Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach Athen
Vor seiner Abreise nach Athen erklärte Außenminister Wadephul heute (04.05.2026):
Griechenland ist für uns strategischer Anker im Südosten Europas, ein enger Freund und Partner in der Europäischen Union und der NATO. Mein heutiger Besuch in Athen ist ein klares Signal: Deutschland und Griechenland rücken noch enger zusammen - für ein Europa, das seine Interessen schützt, seine Werte verteidigt und in einer rauer werdenden Welt handlungsfähig ist.
Griechenland ist die Wiege essentieller Werte, die Europa heute prägen. Diese Werte und etablierte globale Regeln werden weltweit zunehmend durch Machtpolitik infrage gestellt. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Situation im Nahen und Mittleren Osten und Irans Blockade der Straße von Hormus zeigen: Unsere Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und offene Handelswege sind untrennbar miteinander verbunden.
Angesichts dieser Herausforderungen haben wir als Europäer beschlossen, mehr Verantwortung für unsere eigene Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit zu übernehmen. Heute stehen uns dafür erfreulicherweise neue Möglichkeiten zur Verfügung: Bei gemeinsamer Beschaffung, bei europäischer Finanzierung und beim Aufbau einer starken Verteidigungsindustrie. Diese Instrumente wollen wir konsequent nutzen - gerade mit so engen Partnern wie Griechenland.
Unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit ist die Grundlage dafür, dass Europa seine Interessen behauptet. Griechenland hat mit mutigen und energischen Reformen den Weg aus einer wirtschaftlichen Krise in einen Wachstumspfad herausgefunden. Griechenland ist heute ein dynamischer Wachstumsmarkt. In Bereichen wie Energie, Digitalisierung und Infrastruktur gibt es viel Potenzial für noch engere Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern.
Ein handlungsfähiges Europa braucht auch einen modernen EU-Haushalt, der flexibel auf neue Bedrohungslagen reagiert und klare Prioritäten setzt – gerade dort, wo wir unabhängiger und widerstandsfähiger werden müssen. Verbesserte Handlungsfähigkeit schließt auch ein, dass wir unsere Entscheidungsfindung erneuern, um den vielen Krisen schneller und wirkungsvoller zu begegnen. Blockaden können wir uns immer weniger leisten, gerade weil wir Europa strategisch weiterdenken wollen.
Die Erweiterung der EU ist ein konkretes Versprechen, bei dem greifbare Fortschritte unter den Beitrittskandidaten zählen müssen. Von Albanien bis zur Ukraine müssen wir glaubhafte Perspektiven für einen Beitritt bieten. Griechenland kommt hier eine besondere Rolle zu: Während Griechenlands EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2027 steht eine entscheidende Phase an – und diese wollen wir gemeinsam gestalten.