Siedlungsarbeit schafft gute Nachbarschaft
LR Tittler: Kompetenzstelle Siedlungsarbeit unterstützt Gemeinden, Wohnbauträger und BewohnerInnen beim Zusammenleben.
Bregenz (VLK) – Leistbarer Wohnraum auf hohem Standard ist ein wichtiges Anliegen der Vorarlberger Landesregierung. Angesichts der begrenzten Bodenressourcen und des steigenden Wohnraumbedarfs gewinnt der verdichtete Wohnbau weiter an Bedeutung. Gleichzeitig treffen in Wohnanlagen Menschen mit unterschiedlichen Lebensphasen, Lebenssituationen und Bedürfnissen aufeinander. „Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, braucht es gute Rahmenbedingungen für das Miteinander. Siedlungsarbeit leistet hier einen wichtigen Beitrag, damit aus dem Nebeneinander ein gutes Zusammenleben wird“, erklärt Landesrat Marco Tittler.
Der Wohnungsbestand in Vorarlberg ist in den vergangenen 70 Jahren um 292 Prozent gestiegen, österreichweit waren es im Vergleich 130 Prozent. Gleichzeitig werden die verfügbaren Freiflächen weniger. Verdichteter Wohnbau ist damit ein Erfordernis der Zeit. „Die Herausforderung besteht darin, Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig eine hohe Wohn- und Lebensqualität sicherzustellen. Das gelingt nicht allein durch die bauliche Qualität. Auch das soziale Miteinander in einer Wohnanlage ist entscheidend“, sagt Tittler.
Unterschiedliche Bedürfnisse zusammenbringen
In Siedlungen leben Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen: Alleinerziehende, PensionistInnen, Jugendliche, Menschen im Schichtbetrieb, Familien mit Kleinkindern oder alleine lebende Personen. Die unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse stellen BewohnerInnen ebenso wie Hausverwaltungen und Wohnbauträger immer wieder vor Herausforderungen. Durch den zunehmenden Rückzug ins Private und eine stärkere Anonymisierung in den Nachbarschaften werden Konflikte und unterschiedliche Sichtweisen zudem vielfach nicht mehr direkt zwischen den Betroffenen angesprochen. Stattdessen landen sie bei den Hausverwaltungen. Länger andauernde Konflikte können dadurch die Lebensqualität in einer gesamten Wohnanlage beeinträchtigen. „Wenn Menschen vermehrt miteinander in Kontakt kommen, lernen sie sich besser kennen, was die gegenseitige Toleranz fördert. So können Vorurteile abgebaut und Integration gelebt werden“, erklärt Heidi Lorenzi, Leiterin von ifs Wohnen.
Kompetenzstelle als Anlaufstelle
Um Gemeinden, gemeinnützige Bauträger sowie BewohnerInnen bei diesen Herausforderungen zu unterstützen, wurde beim Institut für Sozialdienste (ifs) die Kompetenzstelle Siedlungsarbeit eingerichtet. Sie bietet für integrative Wohnanlagen, finanziert über die Wohnbauförderung, projektorientierte Unterstützung an.
Die Arbeit setzt dabei sowohl präventiv als auch bei konkreten Problemstellungen an. Bei neuen Wohnanlagen kann die Kompetenzstelle bereits im Zuge des Einzugs begleiten und aktivierende Maßnahmen setzen. In bestehenden Wohnanlagen unterstützt sie bei Konflikten und anderen Herausforderungen des Zusammenlebens.
Siedlungsarbeit kommt allen zugute
Die Finanzierung der Kompetenzstelle erfolgt über die Wohnbauförderung. Bei konkreten Siedlungsprojekten beteiligen sich die gemeinnützigen Bauvereinigungen mit einem Drittel der Kosten. Für die Gemeinden entsteht dadurch keine direkte Belastung des Gemeindebudgets. „Siedlungsarbeit macht Sinn, weil sie dort ansetzt, wo Menschen ihren Alltag verbringen: in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld. Wenn es gelingt, gute Begegnungen und Beteiligung zu ermöglichen, profitieren davon die BewohnerInnen ebenso wie Gemeinden und Wohnbauträger“, so Tittler.
https://presse.vorarlberg.at/land/public/Siedlungsarbeit-schafft-gute-Nachbarschaft