SpaceX landet in (fast) jedem Depot
Elon Musks Raumfahrt-Unternehmen SpaceX geht an die Börse und wird dort gleich zu einem der größten Unternehmen der Welt. Die Aktie dürfte auch in Ihrem ETF landen.
Der Börsengang von SpaceX versetzt die gesamte Finanzbranche in Aufruhr – noch nie hat es eine so große Neuemission gegeben. Der Mega-IPO (Initial Public Offering, deutsch Börsengang) ruft auch die Indexanbieter auf den Plan: Sie wollen die Aktie so schnell wie möglich aufnehmen und ändern dafür die Eintrittsregeln für Neuankömmlinge. Das hat Folgen für Anlegende, die ETF in ihrem Depot haben.
Wir zeigen, wie MSCI, FTSE, Nasdaq und andere Indexanbieter reagieren und welche Rolle die SpaceX-Aktie in breit gestreuten ETF einnehmen wird.
Was SpaceX für die Märkte bedeutet
Das Börsenlisting von 5 Prozent der SpaceX-Aktien soll 75 Milliarden Dollar bringen (rund 65 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Beim bisher größten Börsengang nahm die saudi-arabische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 rund 29 Milliarden Dollar ein. Mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie peilt SpaceX einen Gesamtwert aller Aktien von gewaltigen 1,8 Billionen Dollar an (rund 1,6 Billionen Euro).
Damit wird das Unternehmen aus dem Stand zu einem der wertvollsten der Welt. Es reiht sich hinter Mega-Caps wie Apple, Nvidia oder Taiwan Semiconductor ein. Da zu Beginn aber nur 5 Prozent des Aktienwertes an die Börse gebracht werden, wäre der sogenannte Streubesitz relativ klein.
Auch kritische Stimmen melden sich: Kritiker bemängeln, dass die Indexanbieter ihre Indexregeln anpassen, damit sie SpaceX schnell aufnehmen können, und damit vor der Macht Elon Musks einknicken. Auch werden eingeschränkte Anlegerrechte und die Aktienstruktur kritisiert.
Raketen, Satelliten, ein Chatbot und X
SpaceX (genauer: Space Exploration Technologies Corporation) ist ein Unternehmenskonglomerat des Tesla-Gründers Elon Musk. Es umfasst
- den Bereich „Space“, welcher die Raumfahrtaktivitäten bündelt
- das Segment „Connectivity” mit dem Satellitenfunk-Anbieter Starlink
- das Segment „AI” für künstliche Intelligenz, zu welchem xAI, der Chatbot Grok und auch X (vormals Twitter) gehören.
Nur Starlink macht Gewinn
Trotz einer Bewertung, die an die teuersten Unternehmen der Welt heranreicht, schreibt SpaceX Verluste. Per März 2026 betrug der Nettoverlust mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Ein Grund für das Minus sind die hohen Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship. Musk spricht von Flügen zum Mars, einer Stadt auf dem Mond und KI-Rechenzentren im All. Nur das Segment „Connectivity” mit Starlink ist aktuell profitabel, die anderen beiden schreiben rote Zahlen. Deshalb wird SpaceX voraussichtlich erst einmal in die Kommunikationsbranche eingeordnet – da kommt der größte Bereich des Gewinns her.
Tipp: Unser Beitrag Starlink im Schnelltest zeigt, wie gut Internet via Satellit funktioniert.
Wie eine Aktie in einen Index gelangt
Für jeden Index gibt es ein Regelwerk, welches festhält, wie der Index berechnet wird, wie er sich zusammensetzt und wie er Anpassungen vornimmt. Um zu bestimmen, ob sie eine Aktie aufnehmen, ziehen die Indexanbieter folgende Punkte in Betracht:
- Die meisten Indizes nehmen nur Aktien ab einer bestimmten Größe auf, meist gemessen an der Marktkapitalisierung, dem Wert des Unternehmens an der Börse.
- Meist muss zusätzlich der Streubesitz ausreichend groß sein, also der Anteil der Aktien, der nicht dauerhaft von strategischen Investoren gehalten wird.
