„Im Ernstfall kann unser System schnell an seine Grenzen kommen“
V tiskové zprávě se diskutuje o připravenosti bavorských nemocnic na extrémní Krisenlagen, jako jsou klimatické katastrofy, kyberútoky či válečné konflikty. Prof. Dr. Grützmanna zdůrazňuje nutnost posílení rezilience, zejména kvalitních komunikačních struktur a mezioborové spolupráce v rámci integrování záchranné služby, katastrofálního a nemocničního systému, přičemž některé zahraniční nemocnice již mají autarkní kapacity až na 14 dní. Do popředí vychází poučení z pandemie ohledně řízení intenzivní péče a dodavatelských řetězců, ale klade se důraz na včasnou informovanost, evakuaci personálu a minimalizaci paniky mezi veřejností. Závěrem autor akcentuje důležitost principu zdravého rozumu a připomíná, že infrastruktura musí v Ernstfall stát, přičemž veřejnost by měla zodpovědně plánovat domácí zásoby a poskytovat lékařům kompletní informace o pacientech.
Wie sich Kliniken heute auf außergewöhnliche Krisenlagen vorbereiten müssen.
Klimakatastrophen, Cyberangriffe oder ein militärischer Konflikt: Krankenhäuser müssen heute auf Krisenszenarien vorbereitet sein, die vor wenigen Jahren noch als Ausnahme galten. Bei der Jahrestagung der Vereinigung der Bayerischen Chirurgie (VBC) widmet sich eine eigene Sitzung der Krisenfestigkeit von Krankenhäusern. Wir haben mit Prof. Dr. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Vorsitzender der VBC, darüber gesprochen, wie gut Bayern auf außergewöhnliche Krisenlagen vorbereitet ist.
Unsere medizinische Versorgung gilt als leistungsfähig – auch in vielen ländlichen Regionen. Doch Naturkatastrophen, großflächige Stromausfälle oder auch ein Verteidigungsfall können das Gesundheitssystem vor extreme Herausforderungen stellen. Wie gut sind unsere Kliniken auf solche Ausnahmesituationen vorbereitet?
Das ist eine Frage, die uns schon seit einer ganzen Weile bewegt – und ich glaube, wir sind damit bislang ein wenig zu leichtfertig umgegangen. Denn nach Covid war der Eindruck entstanden: Nun gut, es war hart, aber die medizinische Versorgung hat letztlich funktioniert. Aber wir müssen solche Szenarien viel weiter denken. Es geht bei Resilienz ja nicht in erster Linie darum, dass plötzlich über Erlangen Bomben fallen. Bei einem Verteidigungsfall stellt sich zum Beispiel auch die Frage: Können wir die Versorgung aufrechterhalten, wenn wir etwa im Rahmen der NATO Verbündeten helfen, ihre Verletzten zu versorgen? Je nach Szenario könnten täglich bis zu 1.000 Verletzte behandelt werden müssen – und das über mehrere Tage. Und da kann ein System ganz schnell an seine Grenzen kommen. Aber auch wenn es um Resilienz gegenüber Hitze, Kälte oder Stromausfällen geht, sind wir noch nicht am Ziel. Wir bereiten uns auf etwas vor, das wir hoffentlich nie erleben werden. Aber im Ernstfall muss die Infrastruktur stehen.
Resilienz ist aktuell ein populäres Schlagwort in vielen Bereichen. Was bedeutet Resilienz konkret für ein Krankenhaus? Wo sehen Sie die größten Baustellen – und was muss sich in den kommenden Jahren ändern?
Extrem wichtig sind leistungsfähige Kommunikationsstrukturen, damit Behörden und Institutionen sich schnell abstimmen können. Wer muss mit wem kommunizieren? Wer trägt wofür die Verantwortung? Bundeswehrkrankenhäuser – etwa das in Koblenz – haben da im Moment die größte Erfahrung. Die sind im Notfall bis zu 14 Tage vollkommen autark. Davon sind zivile Krankenhäuser derzeit noch deutlich entfernt.
Aus der Corona-Pandemie haben wir natürlich auch Lehren ziehen können: wie wir Intensivplätze verteilen, welche Probleme wir in den Versorgungsketten bei Medikamenten, Masken oder Verbandsmaterial gesehen haben. Aber die Kommunikation ist mit am wichtigsten: Wie werden die Einsatzpläne gemacht? Wie Leute erreicht? Wie wird das medizinische Personal einberufen?
Essenziell ist dabei auch die sektorenübergreifende Zusammenarbeit – zwischen Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Krankenhäusern. Aber ich bin ein Kulturoptimist: Ja, in Krisenszenarien dominiert anfangs natürlich erst einmal die Unsicherheit. Aber es hat sich immer wieder gezeigt, wie Menschen in Notlagen plötzlich unglaublich kreativ werden, wie sich etwa im Krieg in der Ukraine gezeigt hat. In solchen Krisen kommt oft erst die Stärke von Menschen zum Vorschein. Ich habe große Hoffnung, dass unsere Gesellschaft gut reagieren könnte. Auch wenn wir diese Fähigkeit hoffentlich nie in so einer Situation brauchen.
Nicht nur die Infrastruktur der Krankenhäuser, auch das umsichtige Verhalten der Bevölkerung ist in Krisensituationen wichtig. Was können Patientinnen und Patienten schon heute tun, um im Ernstfall möglichst gut versorgt werden zu können?
In meinen Augen ist es wichtig, so gut wie möglich Panik zu vermeiden. Es gibt Empfehlungen, welche Nahrungsmittel, wie viel Wasser und welche Medikamente alle zu Hause haben sollten. Diese Empfehlungen sind gut durchdacht und sinnvoll. Natürlich sollte jeder Mensch auch die individuellen Medikamente zu Hause haben, die er benötigt. Die müssen aber regelmäßig verbraucht und ersetzt werden, damit sie nicht verfallen.
Wer im Ernstfall ein Krankenhaus oder ärztliche Hilfe aufsucht, sollte alle Informationen verfügbar haben, die Ärztinnen und Ärzte benötigen – vom aktuellen Medikamentenplan über Allergien bis zur Krankengeschichte. Das sorgt dafür, dass mehr Menschen schneller versorgt werden können. Das meiste davon sagt einem eigentlich der gesunde Menschenverstand. Auf den sollten wir hören.
Robert Grützmann
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