12.6.2026 03:07

SpaceX landet in (fast) jedem Depot

Německo Stiftung Warentest Autor neuveden
AI shrnutí

Elon Musks Raum­fahrt-Unternehmen SpaceX geht an die Börse und wird dort gleich zu einem der größten Unternehmen der Welt. Die Aktie dürfte auch in Ihrem ETF landen.

Der Börsengang von SpaceX versetzt die gesamte Finanz­branche in Aufruhr – noch nie hat es eine so große Neuemission gegeben. Der Mega-IPO (Initial Public Offering, deutsch Börsengang) ruft auch die Indexanbieter auf den Plan: Sie wollen die Aktie so schnell wie möglich aufnehmen und ändern dafür die Eintritts­regeln für Neuankömm­linge. Das hat Folgen für Anlegende, die ETF in ihrem Depot haben.

Wir zeigen, wie MSCI, FTSE, Nasdaq und andere Indexanbieter reagieren und welche Rolle die SpaceX-Aktie in breit gestreuten ETF einnehmen wird.

Was SpaceX für die Märkte bedeutet

Das Börsen­listing von 5 Prozent der SpaceX-Aktien soll 75 Milliarden Dollar bringen (rund 65 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Beim bisher größten Börsengang nahm die saudi-arabische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 rund 29 Milliarden Dollar ein. Mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie peilt SpaceX einen Gesamt­wert aller Aktien von gewaltigen 1,8 Billionen Dollar an (rund 1,6 Billionen Euro).

Damit wird das Unternehmen aus dem Stand zu einem der wert­vollsten der Welt. Es reiht sich hinter Mega-Caps wie Apple, Nvidia oder Taiwan Semiconductor ein. Da zu Beginn aber nur 5 Prozent des Aktien­wertes an die Börse gebracht werden, wäre der sogenannte Streu­besitz relativ klein.

Auch kritische Stimmen melden sich: Kritiker bemängeln, dass die Indexanbieter ihre Index­regeln anpassen, damit sie SpaceX schnell aufnehmen können, und damit vor der Macht Elon Musks einknicken. Auch werden einge­schränkte Anle­gerrechte und die Aktien­struktur kritisiert.

Raketen, Satelliten, ein Chatbot und X

SpaceX (genauer: Space Exploration Technologies Corporation) ist ein Unter­nehmens­konglomerat des Tesla-Gründers Elon Musk. Es umfasst

  • den Bereich „Space“, welcher die Raum­fahrt­aktivitäten bündelt
  • das Segment „Connectivity” mit dem Satelliten­funk-Anbieter Starlink
  • das Segment „AI” für künst­liche Intelligenz, zu welchem xAI, der Chatbot Grok und auch X (vormals Twitter) gehören.

Nur Starlink macht Gewinn

Trotz einer Bewertung, die an die teuersten Unternehmen der Welt heran­reicht, schreibt SpaceX Verluste. Per März 2026 betrug der Netto­verlust mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Ein Grund für das Minus sind die hohen Kosten für die Entwick­lung der großen Rakete Star­ship. Musk spricht von Flügen zum Mars, einer Stadt auf dem Mond und KI-Rechenzentren im All. Nur das Segment „Connectivity” mit Starlink ist aktuell profitabel, die anderen beiden schreiben rote Zahlen. Deshalb wird SpaceX voraus­sicht­lich erst einmal in die Kommunikations­branche einge­ordnet – da kommt der größte Bereich des Gewinns her.

Tipp: Unser Beitrag Starlink im Schnelltest zeigt, wie gut Internet via Satellit funk­tioniert.

Wie eine Aktie in einen Index gelangt

Für jeden Index gibt es ein Regel­werk, welches fest­hält, wie der Index berechnet wird, wie er sich zusammensetzt und wie er Anpassungen vornimmt. Um zu bestimmen, ob sie eine Aktie aufnehmen, ziehen die Indexanbieter folgende Punkte in Betracht:

  • Die meisten Indizes nehmen nur Aktien ab einer bestimmten Größe auf, meist gemessen an der Markt­kapitalisierung, dem Wert des Unter­nehmens an der Börse.
  • Meist muss zusätzlich der Streu­besitz ausreichend groß sein, also der Anteil der Aktien, der nicht dauerhaft von strategischen Investoren gehalten wird.
  • Die Aktien müssen schon ein paar Wochen oder gar Monate an einer Börse gehandelt werden. Das dient auch dazu zu schauen, ob sie Mindestan­forderungen ans Handels­volumen erfüllen.
  • Manche Indizes setzen vierteljähr­liche Unter­nehmens­berichte für eine Aufnahme voraus.
  • Es kann auch Vorgaben bezüglich der Ertrags­kraft geben, die Gewinne für eine Aufnahme zur Voraus­setzung machen.

