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        Wie es den Schafen geht, bleibt oft unklar
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        28.9.2026
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    <autor>
        Julica Jungehülsing | Stiftung Warentest
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        Leiden die Schafe, deren Wolle zu Shirts wird? Große Anbieter wie Decathlon, Falke und Icebreaker mauern. Nur wenige zeigen im Test starkes Engagement fürs Tier­wohl.
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Knapp drei Grad zeigt das Thermo­meter im australischen Armidale an diesem Wintermorgen im Juli, eisiger Wind rüttelt an den Scheunentoren. Auf der Cress­brook-Farm, etwa 500 Kilo­meter nördlich von Sydney, läuft die Schur­woche auf Hoch­touren. Fünf Scherer beugen sich über 60 Kilogramm schwere Merinos, arbeiten schnell und präzise. In der Winterschur lassen sie den Schafen zwei Zenti­meter mehr Wolle auf der Haut. „So wird ihnen auf den Feldern nicht zu kalt“, sagt Lach Fulloon, Besitzer des 1 700 Hek­tar großen Familien­betriebs.


Schafhaltung im Fokus
Merinowolle gilt als sehr fein, atmungs­aktiv und kaum kratzig. Hinter dem edlen Naturmaterial steckt eine komplexe globale Lieferkette – an deren Anfang Schafe stehen. Über ihre Haltungs­bedingungen häufen sich seit Jahren kritische Berichte, besonders aus Australien, dem welt­weit größten Woll­produzenten. Im Fokus steht vor allem das schmerzhafte Mulesing: Bei dieser Praktik wird den Lämmern ein Stück Haut aus dem Gesäß­bereich heraus­geschnitten, um sie vor Fliegenbefall zu schützen. Der Befall kann tödlich sein, doch auch der Eingriff ist brutal.

„Seit mehr als 15 Jahren findet auf unserer Farm kein Mulesing mehr statt“, sagt Lach Fulloon. „Wir erhalten etwa vier bis fünf Prozent mehr Geld für unsere Wolle, weil sie mule­sing­frei ist. Das klingt nach wenig, deckt aber den Mehr­aufwand.“ Trotzdem ist mule­sing­freie Wolle in Aus­tralien längst nicht Stan­dard. Anders als in weiteren großen woll­produzierenden Ländern wie etwa Neuseeland ist Mulesing in Australien noch erlaubt.

Wir wollten daher von den elf Anbietern der Merino-Funktionsshirts im Test wissen, woher die Wolle stammt und wie die Tiere gehalten werden. Zudem befragten wir die Firmen zu ihrem Engagement für faire Arbeits­bedingungen und umwelt­schonende Lieferketten, baten um Belege wie Zertifikate, Kontroll­berichte und Nach­weise von Lieferanten.



Blick in die Tabelle
Test­urteile von Gut bis Mangelhaft
Das Test­ergebnis fällt gemischt aus. Unsere Urteile zur Unter­nehmens­ver­antwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) reichen von Gut bis Mangelhaft – und offen­baren teils große Lücken zwischen dem, was Unternehmen versprechen, und dem, was sie uns gegen­über tatsäch­lich belegten. Unsere Recherchen in Australien, wie der Besuch der Cress­brook-Farm, halfen uns, das Woll­geschäft besser zu verstehen. Wir sprachen dazu mit Farmern, Scherern und Zertifizierern. In die Bewertung der Anbieter floss dies aber nicht ein.


Unser Rat

Einzig Devold schneidet mit seinem Engagement für Tier­wohl, faire Arbeits­bedingungen und Umwelt­schutz insgesamt gut ab. Devold war zudem sehr trans­parent. Auch Ortovox, Tchibo und Kaipara zeigen Verantwortung beim Tier­wohl: Sie beziehen Wolle aus zertifizierter, unabhängig kontrollierter Schafhaltung ohne Mulesing – jener schmerzhaften Praxis, bei der Schafen Hautfalten heraus­geschnitten werden, um sie vor Fliegenbefall zu schützen.


