Rede von Außenminister Johann Wadephul bei der 14. Konferenz für deutsche Beschäftigte internationaler Organisationen und europäischer Institutionen 9.6.2026 Rede | Auswärtiges Amt - es gilt das gesprochene Wort - Ich habe in den letzten zwei Wochen mehr Zeit in New York verbracht als hier in Berlin. Dort hat Deutschland – man muss es so deutlich sagen, – eine herbe Enttäuschung erlebt. Wir haben uns aus Überzeugung für einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat beworben, um als einer der größten Unterstützer der Vereinten Nationen einen wichtigen Beitrag zu leisten. Weil wir unser Engagement in den Vereinten Nationen, wie auch in den anderen internationalen Organisationen, für herausragend wichtig halten! Für die Kampagne hatten wir das Motto “Respect. Justice. Peace” gewählt. Als Ausdruck unseres Willens, Verantwortung für Frieden und Sicherheit zu übernehmen und für die Stärkung der multilateralen Ordnung einzutreten. Und das bleibt so: “Respect. Justice. Peace” gehört zu unserem deutschen außenpolitischen Markenkern. Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner. Wir übernehmen weiter weltweit Verantwortung. Und dazu gehören auch Sie! Sie übernehmen Verantwortung für das große Ganze. Für einen funktionierenden Multilateralismus. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, mich bei Ihnen zu bedanken: Danke, dass Sie hierher nach Berlin gekommen sind – egal, wie weit die Anreise war. Danke, dass Sie keine Mühen gescheut haben, um – das erste Mal seit acht Jahren – hier wieder in Präsenz zusammen zu kommen. Und vor allem danke für Ihre tägliche Arbeit, die Sie leisten. Für Deutschland. Für Europa. Für die Welt. Bei etwa 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist es kaum möglich, die komplette Bandbreite Ihrer Tätigkeiten zu würdigen: Einige von Ihnen sind in den Vereinten Nationen tätig, bei der NATO, bei der EU, in den vielen anderen europäischen Institutionen. Bei Finanz- und Sicherheitsorganisationen, an europäischen und internationalen Gerichtshöfen, in Entwicklungsprogrammen oder in der Humanitären Hilfe. Sie sorgen dafür, dass Menschen aus Deutschland an den wichtigsten Stellschrauben dieser Welt mitwirken. Sie tragen dazu bei, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert. Genau darum geht es heute. Meine Damen und Herren, internationale Probleme brauchen gemeinsame Lösungen! Weil Krisen, Kriege und Migration keine Landesgrenzen kennen. Genauso wenig wie globale Lieferketten oder die Auswirkungen des Klimawandels. Sie alle wissen: Der russische Angriffskrieg richtet sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die gesamte euro-atlantische Sicherheitsarchitektur und gegen Kernnormen des Völkerrechts. Der Krieg in Iran betrifft uns alle, weit über die Region hinaus. Gerade in den letzten Stunden ist das nochmal deutlich geworden. Weltweit spüren wir die Auswirkungen auf die Kosten und Verfügbarkeit von Energie, Lebens- und Düngemitteln und sehen das Risiko weiterer Hungerkrisen am Horizont. Und in Sudan erleben wir eine der schwersten humanitären Krisen unserer Zeit. Im April kamen deshalb – hier in diesem Saal – Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Staaten und Organisationen zusammen, um gemeinsam Auswege aus humanitärer Not und Vertreibung in Sudan zu finden. Diese Krisen und Konflikte lassen sich von keinem Staat alleine lösen. Sondern nur, wenn wir zusammenarbeiten. Wenn wir Meinungsverschiedenheiten am Verhandlungstisch austragen. Wenn wir auf Dialog statt auf Abschottung setzen. Und trotz – beziehungsweise gerade wegen – unterschiedlicher Interessen miteinander sprechen. Das ist die Art und Weise, wie wir als Deutsche den Multilateralismus ausgestalten wollen. Dieses