3.6.2026 09:08

Kormoranmanagement: LR Gantner unterstützt Vorstoß von zehn EU-Staaten

Rakousko Land Vorarlberg Gerhard Wirth
Zehn EU-Mitgliedstaaten – Finnland, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Kroatien, Rumänien und die Slowakei – setzen sich EU-weit für ein aktiveres und wirksameres Kormoranmanagement ein, wobei Landesrat Christian Gantner diesen Vorstoß ausdrücklich unterstützt und Österreich bittet, ihn aktiv mitzutragen. Er betont, dass grenzüberschreitendes Vorgehen nötig ist, weil Kormorane keine Ländergrenzen kennen und lokale Maßnahmen allein kaum wirken; am Bodensee belasten hohe Bestände Fischarten und Lebensräume, wobei zeitweise über 7.000 Kormorane gezählt wurden und die Fischentnahme den Ertrag übersteigt. Zudem spricht er sich für die Aufnahme des Kormorans in Anhang II der EU-Vogelschutzrichtlinie aus, um ein wirksameres und weniger bürokratisches Management zu ermöglichen, und plädiert für eine engere Zusammenarbeit von Fischerei, Gewässerökologie und Naturschutz auf europäischer Ebene.
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Schreiben an Bundesminister Totschnig unterstreicht Handlungsbedarf beim Kormoranmanagement – Österreich soll Vorstoß auf EU-Ebene aktiv mittragen.

Bregenz (VLK) – Zehn EU-Staaten – Finnland, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Kroatien, Rumänien und die Slowakei – setzen sich derzeit auf EU-Ebene für ein aktiveres und wirksameres Kormoranmanagement ein. Diesen Vorstoß unterstützt Landesrat Christian Gantner ausdrücklich. In einem ausführlichen Schreiben an Bundesminister Norbert Totschnig ersucht er Österreich, die Initiative der Mitgliedstaaten aktiv mitzutragen. „Die vorherrschende Situation mit dem Kormoran im Bodenseeraum zeigt auf, dass selbst Maßnahmen in einem Anrainerstaat an Wirkung verlieren, wenn in den Nachbarstaaten keine vergleichbaren Instrumente zur Verfügung stehen. Kormorane kennen nun einmal keine Länder- und Staatsgrenzen. Ein wirksames Kormoranmanagement kann nur durch ein abgestimmtes Vorgehen über Länder- und Staatsgrenzen hinweg erreicht werden“, betont Landesrat Gantner. 

Die Herausforderungen rund um die außergewöhnlich hohen Kormoranbestandszahlen im Bodenseeraum und deren Auswirkungen auf Fischbestände sowie sensiblen Lebensräume wurden bereits kürzlich in einem persönlichen Gespräch zwischen Landesrat Gantner und Bundesminister Totschnig erörtert. Mit dem nun übermittelten Schreiben unterstreicht Gantner die Notwendigkeit eines grenzüberschreitenden und wirksamen Kormoranmanagements und ersucht Österreich, den aktuellen Vorstoß der EU-Mitgliedstaaten aktiv zu unterstützen. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, die rechtlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln, um ein wirksameres Management zu ermöglichen.

Regionale Maßnahmen stoßen an Grenzen

Vorarlberg setzt seit vielen Jahren auf ein fachlich abgestimmtes Kormoranmanagement. Positiv hervorzuheben sei dabei die enge Zusammenarbeit von Fischerei, Jagd und Naturschutz, die die Herausforderungen durch den Kormoran gemeinsam anerkennen und konstruktiv an Lösungen arbeiten.

„Gerade das gute Miteinander der beteiligten Fachbereiche und die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zeigen, dass die Problematik längst erkannt ist. Dennoch stoßen wir zunehmend an Grenzen, weil Kormorane keine Länder- und Staatsgrenzen kennen“, betont Landesrat Gantner.

Zwar konnten durch die gesetzten Maßnahmen eine weitere Ausweitung der Brutkolonien verhindert und lokal vergrämende Effekte erzielt werden, eine nachhaltige Entlastung der Fischbestände sei jedoch nicht erreicht worden. Im Europaschutzgebiet Rheindelta und in der Fußacher Bucht stehen Fischbestände seit Jahren unter Druck. Gleichzeitig befinden sich rund um den Bodensee mehrere größere Kormorankolonien. Aufgrund der hohen Mobilität der Vögel können die Auswirkungen durch regionale Maßnahmen nur begrenzt beeinflusst werden.

Allein am Bodensee wurden in den vergangenen Jahren zeitweise mehr als 7.000 Kormorane gezählt. Die Fischentnahme durch den Kormoran übersteigt mittlerweile den gesamten fischereilichen Ertrag des Ober- und Untersees um mehr als das Doppelte.

Besonders betroffen sind sowohl wirtschaftlich bedeutende Fischarten als auch gefährdete heimische Arten. Gleichzeitig berichtet die Berufsfischerei seit Jahren von erheblichen Schäden durch verletzte und unverkäufliche Fische in den Netzen. Teilweise sind bis zu 64 Prozent der gefangenen Felchen beschädigt.

Auch aus naturschutzfachlicher Sicht besteht Handlungsbedarf. Trotz intensiver Bemühungen befinden sich gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Fischarten wie Äsche und Nase weiterhin in einem schlechten Erhaltungszustand. Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht auf Fischbestände und Fischerei: Durch die intensive Verkotung von Bäumen durch die Kormorane werden diese massiv geschädigt und sterben vielfach ab. Dadurch werden wertvolle Lebensräume im Naturschutzgebiet nachhaltig verändert.

„Selbst Maßnahmen in einem Anrainerstaat verlieren an Wirkung, wenn in den Nachbarstaaten keine vergleichbaren Instrumente zur Verfügung stehen“, so Landesrat Gantner.

Gemeinsames Vorgehen notwendig

Aus Sicht des Landesrates braucht es daher ein abgestimmtes Vorgehen auf europäischer Ebene. Ziel müsse es sein, den Schutz von Arten und Lebensräumen mit den berechtigten Anliegen von Fischerei, Gewässerökologie und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Im Schreiben an den Bundesminister spricht sich Landesrat Gantner deshalb ausdrücklich dafür aus, dass Österreich den Vorstoß der zehn EU-Mitgliedstaaten unterstützt. Darüber hinaus erachtet er die Aufnahme des Kormorans in Anhang II der EU-Vogelschutzrichtlinie als wichtigen Schritt. Dadurch würde der Kormoran künftig zu den jagdbaren Vogelarten zählen und ein wirksameres sowie weniger bürokratisches Management ermöglicht werden.

„Wir brauchen wieder mehr Arten-, Natur- und Umweltschutz mit Hausverstand. Und wir müssen das Gleichgewicht in der Natur wieder herstellen. Dazu gehört auch, Bestandsentwicklungen einzelner Arten dort aktiv zu steuern, wo sie nachweislich zu erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Schäden führen oder andere Arten unter Druck setzen“, so Landesrat Gantner.


https://presse.vorarlberg.at/land/public/Kormoranmanagement-LR-Gantner-unterst-tzt-Vorsto-von-zehn-EU-Staaten