Vier Firmen verweigern die Auskunft
Vier der elf über­prüften Anbieter ließen unsere Fragen unbe­antwortet: Decathlon, Falke, Icebreaker und Smartwool – obwohl alle vier mit Begriffen wie Nach­haltig­keit und Trans­parenz werben. Decathlon und Falke erteilten zumindest eine Absage. Icebreaker und Smartwool reagierten gar nicht. Wer keine Auskunft gibt, zeigt auch keine Verantwortung. Wir beur­teilen alle vier deshalb mit Mangelhaft.

Tipp: Welche Firmen auch mit einer hohen Produktqualität über­zeugen, lesen Sie im Merino-Shirt-Test.



Hohes Engagement für Tier­wohl
Lediglich vier Anbieter wiesen uns nach, dass ihre Wolle von Schafen stammt, die unter kontrollierten, tier­schutz­gerechten Bedingungen gehalten werden – frei von Mulesing: Devold, Kaipara, Ortovox und Tchibo beziehen ausnahms­los Merinowolle, die nach einem unabhängigen Tier­wohl-Stan­dard zertifiziert ist, teils ergänzt durch eigene Tier­schutz­vorgaben.

Besonders Devold und Ortovox über­zeugen. Devold, ein norwegischer Spezialist für Woll­kleidung, kaufte die Wolle als einziger im Test direkt von den Erzeugern in Neuseeland. Beide Firmen gaben uns als einzige im Test konkrete Auskunft zu den Farmen und konnten durch unabhängige Kontrollen belegen, dass ihre Vorgaben dort auch tatsäch­lich umge­setzt werden.


Wo Nach­weise fehlen
Bei den drei anderen auskunfts­bereiten Unternehmen ließen sich die Farmen nicht zurück­verfolgen. Globetrotter, Odlo und Woolday legten uns zwar jeweils eine Non-Mulesed-Deklaration von Lieferanten vor. Eine Lieferanten­erklärung ersetzt jedoch keine unabhängige Prüfung.

Globetrotter und Odlo machen eigene Tier­wohl­vorgaben, doch ob diese auf den Farmen umge­setzt werden, haben sie nicht belegt. Die Unternehmen nannten uns die Farmen nicht. Woolday hat zudem keine verschriftlichte Tier­wohl-Richt­linie.

Auch beim Shirt-Kauf selbst bleibt es oft intrans­parent: Nur wenige Anbieter im Test geben auf dem Produkt an, aus welchem Land die Wolle stammt.



Drei Firmen belegen faire Arbeits­löhne
Tier­wohl ist nur eine Seite verantwortungs­voller Produktion – am Ende der Lieferkette stehen Menschen, die die Wolle zu Kleidung verarbeiten. Wie ernst es die Unternehmen mit ihrer sozialen Verantwortung nehmen, zeigt sich etwa daran, ob sie nach­weislich existenz­sichernde Löhne zahlen. Im Test punkten besonders Devold, Globetrotter und Odlo mit ihrem Einsatz für faire Arbeits­bedingungen. Alle drei haben umfassende Lieferanten­vorgaben für verschiedenen Fertigungs­stufen, etwa existenz­sichernde Löhne in der Konfektion. Sie weisen zudem nach, dass unabhängige Dritte die Vorgaben kontrollieren.

Kaipara und Woolday lassen in Deutsch­land nähen. Die kleinen Unternehmen legten uns kaum soziale Vorgaben für die Produktions­stufen dar.



Neue Züchtung statt Mulesing
Zurück auf der Cress­brook-Farm geht die Schur routiniert voran. Mit ruhigen Bewegungen scheren die Männer die dichte, weiche Wolle ab, vorn­über­gebeugt in einem Gurt, der ihren Rücken bei der acht­stündigen Knochen­arbeit entlastet.

Lach Fulloon setzt auf eine spezielle Merino-Züchtung ohne die üppigen Hautfalten, in die die gefürchteten Fliegen besonders gern ihre Larven legen. So lässt sich Mulesing vermeiden. „Ich habe die Praktik nie gemocht“, sagt der 53-Jährige. „Wir haben mit dem Mulesing aufgehört, so früh wir konnten.“ Wenn nötig, setze er Insektizide und Medikamente bei seinen rund 5 000 Tieren ein. Denn der Fliegenbefall trifft zuweilen auch faltenärmere Schafe.