Unternehmen gehen später an die Börse

Bisher kamen Unternehmen meist in früheren Entwick­lungs­stadien und somit mit kleinerem Markt­wert an die Börse. Doch 2026 stehen gleich mehrere Mega-Börsengänge an: Auch die KI-Firmen OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) sowie der Finanz­dienst­leister Revolut werden erwartet.

Solche Mega-IPOs haben viele Indexanbieter in ihrem Regel­werk nicht explizit vorgesehen. Bei den meisten müssten die potenziellen neuen Börsen­stars bis zum nächsten Termin warten, an dem neue Aufnahmen vorgesehen sind und zu dem Zeit­punkt alle üblichen Bedingungen für eine Aufnahme erfüllen. Doch nun über­bieten sich die Indexanbieter mit Regel­änderungen, die eine möglichst rasche Aufnahme von SpaceX und den anderen prominenten Newcomern ermöglichen sollen.

Neue Regeln für SpaceX und Co

Wir haben uns angeschaut, wie die in Deutsch­land bekann­testen Indexanbieter ihre Statuten für SpaceX und mögliche weitere große Börsengänge anpassen – oder auch nicht. Die Indexanbieter berat­schlagen sich dafür mit anderen Experten. Das ist üblich im Vorfeld bedeutender Änderungen. Beispiels­weise befragen sie andere Markt­teilnehmer, wie zum Beispiel die ETF-Anbieter, die ja die Indizes für ihre Produkte nutzen.

FTSE weicht Regel zu Streu­besitz auf

Der in Deutsch­land relevante FTSE All-World-Index hatte bereits Regeln für eine rasche Berück­sichtigung großer Börsengänge. Sie betrachten, wie hoch der Streu­besitz ist und wie hoch der Anteil der Stimm­rechte der Aktien im Streu­besitz ist. Die Regeln wurden nun angepasst.
Für Mega-IPOs gilt jetzt, dass zu erwarten sein muss, dass zwölf Monate nach Index­aufnahme der Anteil der Stimm­rechte im Streu­besitz 5 Prozent über­schreiten wird. Bei SpaceX zum Beispiel geht der Markt davon aus, dass aktuelle Firmen­teil­haber einen Teil ihrer Aktien kurz nach Börsengang verkaufen werden. Damit wird der Anteil der Stimm­rechte im Streu­besitz nach dem Börsengang wohl kontinuierlich steigen. Dass die neue Regel auf „Erwartungen” setzt, ist ziemlich schwammig.

MSCI hat bereits eine „Fast Entry“-Regel

Als einziger der hier aufgeführten Anbieter plant MSCI keine Anpassung seines Regel­werkes – weil es schon seit langem eine sogenannte „Fast Entry”-Regel für große Börsengänge gibt. Demnach können Unternehmen bereits nach zehn Handels­tagen in den Index aufgenommen werden, wenn sie gleich zu Beginn zu den größten Aktien des Index zählen würden.

Nasdaq schafft Streu­besitz-Quote ab

Die Börse Nasdaq ist bekannt als Markt­platz für Unternehmen der Tech- und Biotech-Branche. Die größten Firmen welt­weit wie Apple, Nvidia, Alphabet (Google), Meta (Facebook) und Microsoft werden dort gehandelt. Die Nasdaq listet aber auch Aktien wie Pepsi, Starbucks oder die US-Einzel­handels­riesen Costco und Walmart. Die Börse berechnet den Nasdaq-100-Index, der die größten Unternehmen der Börse umfasst (ohne Finanz­werte).

Im Unterschied zu den meisten anderen Indizes werden die Aktien im Nasdaq-100 anhand ihres Börsen­wertes gewichtet, das heißt: Anzahl aller Aktien multipliziert mit dem Börsenkurs. Üblich ist eine Gewichtung abhängig vom Streu­besitz: Anzahl der Aktien im Streu­besitz mal Börsenkurs.

