Kanalsanierung ohne Bagger – aber mit Schnee
Bad Salzschlirf/Wartenberg – Mitten im Hochsommer sorgt eine Kanalbaustelle zwischen Bad Salzschlirf und Wartenberg-Landenhausen für einen ungewöhnlichen Anblick: Neben schwerem Baugerät kommt auch ein ganzer Lastwagen voller Eis und Schnee zum Einsatz. Sie kühlen einen Kunststoffschlauch, der bei der Sanierung eines Abwasserkanals in die bestehende Leitung eingezogen wird. So bleibt das Material auch bei hohen Außentemperaturen flexibel und härtet erst an seinem Bestimmungsort aus.
Die RhönEnergie Gruppe setzt bei der Sanierung eines 1,7 Kilometer langen Abwasserkanals auf das sogenannte Schlauchliner-Verfahren. Dabei wird ein neues Rohr innerhalb der bestehenden Leitung eingezogen. Auf aufwendige Grabungsarbeiten kann dadurch weitgehend verzichtet werden. Das spart Zeit und Kosten und schont zugleich Umwelt und Anwohner.
Besonders wichtig ist das schonende Verfahren an dieser Stelle: Der größte Teil des Kanals verläuft durch ein Wasserschutzgebiet. Dort gelten besonders hohe Anforderungen an die Dichtheit der Abwasserleitungen, um das Grundwasser dauerhaft zu schützen.
Die Gemeinden Bad Salzschlirf und Wartenberg, die das Klärwerk an ihrer Gemeindegrenze gemeinsam betreiben, entschieden sich deshalb zusammen mit der RhönEnergie Gruppe für das Verfahren. Die RhönEnergie hat auch die technische Betriebsführung der Kläranlage inne.
„Das Schlauchliner-Verfahren vereint gleich mehrere entscheidende Vorteile“, sagt Roland Hilfenhaus, Prokurist der RhönEnergie Effizienz + Service GmbH. „Da keine großflächigen Aufgrabungen erforderlich sind, bleiben Straßen, Wege und Grundstücke weitgehend unberührt. Das verkürzt die Bauzeit, senkt die Kosten und reduziert Lärm sowie Verkehrsbehinderungen erheblich.“
Nach dem Aushärten entsteht im bestehenden Kanal ein neues, äußerst widerstandsfähiges Rohr. Es ist dauerhaft dicht, widersteht Chemikalien, Wurzeleinwuchs und Abrieb und gleicht Risse, undichte Stellen sowie kleinere Rohrversätze zuverlässig aus. Trotz der zusätzlichen Innenauskleidung bleibt der Innendurchmesser des Kanals nahezu vollständig erhalten. Die Lebensdauer des neuen Rohres beträgt bis zu 50 Jahre. Die Sanierung kostet insgesamt rund 290.000 Euro.
Vor Ort informierten sich die Bürgermeister Peter Klug (Bad Salzschlirf) und Dr. Olaf Dahlmann (Wartenberg) über den Fortgang der Arbeiten. Peter Klug sagte: „Für unsere beiden Gemeinden ist das eine Investition in den langfristigen Schutz unseres Trinkwassers. Gleichzeitig zeigen wir, dass sich moderne Technik und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Geldern sehr gut miteinander verbinden lassen.“Dr. Olaf Dahlmann ergänzte: „Unsere Bürgerinnen und Bürger profitieren gleich doppelt: Die Arbeiten können deutlich schneller abgeschlossen werden als bei einer klassischen Kanalsanierung, und die Belastungen durch Baustelle, Lärm und Verkehr bleiben auf ein Minimum beschränkt. Das ist eine nachhaltige Lösung für Mensch und Umwelt.“