- Die Aktien müssen schon ein paar Wochen oder gar Monate an einer Börse gehandelt werden. Das dient auch dazu zu schauen, ob sie Mindestanforderungen ans Handelsvolumen erfüllen.
- Manche Indizes setzen vierteljährliche Unternehmensberichte für eine Aufnahme voraus.
- Es kann auch Vorgaben bezüglich der Ertragskraft geben, die Gewinne für eine Aufnahme zur Voraussetzung machen.
Unternehmen gehen später an die Börse
Bisher kamen Unternehmen meist in früheren Entwicklungsstadien und somit mit kleinerem Marktwert an die Börse. Doch 2026 stehen gleich mehrere Mega-Börsengänge an: Auch die KI-Firmen OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) sowie der Finanzdienstleister Revolut werden erwartet.
Solche Mega-IPOs haben viele Indexanbieter in ihrem Regelwerk nicht explizit vorgesehen. Bei den meisten müssten die potenziellen neuen Börsenstars bis zum nächsten Termin warten, an dem neue Aufnahmen vorgesehen sind und zu dem Zeitpunkt alle üblichen Bedingungen für eine Aufnahme erfüllen. Doch nun überbieten sich die Indexanbieter mit Regeländerungen, die eine möglichst rasche Aufnahme von SpaceX und den anderen prominenten Newcomern ermöglichen sollen.
Neue Regeln für SpaceX und Co
Wir haben uns angeschaut, wie die in Deutschland bekanntesten Indexanbieter ihre Statuten für SpaceX und mögliche weitere große Börsengänge anpassen – oder auch nicht. Die Indexanbieter beratschlagen sich dafür mit anderen Experten. Das ist üblich im Vorfeld bedeutender Änderungen. Beispielsweise befragen sie andere Marktteilnehmer, wie zum Beispiel die ETF-Anbieter, die ja die Indizes für ihre Produkte nutzen.
FTSE weicht Regel zu Streubesitz auf
Der in Deutschland relevante FTSE All-World-Index hatte bereits Regeln für eine rasche Berücksichtigung großer Börsengänge. Sie betrachten, wie hoch der Streubesitz ist und wie hoch der Anteil der Stimmrechte der Aktien im Streubesitz ist. Die Regeln wurden nun angepasst.
Für Mega-IPOs gilt jetzt, dass zu erwarten sein muss, dass zwölf Monate nach Indexaufnahme der Anteil der Stimmrechte im Streubesitz 5 Prozent überschreiten wird. Bei SpaceX zum Beispiel geht der Markt davon aus, dass aktuelle Firmenteilhaber einen Teil ihrer Aktien kurz nach Börsengang verkaufen werden. Damit wird der Anteil der Stimmrechte im Streubesitz nach dem Börsengang wohl kontinuierlich steigen. Dass die neue Regel auf „Erwartungen” setzt, ist ziemlich schwammig.
MSCI hat bereits eine „Fast Entry“-Regel
Als einziger der hier aufgeführten Anbieter plant MSCI keine Anpassung seines Regelwerkes – weil es schon seit langem eine sogenannte „Fast Entry”-Regel für große Börsengänge gibt. Demnach können Unternehmen bereits nach zehn Handelstagen in den Index aufgenommen werden, wenn sie gleich zu Beginn zu den größten Aktien des Index zählen würden.
Nasdaq schafft Streubesitz-Quote ab
Die Börse Nasdaq ist bekannt als Marktplatz für Unternehmen der Tech- und Biotech-Branche. Die größten Firmen weltweit wie Apple, Nvidia, Alphabet (Google), Meta (Facebook) und Microsoft werden dort gehandelt. Die Nasdaq listet aber auch Aktien wie Pepsi, Starbucks oder die US-Einzelhandelsriesen Costco und Walmart. Die Börse berechnet den Nasdaq-100-Index, der die größten Unternehmen der Börse umfasst (ohne Finanzwerte).
Im Unterschied zu den meisten anderen Indizes werden die Aktien im Nasdaq-100 anhand ihres Börsenwertes gewichtet, das heißt: Anzahl aller Aktien multipliziert mit dem Börsenkurs. Üblich ist eine Gewichtung abhängig vom Streubesitz: Anzahl der Aktien im Streubesitz mal Börsenkurs.