Bisher wurden nur Aktien in den Nasdaq-100 aufgenommen, die einen Streu­besitz von mindestens 10 Prozent aufwiesen. Gewichtet wurden sie dann aber mit 100 Prozent ihres gesamten Börsen­wertes. SpaceX plant aber erst einmal, nur 5 Prozent der Aktien auf den Markt zu bringen. Deshalb hat Nasdaq die Mindest-Streu­besitz-Quote von 10 Prozent abge­schafft. Nun kommen alle großen Aktien in den Index. Falls ihr Streu­besitz unter 33,3 Prozent liegt, werden sie mit dem dreifachen ihres Streu­besitzes gewichtet.

Auch die Geschwindig­keit, mit welcher große Aktien aufgenommen werden, wurde für den Nasdaq-100 angepasst. Nun müssen Firmen, die unter den größten 40 des Index wären, nicht mehr drei Monate gelistet sein, sondern es reichen sieben Börsentage, um für eine Aufnahme infrage zu kommen.

Keine Änderung für den S&P 500

Der mit Abstand bedeutendste Index von S&P Dow Jones ist der US-Aktien­index S&P 500. Eine kleine Besonderheit dieses Index war es, nur Firmen aufzunehmen, die unter anderem ihr letztes Berichts­quartal mit Gewinn abge­schlossen hatten.
Vor dem Hintergrund der kommenden Riesenbörsengänge hatte auch S&P Regel­änderungen für den S&P 500 vorgeschlagen und wollte die Regel zum Mindest­streu­besitz und Gewinn im letzten Quartal für Megacaps abschaffen. Wohl nach Rück­meldung verschiedener Markt­teilnehmer hat S&P Dow Jones nun jedoch beschlossen, am S&P 500 nichts zu ändern und die Streu­besitz­regel nur für andere Index­familien anzu­passen.

Solactive will Streu­besitz von mindestens 1 Milliarde Dollar

Der Indexanbieter Solactive ergänzt sein Regel­werk für große Börsengänge. Diese können nun schon zehn Handels­tage nach der Börsen­einführung in Solactive Indizes aufgenommen werden. Statt die Bedingungen für ausreichenden Streu­besitz an eine Quote zu koppeln (Beispiel: mindestens 10 Prozent Streu­besitz), müssen die im Streu­besitz befindlichen Aktien einen Wert von mindestens einer Milliarde Dollar aufweisen.

Tipp: ETF auf die verschiedenen Indizes von FTSE, MSCI, Nasdaq, S&P Dow Jones sowie Solactive finden Sie in unserem Fondsfinder.

Anteil von SpaceX in Indizes gering

Im Vorfeld des Börsenganges von SpaceX gab es einige kritische Stimmen, die die Index­änderungen als Gefahr für Anleger sahen. Betrachtet man das zu erwartende Gewicht von SpaceX in den verschiedenen Indizes, scheinen die Warnungen über­trieben.

Unter den bekannten Indizes wird SpaceX im Nasdaq-100 das höchste Gewicht einnehmen. Der Nasdaq-100 ist einer der konzentriertesten Indizes (nur Aktien einer Börse). Neuankömm­linge machen sich dort am meisten bemerk­bar. Er ist zudem der einzige der hier besprochenen Indizes und Index­familien, der bei Aktien mit geringen Streu­besitz einen Faktor von drei für den Streu­besitz vorsieht. Es wird erwartet, dass das Gewicht von SpaceX im Nasdaq-100 anfangs trotzdem nur ungefähr 0,5 bis 0,7 Prozent ausmachen wird.

Im FTSE All-World, dem MSCI World und MSCI ACWI IMI wird der Anteil voraus­sicht­lich unter 0,2 Prozent liegen. In den S&P 500 kommt die Aktie erst einmal nicht rein. Der Einfluss von SpaceX auf die bekannten Indizes wird also zu Beginn sehr klein sein.

Anbieter müssen Milliarden bewegen

Spannend wird, wie sich die Umstellung der ETF auf den Aktienkurs von SpaceX auswirken wird. Weil welt­weit so ziemlich alle Indizes, die US-Aktien umfassen, in den Tagen und Wochen nach dem Börsengang die Aktie aufnehmen werden, müssen auch die ETF entsprechend umschichten: Sie müssen SpaceX kaufen und gleich­zeitig das Gewicht der anderen Aktien im Index reduzieren.