multilaterale System ist nicht perfekt. Viele Organisationen – die Vereinten Nationen ebenso wie die Europäische Union – brauchen dringend Reformen. Und ja, diese Reformen bringen teilweise auch Personalkürzungen mit sich. Wichtig ist mir, dass Deutsche nicht überproportional betroffen sind. Am Ende geht es darum, dass starke Institutionen die Veränderungen in der Welt mitgehen und sie widerspiegeln. Darum, dass sie handlungsfähig bleiben. Dieses Anpassen an neue Realitäten ist übrigens auch unser Antrieb für die Strukturreform des Auswärtigen Amts, die wir dieses Wochenende umgesetzt haben. Heute Morgen sind alle Kolleginnen und Kollegen hier im Amt in der neuen Struktur in die Woche gestartet. Wir werden nun als Organisation wesentlich klarer die Anforderungen unseres heutigen strategischen Umfelds abbilden. Diese Notwendigkeit besteht auch für die internationalen und europäischen Organisationen, in denen Sie tätig sind: Sie müssen sich mit den geopolitischen Herausforderungen mitverändern. Deswegen habe ich auch für die Europäische Union im Mai sechs konkrete Reformpunkte vorgeschlagen. Weil wir als EU stärker und effektiver werden müssen, um die globalen Umbrüche als Europäer mitgestalten zu können. Meine Damen und Herren, unsere gemeinsame Aufgabe besteht nicht darin, den Multilateralismus zu verwalten. Unsere Aufgabe besteht darin, ihn zu erneuern und zu stärken. Heute arbeiten rund 9.500 Deutsche in knapp 300 internationalen Organisationen und europäischen Institutionen. Das ist beeindruckend! Und zugleich wissen wir: Gemessen an unserem Gewicht und unserem – auch finanziellen – Engagement gibt es noch Luft nach oben. Wenn ich mich hier umsehe, dann ist mir auch klar: Es braucht mehr Menschen wie Sie! Wir brauchen mehr Nachwuchskräfte aus Deutschland, die bereit sind, Verantwortung in Europa und der Welt zu übernehmen. Wir wollen, dass sich möglichst viele Deutsche erfolgreich bewerben – egal, ob beim Auswahlverfahren für EU-Beamte oder für NATO, VN-Sekretariat und Co. Für die Unterstützung dieser Kandidaturen werbe ich übrigens auch regelmäßig innerhalb der Bundesregierung! Dazu gehört auch, dass wir das Arbeiten in internationalen Organisationen als Auswärtiges Amt für unser Stammpersonal noch attraktiver und zugänglicher machen. Es ist natürlich kein schöner Gedanke, unsere besten Köpfe loszulassen. Aber mir ist klar: Wenn sie wiederkommen, dann bringen sie einen großen Erfahrungsschatz mit, den sie einbringen können. Das sind Einblicke, die für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert sind. Und das macht Sie alle zu einer strategischen Ressource für unser Land. Ich möchte, dass wir diesen Mehrwert noch besser nutzen! Denn Sie bilden ein starkes Netzwerk. Ein „Team Deutschland“, das sich nicht nur über Arbeitsplätze und Institutionen definiert, sondern über persönlichen Austausch, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. Es bedeutet, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig Türen zu öffnen. Gemeinsam dafür zu sorgen, dass deutsche Expertise dort vertreten ist, wo internationale Entscheidungen getroffen werden. Und, dass im Umkehrschluss Ihre internationale Expertise dort mit einfließt, wo nationale Entscheidungen getroffen werden. Daher ist mein Appell an Sie heute: Nutzen Sie diese zwei Tage hier in Berlin! Verteilen Sie alle Ihre Visitenkarten, verlinken Sie sich digital. Vernetzen Sie sich, untereinander und insbesondere mit uns, dem Auswärtigen Amt und den anderen Ressorts. Damit wir als Team Deutschland gemeinsam Verantwortung für Frieden und Sicherheit tragen können. Herzlichen Dank, dass Sie hier sind. Ich freue mich auf den Austausch! https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2774500-2774500