Bisher wurden nur Aktien in den Nasdaq-100 aufgenommen, die einen Streubesitz von mindestens 10 Prozent aufwiesen. Gewichtet wurden sie dann aber mit 100 Prozent ihres gesamten Börsenwertes. SpaceX plant aber erst einmal, nur 5 Prozent der Aktien auf den Markt zu bringen. Deshalb hat Nasdaq die Mindest-Streubesitz-Quote von 10 Prozent abgeschafft. Nun kommen alle großen Aktien in den Index. Falls ihr Streubesitz unter 33,3 Prozent liegt, werden sie mit dem dreifachen ihres Streubesitzes gewichtet.
Auch die Geschwindigkeit, mit welcher große Aktien aufgenommen werden, wurde für den Nasdaq-100 angepasst. Nun müssen Firmen, die unter den größten 40 des Index wären, nicht mehr drei Monate gelistet sein, sondern es reichen sieben Börsentage, um für eine Aufnahme infrage zu kommen.
Keine Änderung für den S&P 500
Der mit Abstand bedeutendste Index von S&P Dow Jones ist der US-Aktienindex S&P 500. Eine kleine Besonderheit dieses Index war es, nur Firmen aufzunehmen, die unter anderem ihr letztes Berichtsquartal mit Gewinn abgeschlossen hatten.
Vor dem Hintergrund der kommenden Riesenbörsengänge hatte auch S&P Regeländerungen für den S&P 500 vorgeschlagen und wollte die Regel zum Mindeststreubesitz und Gewinn im letzten Quartal für Megacaps abschaffen. Wohl nach Rückmeldung verschiedener Marktteilnehmer hat S&P Dow Jones nun jedoch beschlossen, am S&P 500 nichts zu ändern und die Streubesitzregel nur für andere Indexfamilien anzupassen.
Solactive will Streubesitz von mindestens 1 Milliarde Dollar
Der Indexanbieter Solactive ergänzt sein Regelwerk für große Börsengänge. Diese können nun schon zehn Handelstage nach der Börseneinführung in Solactive Indizes aufgenommen werden. Statt die Bedingungen für ausreichenden Streubesitz an eine Quote zu koppeln (Beispiel: mindestens 10 Prozent Streubesitz), müssen die im Streubesitz befindlichen Aktien einen Wert von mindestens einer Milliarde Dollar aufweisen.
Tipp: ETF auf die verschiedenen Indizes von FTSE, MSCI, Nasdaq, S&P Dow Jones sowie Solactive finden Sie in unserem Fondsfinder.
Anteil von SpaceX in Indizes gering
Im Vorfeld des Börsenganges von SpaceX gab es einige kritische Stimmen, die die Indexänderungen als Gefahr für Anleger sahen. Betrachtet man das zu erwartende Gewicht von SpaceX in den verschiedenen Indizes, scheinen die Warnungen übertrieben.
Unter den bekannten Indizes wird SpaceX im Nasdaq-100 das höchste Gewicht einnehmen. Der Nasdaq-100 ist einer der konzentriertesten Indizes (nur Aktien einer Börse). Neuankömmlinge machen sich dort am meisten bemerkbar. Er ist zudem der einzige der hier besprochenen Indizes und Indexfamilien, der bei Aktien mit geringen Streubesitz einen Faktor von drei für den Streubesitz vorsieht. Es wird erwartet, dass das Gewicht von SpaceX im Nasdaq-100 anfangs trotzdem nur ungefähr 0,5 bis 0,7 Prozent ausmachen wird.
Im FTSE All-World, dem MSCI World und MSCI ACWI IMI wird der Anteil voraussichtlich unter 0,2 Prozent liegen. In den S&P 500 kommt die Aktie erst einmal nicht rein. Der Einfluss von SpaceX auf die bekannten Indizes wird also zu Beginn sehr klein sein.
Anbieter müssen Milliarden bewegen
Spannend wird, wie sich die Umstellung der ETF auf den Aktienkurs von SpaceX auswirken wird. Weil weltweit so ziemlich alle Indizes, die US-Aktien umfassen, in den Tagen und Wochen nach dem Börsengang die Aktie aufnehmen werden, müssen auch die ETF entsprechend umschichten: Sie müssen SpaceX kaufen und gleichzeitig das Gewicht der anderen Aktien im Index reduzieren.