Auch wenn die Anpassungen sich nur im Nach­kommabereich der Aktiengewichte abspielen, müssen am Ende viele Milliarden bewegt werden – zumal nach SpaceX ja noch weitere riesige Börsengänge erwartet werden. Unter­suchungen zeigen zudem, dass neue Index­mitglieder tendenziell zu teuer in die Indexfonds gekauft werden. Das kann teils am Nach­frageschub durch die Index­produkte selbst liegen, teils aber auch an Markt­teilnehmern, die solche Käufe vorhersehen und schon früher kaufen.

Aktive Fonds haben nicht den Druck, früh bei SpaceX einzusteigen, aber Manager, die mit schnellen Kurs­anstiegen rechnen, werden sicher versuchen, von Anfang an dabei zu sein.

SpaceX lieber nicht im ETF?

Fonds­anleger haben keinen Einfluss darauf, ob der Index ihres ETF oder der Fonds­manager ihres aktiv verwalteten Fonds SpaceX aufnimmt oder nicht. Einige würden gerne auf SpaceX im Portfolio verzichten. Zum einen reiben sich manche Anleger an der Persönlich­keit von Elon Musk – nicht zuletzt wegen seines Ausflugs in die US-Politik.

Bei SpaceX kommt noch mehr hinzu: Es wird zwei Aktienklassen geben. Elon Musk selbst wird zwar nur einen Bruch­teil aller Aktien halten, aber da seine Aktien mit mehr Stimm­rechten verbunden sind als die anderen, wird er dem Börsen­prospekt zufolge trotzdem mehr als 80 Prozent der Stimm­rechte auf sich vereinen. Das hat Folgen: Beispiels­weise ist er ohne sein Einverständnis bei SpaceX unkünd­bar. Und er kann ohne Zustimmung anderer neue Aktien kreieren und die aktuelle Aktionärs­basis verwässern. Aktionäre dürfen nicht auf dem üblichen Gerichtsweg gegen SpaceX klagen, sondern müssen sich an Schieds­gerichte wenden – was als Nacht­eil für die Anteils­eigner gesehen wird.

Möglicher Ausweg nach­haltige Fonds und ETF

Wem das nicht passt, der wird eventuell bei Aktienindizes mit ESG-Auswahl­mecha­nismen fündig. ESG steht für „Environmental, Social und Gover­nance”, also “Umwelt, Soziales und Unter­nehmens­führung”. Die Indexanbieter verfolgen auch hier unterschiedliche Regeln. Die einen könnten es als positiv ansehen, dass Musk mit Starlink auch bisher schlecht versorgten Welt­regionen Zugang zum Internet verschafft. Je nach Auslegung kann SpaceX beim “G” in ESG allerdings durch­aus schlecht dastehen und vom Indexanbieter ausgeschlossen werden. Denn durch die uneinge­schränkte Macht von Musk über sein Unternehmen fehlen wichtige Kontroll- und Korrektur­instanzen im und fürs Management von SpaceX.

Tipp: Mehr über die Auswahl­mecha­nismen nach­haltiger Fonds erfahren Sie im Beitrag Grün anlegen in zwei Varianten.

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Fazit: Wenn die Rakete zündet, landet sie in fast jedem Index

Das Debüt von SpaceX in den bekannten Indizes wird erst einmal klein ausfallen. Die Preisdynamik um die Aktie in den Wochen und Monaten nach der Börsenpremiere kann aber spannend werden. Erst wenn der Kurs von SpaceX sich vervielfachen sollte, wird der Einfluss in den Indizes wirk­lich spür­bar. In dem Fall ist es gleich, ob die Indexanbieter ihre Regeln nun für Elon Musks neues Unternehmen angepasst haben oder nicht, denn wenn die Aktie läuft, würde SpaceX über kurz oder lang auch ohne Regel­änderung in den meisten Indizes landen.

Tipp: Wollen Sie tiefer in die Index­welten eintauchen? Details zur Wert­entwick­lung, Branchen- und Länder­zusammenset­zung sowie Kenn­zahlen des MSCI World Index finden Sie auf unserer Seite Aktuelle Analysen zum MSCI World.

 

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Autor
Kontaktní osoba
Karin Baur, Yann Stoffel (mit dpa)

Společnost / Organizace
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