| Datum | 18.10.2026 |
| Subjekt | Land Burgenland |
| Region | Rakúsko |
| Kategorie | Kultúra, Štátna správa a samospráva, Ľudské práva |
70 Jahre nach dem Ungarnaufstand erinnerte eine österreichisch-ungarische Gedenkfeier an die Flucht tausender Menschen und die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung
Die Brücke von Andau ist ein besonderer Erinnerungsort der europäischen Zeitgeschichte. Anlässlich des 70. Jahrestages des Ungarischen Volksaufstandes kamen heute, Samstag, 17. Oktober, Vertreterinnen und Vertreter aus Österreich und Ungarn zusammen, um jener Menschen zu gedenken, die 1956 nach der Niederschlagung des Aufstandes ihre Heimat verlassen mussten und über Andau nach Österreich flohen. Die Gedenkfeier rückte neben den historischen Ereignissen vor allem die Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft in den Mittelpunkt, die den Menschen damals entgegengebracht wurden. Landesrätin Daniela Winkler, die in Vertretung von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei der Veranstaltung anwesend war, hob die Bedeutung der Weitergabe historischer Erfahrungen hervor: „Es ist unsere Verantwortung, die Erinnerung an die Ereignisse von 1956 lebendig zu halten und gerade jungen Menschen zu vermitteln, was Freiheit bedeutet und wie wichtig ein respektvolles Miteinander ist. Wenn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ihre persönlichen Erlebnisse teilen und Schülerinnen und Schüler sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen, wird Vergangenheit greifbar. So schaffen wir Bewusstsein dafür, dass Frieden, Demokratie und Menschlichkeit keine Selbstverständlichkeit sind, sondern von jeder Generation aufs Neue getragen und verteidigt werden müssen.“ Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner betonte die Bedeutung dieses historischen Ortes: „Die Brücke von Andau erinnert uns daran, wie wichtig es ist, füreinander einzustehen. 1956 haben hier unzählige Ungarinnen und Ungarn vor Unterdrückung und Verfolgung Schutz gesucht. Die Menschen in der Region haben geholfen – oft ganz selbstverständlich und mit dem, was ihnen zur Verfügung stand. Dieses Engagement verdient unsere Anerkennung und zeigt, was Zusammenhalt gerade in schwierigen Zeiten bewirken kann. Für mich ist diese Erinnerung auch ein Auftrag für die Gegenwart. Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen, brauchen Schutz und die Möglichkeit, in Würde zu leben. Solidarität darf nicht bei schönen Worten bleiben, sondern muss sich im konkreten Handeln zeigen. Die Brücke von Andau erinnert uns daran, Menschlichkeit nicht nur in Erinnerung zu bewahren, sondern sie auch heute zu leben.“
Im Herbst 1956 flohen nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes mehr als 200.000 Menschen aus Ungarn in den Westen. Die Brücke über den Einser-Kanal nahe Andau wurde für viele von ihnen zum Weg in die Freiheit. Die örtliche Bevölkerung leistete damals umfangreiche humanitäre Hilfe: Schulen, Kindergarten, Kino und weitere öffentliche Räume wurden für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Am 21. November 1956 wurde die Holzbrücke von ungarischen Soldaten gesprengt. Vier Jahrzehnte später errichteten österreichische und ungarische Soldaten eine neue Brücke, die am 14. September 1996 feierlich eröffnet wurde. Seither erinnert sie an die Fluchtbewegung und an die Folgen eines durch politische Unterdrückung und Grenzen geteilten Europas. Zugleich steht sie für Toleranz, Hilfsbereitschaft und die Verbundenheit der Menschen über Grenzen hinweg.
Im Rahmen der Gedenkfeier wurde die Geschichte auch durch persönliche Erfahrungen greifbar. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichteten von ihren Erlebnissen während des Ungarnaufstandes, von der Flucht und von den ersten Tagen in Österreich. Historiker Herbert Brettl erläuterte die Idee und das Konzept der neuen Gedenkplattform. Musikalische Beiträge des Musikvereins Andau sowie von Schülerinnen und Schülern aus Andau und den ungarischen Gemeinden Jánossomorja und Osli unterstrichen den grenzüberschreitenden Charakter der Veranstaltung. Die Beteiligung der jungen Generation setzte zugleich ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, historische Erfahrungen weiterzugeben und das Bewusstsein für Freiheit und Menschlichkeit wachzuhalten.
Ein Höhepunkt war die Segnung und symbolische Eröffnung der Gedenkplattform durch Generalvikar Wüger. Der gemeinsame Gang zur Plattform und der symbolische Akt der Enthüllung machten die Bedeutung des Erinnerungsortes sichtbar. Die Gedenkplattform ergänzt die historische Brücke um einen Ort des bewussten Gedenkens und der Begegnung. Sie soll die Erinnerung an die Ereignisse von 1956 bewahren und auch künftigen Generationen vermitteln, was Flucht bedeutet, welche Kraft in menschlicher Solidarität liegt und warum Freiheit und ein friedliches Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit sind. Im Anschluss an den Festakt klang die Veranstaltung bei Musik und regionalen kulinarischen Angeboten aus. Die Begegnung zwischen österreichischen und ungarischen Gästen unterstrich die Verbundenheit beider Länder und die bleibende Bedeutung der Brücke von Andau als Zeichen für Menschlichkeit und Zusammenhalt.
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Brücke von Andau 1
Brücke von Andau 2
Brücke von Andau 3
Brücke von Andau 4
Bildtext Brücke von Andau 1 bis 4: 70 Jahre Brücke von Andau: Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und Landesrätin Daniela Winkler gedachten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Österreich und Ungarn der Ereignisse des Ungarischen Volksaufstandes vor 70 Jahren.
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland/Emmerich Mädl
Dorothea Müllner-Frühwirth, 17. Oktober 2026
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