Auch wenn die Anpassungen sich nur im Nachkommabereich der Aktiengewichte abspielen, müssen am Ende viele Milliarden bewegt werden – zumal nach SpaceX ja noch weitere riesige Börsengänge erwartet werden. Untersuchungen zeigen zudem, dass neue Indexmitglieder tendenziell zu teuer in die Indexfonds gekauft werden. Das kann teils am Nachfrageschub durch die Indexprodukte selbst liegen, teils aber auch an Marktteilnehmern, die solche Käufe vorhersehen und schon früher kaufen.
Aktive Fonds haben nicht den Druck, früh bei SpaceX einzusteigen, aber Manager, die mit schnellen Kursanstiegen rechnen, werden sicher versuchen, von Anfang an dabei zu sein.
SpaceX lieber nicht im ETF?
Fondsanleger haben keinen Einfluss darauf, ob der Index ihres ETF oder der Fondsmanager ihres aktiv verwalteten Fonds SpaceX aufnimmt oder nicht. Einige würden gerne auf SpaceX im Portfolio verzichten. Zum einen reiben sich manche Anleger an der Persönlichkeit von Elon Musk – nicht zuletzt wegen seines Ausflugs in die US-Politik.
Bei SpaceX kommt noch mehr hinzu: Es wird zwei Aktienklassen geben. Elon Musk selbst wird zwar nur einen Bruchteil aller Aktien halten, aber da seine Aktien mit mehr Stimmrechten verbunden sind als die anderen, wird er dem Börsenprospekt zufolge trotzdem mehr als 80 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Das hat Folgen: Beispielsweise ist er ohne sein Einverständnis bei SpaceX unkündbar. Und er kann ohne Zustimmung anderer neue Aktien kreieren und die aktuelle Aktionärsbasis verwässern. Aktionäre dürfen nicht auf dem üblichen Gerichtsweg gegen SpaceX klagen, sondern müssen sich an Schiedsgerichte wenden – was als Nachteil für die Anteilseigner gesehen wird.
Möglicher Ausweg nachhaltige Fonds und ETF
Wem das nicht passt, der wird eventuell bei Aktienindizes mit ESG-Auswahlmechanismen fündig. ESG steht für „Environmental, Social und Governance”, also “Umwelt, Soziales und Unternehmensführung”. Die Indexanbieter verfolgen auch hier unterschiedliche Regeln. Die einen könnten es als positiv ansehen, dass Musk mit Starlink auch bisher schlecht versorgten Weltregionen Zugang zum Internet verschafft. Je nach Auslegung kann SpaceX beim “G” in ESG allerdings durchaus schlecht dastehen und vom Indexanbieter ausgeschlossen werden. Denn durch die uneingeschränkte Macht von Musk über sein Unternehmen fehlen wichtige Kontroll- und Korrekturinstanzen im und fürs Management von SpaceX.
Tipp: Mehr über die Auswahlmechanismen nachhaltiger Fonds erfahren Sie im Beitrag Grün anlegen in zwei Varianten.
Fazit: Wenn die Rakete zündet, landet sie in fast jedem Index
Das Debüt von SpaceX in den bekannten Indizes wird erst einmal klein ausfallen. Die Preisdynamik um die Aktie in den Wochen und Monaten nach der Börsenpremiere kann aber spannend werden. Erst wenn der Kurs von SpaceX sich vervielfachen sollte, wird der Einfluss in den Indizes wirklich spürbar. In dem Fall ist es gleich, ob die Indexanbieter ihre Regeln nun für Elon Musks neues Unternehmen angepasst haben oder nicht, denn wenn die Aktie läuft, würde SpaceX über kurz oder lang auch ohne Regeländerung in den meisten Indizes landen.
Tipp: Wollen Sie tiefer in die Indexwelten eintauchen? Details zur Wertentwicklung, Branchen- und Länderzusammensetzung sowie Kennzahlen des MSCI World Index finden Sie auf unserer Seite Aktuelle Analysen zum MSCI World.