Zwischen Tradition und Markt­druck
Auf deutlich größeren Farmen als der von Lach Fulloon, wo Zehn­tausende Schafe auf riesigen Flächen leben, ist es oft schwieriger, Tiere ständig auf Fliegenbefall zu über­wachen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Lämmern in Australien weiterhin Haut­stücke abge­schnitten werden.

Auf der West­vale-Farm etwa wird Mulesing noch praktiziert. Andrew Blanche, der Sohn des Besitzers, will vom Mulesing abrü­cken, sobald er die Farm über­nimmt – mithilfe entsprechender Züchtungen. Doch noch habe sein 90-jähriger Vater das Sagen, und im Alter falle es nicht leicht, sich von Traditionen zu verabschieden.

Dennoch führt daran wohl kein Weg vorbei: Händler, die Merino­produkte in Europa verkaufen wollen, bevor­zugen immer häufiger zertifizierte, mule­sing­freie Wolle. Das dürfte zu mehr Trans­parenz im Markt führen. Bislang aber sind viele Anbieter offen­bar noch nicht bereit dafür.

Tipp: Welche Umwelt­auswirkungen Baumwolle und Biobaumwolle haben, lesen Sie in unserer Ökobilanz von T-Shirts.






Verstümme­lungen sind in Australien erlaubte Praxis

Australien liefert rund 25 Prozent der welt­weit gehandelten Rohwolle und ist ein Haupt­lieferant für Merinowolle. Knapp 60 Millionen Merinos werden dort jähr­lich geschoren. Fünf der sieben auskunfts­bereiten Anbieter in unserem Test bezogen die Wolle für das geprüfte Shirt ganz oder teil­weise von dort.

Das Fliegen­problem
Merinoschafe wurden mit besonders vielen Hautfalten gezüchtet, um mehr Wolle zu liefern. Darin sammeln sich Feuchtig­keit und Schmutz – ideale Bedingungen für die Schmeiß­fliege Lucilia cuprina, deren Maden sich vom Gewebe der Tiere ernähren. Unbe­handelt kann der Befall zum Tod des Tieres führen.

Die brutale Lösung
In den 1930er-Jahren entwickelte der australische Farmer John Mules eine chirurgische Methode: Dabei werden Hautfalten aus dem Gesäß­bereich junger Lämmer entfernt – die entstehende Narbe bleibt woll- und damit fliegenfrei. Der Eingriff erfolgt oft ohne ausreichende Betäubung und gilt als tier­schutz­widrig. Anders als Australien haben weitere große Woll­produzenten wie Neuseeland, Südafrika oder Argentinien das Mulesing bereits verboten.

Das gebrochene Versprechen
Seit mehr als 25 Jahren fordern Tier­wohl­organisationen wie Vier Pfoten und die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA), Mulesing zu beenden. 2004 versprach die australische Woll­industrie, die Praxis bis 2010 abzu­schaffen – und hielt die Frist nicht ein. Laut einem Bericht der Australian Alliance for Animals wird Mulesing noch immer an rund 10 Millionen Schafen pro Jahr praktiziert. Die Politik hält sich weit­gehend heraus, ein landes­weites Verbot ist nicht in Sicht. Immerhin schreiben zwei Bundes­staaten mitt­lerweile Schmerz­mittel beim Mulesing gesetzlich vor.

Die sinn­volle Alternative
Eine lang­fristige Maßnahme ist die Zucht von wenig faltigen, widerstands­fähigen Schafen. Sie sind weniger anfäl­lig für Fliegenbefall, das Mulesing ist nicht erforderlich. Teil­weise wird bei ihnen jedoch mehr chemischer Fliegen­schutz einge­setzt.

Hilf­reiche Tier­wohl-Siegel
Das unabhängige RWS-Siegel (Responsible Wool Stan­dard) steht für verantwortungs­volle, mule­sing­freie Schafhaltung. Empfehlens­wert ist auch das neuseeländische ZQ-Merino-Siegel. Beide sind aber recht selten auf Textilien zu finden. Das bekannte Woolmark-Label sagt hingegen vor allem etwas über die Woll­qualität aus – nicht über die Tierhaltung.







https://www.test.de/Merinoshirt-Anbieter-im-Test-Tierwohl-Arbeitsbedingungen-Umweltschutz-6328335-0?wt_mc=owned.site.rssfeeds.dl...


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