catherine,
lieber Pål,
sehr geehrter Herr Kommissar Kubilius,
werte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
Lassen Sie mich zu Beginn einige kurze Worte an unsere Gastgeber in ihrer schönen Landessprache richten.
Pour moi, revenir en France, c’est toujours un peu comme rentrer chez moi.
J’ai passé une partie de mes études dans ce merveilleux pays, et depuis lors, mes voyages, tant personnels que professionnels, m’ont toujours ramené en France.
Bref: La France est devenue mon deuxième chez-moi.
C’est donc un grand plaisir et un grand honneur pour moi de pouvoir m’adresser à vous aujourd’hui lors de ce sommet à Paris.
[Deutsche Übersetzung: Für mich heißt nach Frankreich kommen auch immer: nach Hause kommen.
Ich habe einen Teil meines Studiums in diesem wunderschönen Land verbracht und bin seither immer wieder nach Frankreich gereist, beruflich wie privat.
Kurzum: Frankreich ist für mich ein zweites Zuhause geworden.
Es ist mir daher eine große Freude und Ehre, heute bei diesem Gipfel hier in Paris das Wort an Sie richten zu dürfen.]
Im Laufe ihrer langen und eng verflochtenen Geschichte haben Frankreich und Deutschland gelernt, dass ein starkes Europa nicht durch Alleingänge entsteht. Es entsteht durch Begegnung und Zusammenschluss.
Wir sind gleichermaßen verantwortlich, gemeinsame Antworten zu finden. Der heutige Gipfel liefert eine solche Antwort. Und der Weltraum ist eine solche Herausforderung.
Jahrzehntelang erschien uns der Weltraum als ein Raum für Erkundung, wissenschaftlichen Fortschritt und wirtschaftliche Chancen.
Eines hat sich jedoch grundlegend verändert:
Der Weltraum ist zu einem zentralen Bestandteil internationaler, globaler Sicherheit geworden.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führt uns schmerzhaft vor Augen, welch neue, dramatische und entscheidende Auswirkungen der Weltraum und der Cyberraum auf konventionelle Militäreinsätze haben können.
Im Weltraum geht es längst nicht mehr friedlich zu.
Wir müssen unsere Interessen verteidigen und uns als Europäerinnen und Europäer treu bleiben.
Ich meine damit Folgendes:
Europa steht für eine friedliche und verantwortungsbewusste Nutzung des Weltraums. Wir stehen für Völkerrecht, Transparenz und klare Regeln.
Wie Sie vielleicht wissen, liegen Regeln uns Deutschen ganz besonders am Herzen. Regeln können jedoch gebrochen werden. Und alleine reichen sie nicht aus, um Freiheit und Frieden zu bewahren. Dazu braucht es Fähigkeiten.
Mit dem European Defence Industry Programme hat Europa in den letzten Jahren große Fortschritte in der Entwicklung eigener europäischer Weltraumfähigkeiten gemacht.
Mithilfe von IRIS2 stärkt Europa seine Fähigkeit, sichere und resiliente Konnektivität zu bieten.
Dies sind bedeutsame Schritte. Wir müssen jedoch schneller werden.
Unser Ziel ist klar: Europa muss auf allen Ebenen handlungsfähig sein, wenn seine Sicherheit auf dem Spiel steht.
Meine Damen und Herren,
vor kurzem hat Deutschland seine erste Weltraumsicherheitsstrategie verabschiedet.
Jetzt geht es an die praktische Umsetzung dieser Strategie, um unsere militärische Weltraumarchitektur zu härten.
Wir möchten, dass ganz Europa von unseren Bemühungen profitiert. Wann immer möglich, möchten und müssen wir unsere Fähigkeiten gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern weiterentwickeln.
In diesem Zusammenhang denken wir natürlich zuerst an Frankreich als starke Weltraumnation.
Gemeinsam haben wir bereits eine solide Startplattform für weitere Projekte geschaffen.
Ariane 6 ist das vielleicht sichtbarste Beispiel dafür, was europäische Zusammenarbeit – und insbesondere deutsch-französische Zusammenarbeit – erreichen kann.
Aber unsere Zusammenarbeit geht weiter. Frankreich und Deutschland arbeiten daran, die Interoperabilität zwischen IRIS2 und künftigen Satellitenkonstellationen herzustellen.
Auch im Bereich weltraumgestützte Aufklärung der nächsten Generation wollen wir unsere Zusammenarbeit ausbauen.
Deutschland kann in verschiedenen Bereichen zu dieser gemeinsamen Anstrengung beitragen:
Wir streben die Einrichtung eines European Space Component Command an. Das deutsche Weltraumkommando steht bereit, dieses unter seinem Dach aufzunehmen.
Weiterhin ist die Einrichtung einer Weltraumakademie (Space Safety and Security Academy) in Deutschland geplant.
Die Akademie wird auch für Partner aus der Europäischen Union und darüber hinaus offen sein.
Darüber hinaus wollen wir Standards und Schnittstellen schaffen, um die Interoperabilität verschiedener nationaler Systeme zu gewährleisten.
Und schlussendlich wollen wir unsere Beschaffungen, wo immer möglich, für Regierungspartnerschaften öffnen.
Diese Initiativen können Europa stärken.
Denn genau darum geht es ja bei Zusammenarbeit in Europa: Fähigkeiten zu bündeln und gemeinsam zu nutzen, einheitliche Standards zu setzen und die Teilnahme auch kleinerer Partner zu ermöglichen.
Sehr verehrte Damen und Herren,
in Europa gibt es hervorragende Raumfahrtunternehmen, innovative Start-ups, Forschungseinrichtungen sowie Ingenieurinnen und Ingenieure von Weltrang.
Erst vor wenigen Tagen konnten wir uns davon überzeugen, was sie zu leisten imstande sind.
Am Samstag ist die vom deutschen Unternehmen Isar Aerospace entwickelte Spectrum-Rakete im norwegischen Andøya gestartet und hat den Orbit erreicht. Es war der erste erfolgreiche Start in den Orbit von Kontinentaleuropa aus.
Welch ein Meilenstein, meine Damen und Herren!
Und wir brauchen mehr solche Projekte, insbesondere zur Entwicklung eigener Kapazitäten zum Start besonders schwerer Nutzlasten, um Europas Autonomie sicherzustellen.
Wir brauchen echten Wettbewerb, kürzere Innovationszyklen und offene Architekturen, die eine schnelle Integration neuer Technologien erlauben.
Meine Damen und Herren,
bei unserem Handeln im Weltraum geht es nicht nur darum, Satelliten zu schützen. Wir wollen unsere Gesellschaften, unsere Sicherheit und unsere Handlungsfähigkeit bewahren.
Ich bedanke mich bei meiner geschätzten französischen Amtskollegin Catherine, dass sie uns heute zusammengebracht hat.
Deutschland ist bereit, seinen Teil beizutragen.
Vielen Dank.